Kultur | 15.08.2012

Man konnte die Augen schliessen und geniessen

Text von Pascal Spycher | Bilder von Georg Anderhub/zvg
Im Rahmen des Lucerne Festival im Sommer stand Goethes Trauerspiel Egmont und das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Programm. Die passende Auswahl von Solisten, Orchester und Chören ergab ein gelungenes Konzert. Überzeugend war insbesondere der Auftritt von Claudio Abbado als Dirigent.
Das Orchester überzeugte am Lucerne Festival ebenso, wie die Chöre. Eine besondere Augenweide war das Dirigat von Claudio Abbado.
Bild: Georg Anderhub/zvg

Das Lucerne Festival Orchestra wurde 2003 von Claudio Abbado und Michael Haefliger gegründet. Seither eröffnet das Orchester jeweils das Festival im Sommer. Es spielen international bekannte Solisten, Kammermusiker, Professoren und rund fünfzig Mitglieder aus dem Mahler Chamber Orchestra, einem internationalen Tournee-Orchester, welches in den weltweit bedeutendsten und exklusivsten Konzertsälen spielt. In diesem Jahr stand das Thema Glaube im Zentrum des Festivals.

 

Neben dem Lucerne Festival im Sommer gibt es auch das Lucerne Festival zu Ostern. Dort wird während zehn Tagen vor allem geistliche Musik aufgeführt. Im November wird am Lucerne Festival am Piano verschiedenste Musik am Klavier und an der Orgel aufgeführt, von klassischer Musik über Jazz bis zur modernen Musik.

 

Nah und doch sehr fern

Das Konzert begann mit Beethovens Trauerspiel “Egmont”. Bereits die ersten Töne lenkten die Konzentration voll und ganz auf das Orchester. Die dynamischen Unterschiede waren gerade richtig aufeinander abgestimmt, so dass die musikalischen Finessen im Gesamtklang nicht untergingen. Bei manchen Pianostellen spielten die Violinen äusserst klar und präzise, was sehr beeindruckend war. Juliane Banse, die Sopranistin wirkte überzeugend und gab dem gesungenen Text den richtigen dramaturgischen Ausdruck. Claudio Abbados Freund, Bruno Ganz leitete als Sprecher durch das Stück und war in dramatischen Abschnitten mal laut, in anderen ganz leise. Mit seiner tiefen Stimme brachte er etwas Geheimnisvolles mit ins Stück und gab das Gefühl, von einem anderen Ort aus zu den Zuhörern zu sprechen. Der kraftvolle Klang des Orchesters nahm den Zuhörer mit in die ferne Welt von Egmont und blieb in den Ohren, sodass man in der Pause hier und da jemanden die letzten Takte nachpfeifen hörte.

 

Ein lautloses Schauspiel

Der zweite Teil begann mit den leisen Klängen von Mozarts Requiem. Die Chöre des Bayrischen und Schwedischen Rundfunks überzeugten durch eine sehr deutliche Aussprache. Die durchgehenden Läufe der Streicher waren vor allem am Anfang des Werkes etwas undurchsichtig gespielt. Die Solisten sangen mit klarer und kräftiger Stimme. Es berührten einige Solis so sehr, dass sich einzelne Zuschauende die Tränen aus dem Gesicht wischten. Der Klang des Orchesters war stets sehr ausgeglichen und gab dem Chor genügend Boden, was zusammen ein optimales Klangerlebnis bildete. Interessant war Claudio Abbados Dirigat, eine Art lautloses Schauspiel, in welchem die ganze Ausdruckskraft der gesungenen Worte und der Musik steckte. Als der letzte Ton verklungen war liessen die Musiker ihre Instrumente etwa eine halbe Minute in Spielposition. Dadurch blieb es im ganzen Konzertsaal still und man konnte die letzten Töne noch einmal nachklingen lassen und richtig geniessen. Die meisten Zuhörer standen vor Begeisterung auf und spendeten den Musikern einen grossen und langen Applaus.