Vegetarisches im Wohnquartier

Esther Bigler wollte vor zwei Jahren das Angebot an vegetarischen Lokalen im Lorraine-Quartier der Hauptstadt aufbessern. Seit Sommer 2010 bietet sie nun in ihrem Äss-Egge jeden Mittag unter der Woche von 11.30 Uhr bis 14.00 Uhr ein vegetarisches und teilweise auch veganes Buffet an, hauptsächlich als Take Away, wobei das kleine Lokal an einer Hausecke einer Wohnstrasse auch ein paar Plätze im Inneren und draussen bietet.

 

Die Auswahl der Gerichte ist überschaubar, passend zum Sommer sind an diesem Mittag ein paar Salate im Angebot, dazu warme Teigwaren und eine ebenfalls warme Quiche. Zusätzlich sind Müesli, sowie spezielle Getränke, etwa Gazosa oder Bionade im Angebot. Im Winter werden wärmende Suppen nach der Fünf-Elemente-Theorie, welche aus der chinesischen Philosophie und Weltanschauung kommt, zubereitet. Die Gerichte sind somit saisonal und soweit möglich bio. Vegetarisch sind die Gerichte sowieso, vegane Gerichte gibt’s in kleinerer Zahl ebenfalls. Deklariert ist zwar nichts, doch der Laden ist so klein, dass kundiges Personal nicht weit ist. Das vegane Angebot ist auf jeden Fall gut genug, dass einmal monatlich der vegane Stammtisch dort abends zu finden ist.

 

Informatik in der Küche

Den Laden schmeisst die gelernte Informatikerin ganz alleine, an zwei Mittagen pro Woche kriegt sie zudem Hilfe von einer Bekannten, die beim Abwasch in der Küche mithilft. Ansonsten ist der Äss-Egge ein Einpersonenbetrieb. Die Gastro-Erfahrung hat Esther Bigler unter anderem in einer Klinikküche gesammelt.

 

Am Viktoriarain in der Lorraine sind zahlreiche Firmen nicht weit, die wenigen Plätze sind am Mittag unseres Besuchs alle besetzt und immer wieder kommen Leute, die sich das Essen mitnehmen. Nur die Schüler wollen nicht so recht, das Essen sei ihnen wohl zu vegetarisch, meint die Chefin.

 

Günstig und gut

“Das Essen ist mit 3.40 Franken” für 100 Gramm im Rahmen des üblichen. Die Auswahl ist nicht riesig, doch soweit sich diese täglich ändert sollte einem auch beim zweiten Besuch nicht langweilig werden. Am Testtag gab es verschiedene Salate, Linsen mit Räuchertofu, griechischer Salat sowie weitere Salate mit Pasta oder Glasnudeln. Bei heissem Wetter war diese Zusammenstellung perfekt. Das Essen war schmackhaft und hübsch zubereitet, jedoch nicht besonders aufregend. Für einen schnellen Bissen über Mittag ist der Äss-Egge aber eine aussergewöhnliche und positive Bereicherung des sonst oft eintönigen Angebotes an Döner, Sandwiches und Pizzen.

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36 Grad und es wird noch weisser

The bianca Story ist mehr als nur eine Musikgruppe. Mit ihren kreativen Einfällen schaffen sie es, sich ständig neu zu erfinden. Schliesslich könnten sie selber schon fast als Kunstprojekt zählen. Die Band aus Basel arbeitet mit Videoinstallationen, inszeniert Theaterauftritte und dreht selber Videos. Und auch in der Musik von The bianca Story spielen die Ideen und unterschiedlichste Stilrichtungen sind zu einem neuartig klingenden Sound gemischt.

 

Nach Hause ins Wallis

Mit im Gepäck in Gampel hatten die Musiker ihre neue Platte mit dem Titel “Coming home”. Auf diesem Album dreht sich viel um das Thema Heimat. Damit waren die Basler in den Walliser Bergen genau am richtigen Ort. Mit ihren einzigartigen Klängen versprühten sie unter den Zuhörern richtige Heimatgefühle. Inmitten der Berge zu spielen sei schon sehr heimelig, meinen sie. Und dass sie auf dieser Bühne wie Zuhause waren, hat man auch gemerkt. Mit einem Zusammenspiel aus Folksound, 60er-Jahre Musik und Dance-Beats spielten sie ansteckende Lieder, zu denen man locker mittanzen konnte. Sänger Elia unterhielt das Publikum und begab sich am Ende gleich selber unter die Feiernden.

