Gesellschaft | 07.08.2012

Green Pleasant Land

Als Statistin bei den Eröffnungsfeierlichkeiten der Olympischen Sommerspiele 2012 hat die Britin Conti Moll ihrer Heimat eine besondere Ehre erwiesen. Voller Stolz erzählte sie unserer Tink.ch-Reporterin in London von ihrem Auftritt im weissen Kleid.
Grossbrittanien zeigt sich an der Eröffnungszeremonie zu den olympischen Sommerspielen von seinr grünen Seite.
Bild: Nick Webb / www.commons.wikimedia.org Die stolze Britin führt hinter den Kulissen ihr Kostüm vor. zvg

Conti Moll aus London ist es als Lehrerin gewohnt, vor einer Gruppe zu stehen und zu sprechen. Ein gefülltes Olympiastadion als Publikum zu haben, war allerdings auch für die 38-jährige eine neue und einzigartige Erfahrung.

 

Once in a lifetime

Dany Boyle, englischer Regisseur und der Mann, der hinter der Eröffnungs – und Schlussfeier der Olympischen Spiele 2012 in London steht, wird von der Nation für die gelungene Show als Held gefeiert. Mit der Hilfe von 15-˜000 Ehrenamtlichen Mithelfern – eine davon Conti Moll – begeisterte er das Publikum. Conti Moll, eine eher kleine Frau, trägt ihre hellen Haare locker am Hinterkopf mit einer Klammer hochgesteckt. Sie strahlt eine angenehme Ruhe und Freundlichkeit aus. Höflich bittet sie mich herein und schenkt mir ein aufstellendes Lächeln, als ich sie in der Gatehouse School in London, wo sie nun schon seit 18 Jahren unterrichtet, besuche.

 

«Ein ganzes Jahr meines Lebens habe ich quasi dieser Eröffnungsfeier gewidmet«, beginnt Conti Moll mit ruhiger Stimme zu erzählen und führt langsam ihre Tasse mit dem noch dampfenden Kaffee zu ihrem Mund. «Es war fantastisch – ein once-in-a-lifetime-Erlebnis«. Ihre Augen leuchten und ein Lächeln umspielt ihre spitzen Lippen. Letzten Herbst haben sich auf eine Ausschreibung im Internet hin, tausende von Menschen gemeldet, die gerne in der Eröffnungs- oder Schlussfeier der Olympischen Spiele 2012 in London mitsingen, mittanzen oder mitspielen wollten. So auch Conti Moll und ihr Ehemann. In erster Linie wollten sie damit der Schwiegermutter, die eine grosse Bewunderin der olympischen Spiele war, ein Geschenk machen. Unerwartet sei die Mutter ihres Ehemannes letzten April aber leider verstorben. «Es ist so unheimlich traurig, dass sie nun die Spiele verpasst hat«, meint Conti seufzend. Auch finde sie traurig, dass so viele ihrer Freunde und Bekannten für die Zeit der olympischen Spiele aus der Stadt «geflüchtet« seien. Gastland für diesen weltweit gefeierten Event sein zu dürfen, erfülle sie mit stolz. «Ich verstehe nicht, wieso so viele meiner Freunde und Bekannten die Stadt verlassen wollen.«

 

Auftritt im altertümlichen Dorf

Nach zweimal Vorsprechen Ende des letzten Jahres, monatelangen Vorbereitungen und intensiven Probewochenenden stand Conti Moll am Freitag 27. Juli als eine der rund 320 Darstellerinnen und Darsteller bei der Eröffnungsszene «green and pleasant land« auf der Bühne im Olympischen Stadion. Die letzten drei Monate bestanden aus langen Probewochenenden und Ankleideterminen: Erst hätten sie in nur kleinen Gruppen mit einer Choreografin in einem Studio ihre Rolle eingeübt und dann später mit allen 320 Statisten in einem Gebäude, welches die Realmasse des Olympiastadions aufweist, die Präsentation durchgespielt. Das Stadion wurde für diese erste Szene in eine englische Landschaft in den Jahren vor der industriellen Revolution verwandelt. Nachbildungen von Sehenswürdigkeiten und britischen Eigenheiten, wie das Glastonbury Tor, falscher Regen aus über den Köpfen schwebenden Wolken, ein Cricket Spielfeld und von Pferden über Kühe zu Hühnern mehr als hundert Bauernhoftiere, machten die Szenerie perfekt. Conti, in ein bodenlanges, helles traditionelles Kleid der dargestellten Zeit gehüllt, welches jetzt übrigens in ihrem Zimmer hängt, wie sie stolz anfügt, stand während der Präsentation in einer Menschenmenge und klatschte tanzenden Kindern zu. Sie habe sich in die Zeit zurück versetzt gefühlt. «Es war, als ob ich tatsächlich Teil dieses Dorflebens gewesen wäre. Dieses Gefühl dort dabei zu sein war einfach fantastisch.«

 

«Mein Grossvater meinte früher immer: Wenn du vorher gewusst hättest, wie es sein wird, hättest du es trotzdem getan? – Ja, absolut! Ohne den kleinsten Zweifel.« Für einen kurzen Augenblick scheint sie in Erinnerungen zu schweifen, dann fügt sie an: «Ich habe in dieser Zeit die besten Freundschaften geschlossen. Es war eine wundervolle Zeit und ich war sogar im Fernsehen zu sehen. Jetzt werde ich auch noch eine Berühmtheit in der Schweiz. Dieser Aufwand hat sich mehr als gelohnt«, meint sie und beginnt herzhaft zu lachen.

 

Aupair in London


Mirjam Läderach (20) tauscht ihre Heimatstadt für vier Monate mit dem Mikrokosmos London.