Kultur | 29.08.2012

Der “Cosmopolitan” zu Besuch in Gampel

Text von Fabienne Gsponer | Bilder von Manuel Lopez
Der Reggae-Altmeister Famara kam mit seinem neuen Album im Gepäck nach Gampel und bewegte das Publikum mit seiner fröhlich friedlichen Musik. Im Interview sprach er über seine Zeit in Afrika, seine Dreadlocks und die Walliser als Reggae-Publikum.
Famara mag seine Rastas, Fleisch und keine Zigaretten.
Bild: Manuel Lopez

Der Basler Musiker Famara spielt seit mehr als 15 Jahren erfolgreich auf Bühnen in den verschiedensten Ländern. Als Schweizer hat er es geschafft, in den Ursprungsländern des Reggae bekannt zu werden. Er stand bereits mit Weltmusikern wie Youssou n-˜dour gemeinsam auf der Bühne. Seine Musik ist wunderbar ansteckend und sorgte in Gampel für ausgelassene Stimmung.

 

Tink.ch: Du hast bereits früher am Openair Gampel gespielt. War es dieses Mal anders? Blieb dir noch etwas in Erinnerung vom letzten Mal?

Famara: Wir sind vor acht Jahren zum ersten Mal da gewesen und es war eigentlich eine gute Stimmung, wie heute. Ich erinnere mich noch, dass damals das Konzert auch am Nachmittag stattfand, und ich muss ehrlich sagen, dass beide Male super gewesen sind.

 

Wie sind die Walliser als Reggae-Publikum?

Heute haben sie gut mitgemacht. Also für Walliser Verhältnisse ist das “sehr güet gsi”.

 

Du hast ein neues Album herausgebracht mit dem Namen “The Cosmopolitan”. Der Cosmopolitan – das bist du selber?

Ja, ich habe einfach diesen Namen gewählt, weil ich finde, meine Musik geht ein bisschen so in alle kunterbunten Richtungen. Und dann ist das Wort Cosmopolitan eigentlich sehr treffend.

 

Hat es auch mit dir persönlich zu tun, weil du viel unterwegs bist?

Ja, einerseits wegen dem Reisen und zum anderen meint der Titel diese musikalischen Reisen. Es ist mehr so gedacht, dass es eine Musik ist, die aus verschiedenen Erdteilen kommt.

 

Wie holst du dir die Inspiration für deine Musik? Gehst du selber auf Entdeckungsreise oder kommen die Ideen zu dir?

Also so für diese Art von Musik habe ich eigentlich immer wieder neue Ideen. Die kommen meistens von alleine zu mir. Dafür muss ich nicht gross suchen gehen. Es ist ein bisschen eine natürliche Gabe. Also manchmal ist es auch nicht so einfach, du musst schon auch ein bisschen hirnen. Aber prinzipiell kommt das Zeug schon fast von alleine.

 

Du hast ja drei Jahre lang eine Kreativpause gemacht. Wie hast du die genutzt?

Ja also eigentlich war das gar keine richtige Pause. Ich musste ständig an irgendetwas arbeiten. Sei es an einem neuen Lied schreiben oder sonst irgendwelche Vorbereitungen treffen. Die Zeit ist dann wie im Flug vorbeigegangen. Eine richtige Pause wäre für mich, wenn ich wirklich einmal nichts machen würde. Oder etwas anderes, aber einfach richtig weg von der Musik bin ich seit 15 Jahren nicht mehr. Ich habe auch in der Pause immer wieder Konzerte gegeben.

 

Reist du noch viel nach Afrika zurück?

Nein, also jetzt nicht mehr. Ich bin vor sechs Jahren zum letzten Mal dort gewesen. Nach zehn Jahren immer vor Ort habe ich auch einfach mal genug bekommen.

 

Warst du denn jeweils am selben Ort oder hast du auch neue Länder besucht?

Ich bin meistens in Gambia gewesen, in Westafrika. Aber jetzt lebt diese Musik einfach in meinem Herz weiter. Jetzt kann ich auch in der Schweiz bleiben und die gleiche Musik machen. Das hängt nicht mehr vom Ort ab, an dem ich mich aufhalte.

 

Du warst aber früher sehr oft in Afrika unterwegs.