 

Werbeauftritt in Gampel

Die Band nützte kurzerhand die Gelegenheit, dass so viele freudige Zuhörer gekommen waren und spannte sie für eine Abstimmung ein, bei der es um die Gelegenheit ging, als Vorband von Westernhagen spielen zu können. Der deutsche Sänger hatte sich die Band aus mehreren hundert ausgesucht um mit sich auf Tour zu nehmen. Dies wäre eine wahnsinnige Gelegenheit, meint Elia von The bianca Story. “Die Band hätte die Möglichkeit, vor mehreren tausend Zuschauern zu spielen, was eine völlig neue Erfahrung wäre und eine tolle Gelegenheit”, sagt Elia. Das Publikum liess sich auf den lustigen Einfall ein, so dass die Band dank zahlreicher neuer Stimmen schliesslich um ein paar Plätze nach vorne gerutscht sein dürfte.

 

Mit The bianca Story meinen die Künstler ein ungeschriebenes Blatt Papier, eine weisse Geschichte, die sich ständig neu schreiben und erfinden kann. In Gampel präsentierten sie trotz 36 Grad im Schatten ihre kreativen Einfälle und das Publikum war begeistert.

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Der “Cosmopolitan” zu Besuch in Gampel

Der Basler Musiker Famara spielt seit mehr als 15 Jahren erfolgreich auf Bühnen in den verschiedensten Ländern. Als Schweizer hat er es geschafft, in den Ursprungsländern des Reggae bekannt zu werden. Er stand bereits mit Weltmusikern wie Youssou n-˜dour gemeinsam auf der Bühne. Seine Musik ist wunderbar ansteckend und sorgte in Gampel für ausgelassene Stimmung.

 

Tink.ch: Du hast bereits früher am Openair Gampel gespielt. War es dieses Mal anders? Blieb dir noch etwas in Erinnerung vom letzten Mal?

Famara: Wir sind vor acht Jahren zum ersten Mal da gewesen und es war eigentlich eine gute Stimmung, wie heute. Ich erinnere mich noch, dass damals das Konzert auch am Nachmittag stattfand, und ich muss ehrlich sagen, dass beide Male super gewesen sind.

 

Wie sind die Walliser als Reggae-Publikum?

Heute haben sie gut mitgemacht. Also für Walliser Verhältnisse ist das “sehr güet gsi”.

 

Du hast ein neues Album herausgebracht mit dem Namen “The Cosmopolitan”. Der Cosmopolitan – das bist du selber?

Ja, ich habe einfach diesen Namen gewählt, weil ich finde, meine Musik geht ein bisschen so in alle kunterbunten Richtungen. Und dann ist das Wort Cosmopolitan eigentlich sehr treffend.

 

Hat es auch mit dir persönlich zu tun, weil du viel unterwegs bist?

Ja, einerseits wegen dem Reisen und zum anderen meint der Titel diese musikalischen Reisen. Es ist mehr so gedacht, dass es eine Musik ist, die aus verschiedenen Erdteilen kommt.

 

Wie holst du dir die Inspiration für deine Musik? Gehst du selber auf Entdeckungsreise oder kommen die Ideen zu dir?

Also so für diese Art von Musik habe ich eigentlich immer wieder neue Ideen. Die kommen meistens von alleine zu mir. Dafür muss ich nicht gross suchen gehen. Es ist ein bisschen eine natürliche Gabe. Also manchmal ist es auch nicht so einfach, du musst schon auch ein bisschen hirnen. Aber prinzipiell kommt das Zeug schon fast von alleine.

 

Du hast ja drei Jahre lang eine Kreativpause gemacht. Wie hast du die genutzt?

