Kultur | 29.08.2012

Fernöstliche Trommelkunst

Text von Sabina Galeazzi | Bilder von Gabriela Steinemann
Am 21. August feierte die Trommelformation Yamato - The Drummers of Japan die Schweizer Premiere ihrer neuen Bühnenshow "Gamushara" im Basler Musical Theater. Für knapp eine Woche war das Ensemble in der Stadt am Rheinknie zu Gast und präsentierte dem westlichen Publikum in ihren Auftritten eine einzigartige Mischung aus fernöstlicher Trommelkunst und Akrobatik.
Das Ensemble Yamato wurde 1993 von Masa Ogawa ins Leben gerufen. Die Trommeln, der Spieler zum Teil fliegend wechseln, sind bis zu 1,70 Meter hoch.
Bild: Gabriela Steinemann

Im Saal und auf der Bühne herrscht völlige Dunkelheit. Nach und nach verebbt auch das stete Geflüster der Zuschauer. Plötzlich durchbrechen langsame und verhaltene Trommelschläge die Stille. Seitlich einfallende Lichtkegel beleuchten eine für westliche Augen durchaus ungewohnte Szenerie. Umgeben von asiatisch angehauchten Dekorationselementen stehen diverse Taiko- Trommeln in allen Grössen und Ausführungen. Die Trommler selbst bieten einen nicht minder eigentümlichen Eindruck: Durchtrainierte Männer und Frauen mit wilden Frisuren beginnen auf Kommando einen furiosen Rhythmus auf ihren Instrumenten zu schlagen, wobei die dadurch erzeugten Vibrationen buchstäblich Bühne und Zuschauerraum erzittern lassen.

 

Ohne zu zögern dem eigenen Weg folgen

Die 1993 vom Creative Director Masa Ogawa ins Leben gerufene Formation Yamato gehört zu jenen modernen Taiko-Ensembles, die sich seit Jahren weltweit grosser Bekanntheit erfreuen. In ihren Auftritten gelingt es ihnen immer wieder gekonnt, traditionelle japanische Elemente mit musikalischen Einflüssen aus dem Westen und modernen Showeinlagen zu verbinden. So besinnt sich die Band weniger auf traditionelle Kompositionen oder regionale Trommelstile, sondern präsentiert jeweils dynamisch choreographierte Eigenkreationen. Während des Spiels zeigen die Trommler oft von Anfeuerungsrufen begleitete akrobatische Sprünge oder schwingen ihre Instrumente gleichzeitig in einem wilden Tanz. Dabei führen sie ihre Trommelstäbe – sogenannte Batchi – mit erstaunlicher Geschicklichkeit und Präzision. Die geraden Schläge mit den Batchi erinnern dabei an rasche zielgerichtete Schwertstreiche und verbinden somit das Bild des Trommlers mit dem des Schwertmeisters.  Nicht von ungefähr trägt die neue Bühnenshow daher den Titel „Gamushara“, was übersetzt soviel wie Beharrlichkeit oder Zielstrebigkeit bedeutet. Ein Mensch lebt nach dem Prinzip Gamushara, wenn er ohne zu zögern auf ein Ziel hinstrebt und völlig in diesem hartnäckigen Streben aufgeht.

 

Trommeln für die Götter

Taiko bedeutet auf Japanisch nichts anderes als „grosse Trommel“  und diese besteht zumeist aus einem mit Leder bespannten hölzernen Klangkörper in der Form eines Fasses. Das Instrument fand im feudalen Japan traditionellerweise im religiösen Kontext oder als Kriegstrommel Verwendung und hielt erst nach 1950 Einzug in die Populärmusik. Noch heute spielt das Instrument während Prozessionen und shintoistischen Ritualen eine tragende Rolle. Ihr Klang soll einerseits die Götter bei ihrer Ankunft auf der Erde willkommen heissen und gleichzeitig auf ihre Anwesenheit unter den Menschen verweisen. Das Schlagen der Taiko selbst gilt somit als eine Form der Kommunikation mit den Geistern der Natur.

 

Musikalischer Facettenreichtum

Nebst ihrem Können überrascht an Yamato auch ihre musikalische Vielseitigkeit. Die einzelnen Mitglieder beherrschen allesamt die ganze Bandbreite an Taiko-Arten, rangierend von der kleinen Shime-Daiko mit ihrem hellen Ton, über die tragbare Okedo-Daiko bis hin zur voll klingenden Miya-Daiko und vollführen beim Spielen der Instrumente mitunter fliegende Wechsel. Als Krönung unter den Taiko gilt die bis zu 1.70 Meter hohe und 400 Kilogramm schwere O-daiko, deren dumpfer, dröhnender Schlag dem Zuhörer jeweils in alle Glieder fährt. Die Mitglieder von Yamato verstehen sich jedoch nicht nur aufs Trommeln sondern untermalen ihre Stücke jeweils noch mit verschiedenen traditionellen japanischen Instrumenten wie der Bambusflöte Shinobue, der Chappa, einer kleinen Zymbel oder dem Shamisen, einem dreisaitigen Instrument, welches mit einem spachtelförmigen Plektron angeschlagen wird und durch seinen metallisch scharfen Klang besticht. Die Verwendung von Saiten- und Blasinstrumenten in einzelnen Stücken sorgt ausserdem für eine willkommene Abwechslung in dem sonst hauptsächlich auf Perkussion ausgerichteten Repertoire von Yamato.

 

Mit dem rauschenden Beifall des beeindruckten Publikums findet das zweistündige Trommelkonzert schliesslich seinen Abschluss. Der Zuschauer selbst muss kein Kenner der japanischen Kultur oder Perkussionsmusik sein, um sich von Yamato in den Bann gezogen zu fühlen. Begeisterung für getrommelte Rhythmen und Offenheit gegenüber einer fremdartigen Kultur reichen bereits.