Ja, ich habe auch sehr viele Konzerte gegeben dort. Ich war sogar bekannt. Und jetzt ist es halt einfach nicht mehr so aktuell.

 

Hast du damals manchmal daran gedacht nach Afrika auszuwandern?

Nein, nie. Mir hat die Schweiz immer gefehlt. Ich bin auch immer wieder gerne nach Hause gekommen.

 

Bist du denn in erster Linie wegen der Musik dorthin gereist oder hatte das vor allem mit dem Leben und der Kultur der Menschen dort zu tun?

Ich suchte den Kulturwechsel. Etwas anderes kennenzulernen als das, was es hier bei uns gab, Musik, Meer, easy Lifestyle, nicht soviel Stress wie bei uns. Das ist schon ein wenig verlockend. Und wenn man es heute nicht macht, macht man es dann gar nie. Wir als Europäer, wir können uns das gar nicht leisten, diesen afrikanischen Lifestyle zu leben. Dieses “Komme ich heute nicht, komme ich morgen, komme ich morgen nicht, komme ich übermorgen…”. Bei uns sind solche Sachen viel geplanter.

 

Bei der Reggae-Musik, die du spielst: Identifizierst du dich mit der Rastafari-Kultur oder ist das etwas, was du eher am Rande mitbekommst?

Wie du siehst, habe ich mir meine Dreads wieder wachsen lassen. Jetzt bereits zum zweiten mal. Ich habe sie zwischenzeitlich einmal abgeschnitten. Jetzt sind sie seit einem Jahr und neun Monaten wieder dran. Dieses Lebensgefühl möchte ich sicher ein bisschen haben. Auch als ich wieder meine normalen Haare gehabt habe, dachte ich mir: Die Dreads gefallen mir besser.

 

Bist du denn auch Vegetarier?

Nein, ich bin kein Vegetarier, mir geht es in erster Linie um das Lebensgefühl. Ich bin aber auch Nichtraucher, das ist sehr untypisch für einen Rasta. Ich rauche schon sehr lange nicht mehr. Ich habe mit allem aufgehört. Ich vertrage das nicht mehr, das ist Gift für den Körper.

 

Als du mit der Reggaemusic angefangen hast, war das etwas völlig Neues in der Schweiz?

Ja, zu Beginn hatte es noch nicht sehr viele andere Bands. Es war am Anfang recht harzig, bis man mich dann mal ein bisschen gekannt hat in der Schweiz. Mittlerweile habe ich einen gewissen Bekanntheitsgrad. Aber Konzertauftritte zu bekommen ist nach wie vor recht schwierig. Man sollte einfach noch bekannter sein und noch mehr verkaufen und noch mehr und noch mehr. Aber da sagt es dann bei mir auch einfach einmal: “Stopp!”. Ich möchte mich nicht krank machen mit meiner Arbeit. Es muss nach wie vor so sein, dass ich gerne Reggae spiele und dadurch auf gewisse Sachen halt verzichten muss.

 

Worüber schreibst du denn deine Texte?

Naja, ich kann nicht unglaublich viel Neues erfinden. Für die Texte habe ich meist eine Grundidee und dann muss man von dort her aufbauen. Es läuft eigentlich immer so. Die Grundidee ist meist etwas, dass mich geprägt hat, irgendetwas Standfestes. Der Rest kommt dann automatisch dazu.

Du hast auch mit Youssou n-˜dour zusammengespielt. Hast du noch andere Projekte, vielleicht auch noch andere Künstler, mit denen du gerne zusammenspielen möchtest?

In allererster Linie geht es mir zunächst darum, dass die Musik mir nach wie vor Freude macht. Und dass ich Kraft habe, das noch weiterhin zu machen. Ich mache das jetzt doch schon lange und man wird halt älter. Nein, es ist eigentlich relativ einfach, ich möchte einfach weiterhin den Plausch daran haben, und falls dies nicht mehr der Fall ist, müsste ich mit der Musik dann einmal aufhören und vielleicht überlegen, etwas anderes zu machen.

 

Kann man denn als Musiker ganz aufhören, Musik zu machen?

(Zögert) Da müsste sich schon etwas ganz Deftiges verändern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das einfach so… Das könnte ich mir nicht vorstellen.

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