Kultur | 22.08.2012

Zwei Stunden lang loopen und dann jammen

Text von Jessica Hefti | Bilder von Lukas Pulver
Dirty Purple Turtle aus Thun produzieren mit Effektgeräten, Schlagzeug und Visuals einen alternativen Synthie-Rock. Die Geräusche werden zu einem Soundteppich vereint und mit treibenden Beats zu einer Geschichte verstrickt. Die beiden Musiker Daniel Zimmermann und David Zingre über Soundkonzepte und warum sie keinen Radiohit machen.
Sounden mit schrägem Touch: Daniel Zimmermann und David Zingre von Dirty Purple Turtle.
Bild: Lukas Pulver

Tink.ch: Warum Schildkröten, warum Dirty Purple Turtle?

Dirty Purple Turtle: Ein Einfall zwischen zwei Bieren, erst ein Witz, dann wurde ernst daraus. Es ist ein Zungenbrecher, der Freude bereiten soll. Wenn die Leute schmunzeln, ist das völlig ok. Jeder der schon mal einen Bandname suchte, kann hier mitfühlen. Das ist nicht einfach.

 

Wie seid ihr zusammen gekommen?

Das ist gut zwölf Jahre her. Erst waren noch andere Bands im Spiel und dann plötzlich nur noch wir zwei und ein Haufen Effektgeräte. Vor zwei Jahren haben wir die mal gemeinsam zusammengesteckt und dann ging es los mit Dirty Purple Turtle.

 

Und wie muss man sich vorstellen, wie so ein Song bei euch entsteht?

Wir sitzen zusammen an einem Tisch – wie im Büro und haben beide unsere Elektrokisten vor uns – Sampler und Sequenzer. Dann kreieren wir zwei Stunden lang Loops bis das Grundgerüst steht und wir es mit anderen Effektgeräten und Schlagzeug “jamen” können. Das Experimentieren im Proberaum bringt den Song dahin wo wir ihn haben wollen.

 

Ist das Willkür oder steckt da ein festes Konzept dahinter?

Der Ablauf wie ein Song entsteht ist mittlerweile fix, in den einzelnen Schritten wird noch viel probiert, wenn auch da immer wieder feste Ideen dahinter stecken, was man noch probieren möchte.

 

Dann habt ihr noch die Visuals, also die experimentellen Videos, die live zu euren Songs eingespielt werden.. Was steckt dahinter?

Pul und Res, mittlerweile zwei fixe Bandmitglieder, sind für die Bilder im Hintergrund zuständig und haben völlig freie Hand was sie zu den Songs zeigen wollen. Sie können den Song mit den Visuals live auch in eine Richtung ziehen. Wir gaben ihnen unser Debütalbum “The Saga of Goblet Henry” und sie gingen ans Werk.

 

Wie ergeht es euch wenn ihr live auf der Bühne steht?

Die letzten Auftritte am Openair am Bielersee oder am Tschingelhell im Berner Oberland waren tolle Geschichten, wo alles nach unseren Wünschen funktioniert hat. Vor der Bühne gab es einen grossen Menschenauflauf und die Leute tanzten – so macht es am meisten Spass.

 

Wenn ihr euer Publikum jetzt vor Augen habt; was seht ihr für Menschen?

Wild durcheinander: Jede Altersgruppe und jeden Stil. Wir waren schon erstaunt, wem es gefallen hat. Leuten von denen man denkt, das ist denen zu alternativ.

 

Habt ihr euch vorgenommen eine Nische zu bedienen; alternativ zu sein?

Nein, das hat sich so ergeben. Wir haben uns nie einen Stil vorgenommen oder wollten ein gewisses Genre bedienen. Der Gegenpol wäre die Absicht kommerziell zu werden, das könnten wir wahrscheinlich gar nicht. Oder unser Sound müsste der Inbegriff von Kommerz werden. Aber ehrlich gesagt, können wir uns nicht vorstellen, einen Kracher zu landen; einen Hit der dann im Radio gespielt wird. Wenn wir zwei zusammen Musik machen, dann kommt meist etwas mit einem schrägen Touch raus.

 

Was ist euer Ziel?

Viel Musik machen! Wir würden gerne mal länger zusammen unterwegs sein – auf eine Tour gehen. Und am Paléo Festival in Nyon auftreten!

 

 

Demnächst in Zürich


Dirty Purple Turtle spielen live in Zürich morgens um 7 Uhr, am 16. September in der Remise an der Sollbrunchstelle.

 

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