Kultur | 15.08.2012

Auf dem Floss

Text von Jodok Trösch | Bilder von Oliver Hochstrasser
Das Festival Im Fluss in Basel bietet während zwei Wochen im Sommer Konzerte am Rheinufer. Der Eintritt ist frei. Tink.ch war am Konzert von Stiller Has dabei.
Von der VIP Bar aus geniesst man nebst gutem Sound auch die Sicht aufs Münster und lässt sich in den Abend verführen. Sehr beliebt: die Füsse im kühleren Rhein. Man sucht sich seinen Platz - keine leichte Aufgabe. Wieviel ein Fisch wohl vom Konzert mitbekommt? Auch weiter hinten drängten sich die Leute an diesem Abend Schulter an Schulter.
Bild: Oliver Hochstrasser

An lauen Sommerabenden am Ufer des Rheins sitzen und Musik hören zu können, das schätzen viele Baslerinnen und Basler an ihrer Stadt. Und wenn die Musik einmal nicht aus unzähligen Lautsprechern kommt, sondern live gespielt wird, dann wird es eng am Rheinufer. So ist es, wenn während jeweils zwei Wochen im Sommer das Gratis-Festival Im Fluss stattfindet, wie dieses Jahr vom 24. Juli bis zum 11. August. Verschiedene Künstler spielen auf einer schwimmenden Bühne, welche im Rhein festgemacht ist. Neben bekannten Schweizern wie Bastian Baker, den Rappern Baze und Greis, sowie den Mundartrockern Stiller Has und Polo Hofer gab es auch einige internationale Acts wie die Brit-Pop-Band Saint Etienne oder die Punkgruppe Los de Abrajo aus Mexiko. Die Konzerte sind gratis; zuhören darf jeder, der mag. Solange er einen Platz findet. Und das ist manchmal gar nicht so leicht.

 

Klettergurt mitnehmen

Am vergangenen Donnerstag lockte Stiller Has die Menschen an den Rhein. Viele sassen schon den ganzen Abend hier, tranken ein Bier und genossen die Sonne. Einige nahmen zur Abkühlung auch noch ein kurzes Bad im Rhein. Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn war es unmöglich, überhaupt noch einen Platz mit Blick auf die Bühne zu ergattern. Einige versuchten, sich auf der schrägen Uferböschung hinzusetzen, doch die Steine sind glatt und nicht sehr bequem. Jede Sekunde drohte man, abzurutschen – hinunter in andere Leute oder gar in den Rhein. “Wir hätten einen Klettergurt mitbringen sollen, dann wäre das Problem gelöst”, meinte ein junger Mann, der versuchte, es sich auf seinem Rucksack bequem zu machen, zu einem Freund. Doch sie blieben sitzen, einen Platz so nahe an der Bühne wollte niemand freiwillig aufgeben.

 

“Dr Rhylachs läbt!”

Stiller Has war von der ersten Sekunde an da. Es gelang der Band von Beginn weg, den Wassergraben zwischen der Bühne und dem Rheinufer zu überbrücken. Die Zuhörer wurden vom tragenden, bluesigen Sound der Band umschlossen und eingepackt, um dann von den wortwitzigen Texten zum Tagträumen mitgenommen zu werden. Jeder Song war eine kleine Reise in ein neues Land der Gedankenwelt von Sänger Endo Anaconda; manchmal so lustig, dass die Zuhörer heftig losprusteten, ein andermal so melancholisch, dass man froh war, nicht alleine dazusitzen.

 

Das Talent Anacondas, die Menschen mit wenigen Worten zu fesseln zeigte sich aber auch zwischen den Stücken. “Dr Rhylachs läbt! Aber nit ir Limmat, dört hett er e Kokainvergiftig.” – so kündigte er beispielsweise einen Song über das Skifahren und den “Schnee” an, der in Zürich am vergangenen Wochenende besonders gerne konsumiert wurde. Einziger Wermutstropfen während dem Konzert: Die Musik ist nicht allzu laut, so dass die Texte zwar direkt vor der Bühne gut zu verstehen sind, nicht aber für die vielen Menschen, die das Konzert aus grösserem Abstand verfolgen müssen.

 

Punkt zehn Uhr

Während dem Konzert versinkt die Sonne über dem Rhein. Um Punkt zehn müsste das Konzert zu Ende sein, aus Rücksicht auf die Nachbarn. Endo Anaconda nimmt es aber nicht so genau und steigt mit seiner Band noch einmal aufs Floss um eine Zugabe zu geben: “Jetzt bewegen wir uns auch rechtlich auf schwankendem Boden”, grinst er. Nach dem Konzert bleiben viele Menschen noch ein paar Augenblicke sitzen, verzaubert von der Musik. Mit der Musik im Ohr machen sich die Besucher auf in die laue Sommernacht. Langsam leert sich das Rheinbord. Die Musik plärrte nun wieder aus den Lautsprechern.