Ja also eigentlich war das gar keine richtige Pause. Ich musste ständig an irgendetwas arbeiten. Sei es an einem neuen Lied schreiben oder sonst irgendwelche Vorbereitungen treffen. Die Zeit ist dann wie im Flug vorbeigegangen. Eine richtige Pause wäre für mich, wenn ich wirklich einmal nichts machen würde. Oder etwas anderes, aber einfach richtig weg von der Musik bin ich seit 15 Jahren nicht mehr. Ich habe auch in der Pause immer wieder Konzerte gegeben.

 

Reist du noch viel nach Afrika zurück?

Nein, also jetzt nicht mehr. Ich bin vor sechs Jahren zum letzten Mal dort gewesen. Nach zehn Jahren immer vor Ort habe ich auch einfach mal genug bekommen.

 

Warst du denn jeweils am selben Ort oder hast du auch neue Länder besucht?

Ich bin meistens in Gambia gewesen, in Westafrika. Aber jetzt lebt diese Musik einfach in meinem Herz weiter. Jetzt kann ich auch in der Schweiz bleiben und die gleiche Musik machen. Das hängt nicht mehr vom Ort ab, an dem ich mich aufhalte.

 

Du warst aber früher sehr oft in Afrika unterwegs.

Ja, ich habe auch sehr viele Konzerte gegeben dort. Ich war sogar bekannt. Und jetzt ist es halt einfach nicht mehr so aktuell.

 

Hast du damals manchmal daran gedacht nach Afrika auszuwandern?

Nein, nie. Mir hat die Schweiz immer gefehlt. Ich bin auch immer wieder gerne nach Hause gekommen.

 

Bist du denn in erster Linie wegen der Musik dorthin gereist oder hatte das vor allem mit dem Leben und der Kultur der Menschen dort zu tun?

Ich suchte den Kulturwechsel. Etwas anderes kennenzulernen als das, was es hier bei uns gab, Musik, Meer, easy Lifestyle, nicht soviel Stress wie bei uns. Das ist schon ein wenig verlockend. Und wenn man es heute nicht macht, macht man es dann gar nie. Wir als Europäer, wir können uns das gar nicht leisten, diesen afrikanischen Lifestyle zu leben. Dieses “Komme ich heute nicht, komme ich morgen, komme ich morgen nicht, komme ich übermorgen…”. Bei uns sind solche Sachen viel geplanter.

 

Bei der Reggae-Musik, die du spielst: Identifizierst du dich mit der Rastafari-Kultur oder ist das etwas, was du eher am Rande mitbekommst?

Wie du siehst, habe ich mir meine Dreads wieder wachsen lassen. Jetzt bereits zum zweiten mal. Ich habe sie zwischenzeitlich einmal abgeschnitten. Jetzt sind sie seit einem Jahr und neun Monaten wieder dran. Dieses Lebensgefühl möchte ich sicher ein bisschen haben. Auch als ich wieder meine normalen Haare gehabt habe, dachte ich mir: Die Dreads gefallen mir besser.

 

Bist du denn auch Vegetarier?

Nein, ich bin kein Vegetarier, mir geht es in erster Linie um das Lebensgefühl. Ich bin aber auch Nichtraucher, das ist sehr untypisch für einen Rasta. Ich rauche schon sehr lange nicht mehr. Ich habe mit allem aufgehört. Ich vertrage das nicht mehr, das ist Gift für den Körper.

 

Als du mit der Reggaemusic angefangen hast, war das etwas völlig Neues in der Schweiz?

Ja, zu Beginn hatte es noch nicht sehr viele andere Bands. Es war am Anfang recht harzig, bis man mich dann mal ein bisschen gekannt hat in der Schweiz. Mittlerweile habe ich einen gewissen Bekanntheitsgrad. Aber Konzertauftritte zu bekommen ist nach wie vor recht schwierig. Man sollte einfach noch bekannter sein und noch mehr verkaufen und noch mehr und noch mehr. Aber da sagt es dann bei mir auch einfach einmal: “Stopp!”. Ich möchte mich nicht krank machen mit meiner Arbeit. Es muss nach wie vor so sein, dass ich gerne Reggae spiele und dadurch auf gewisse Sachen halt verzichten muss.

 

Worüber schreibst du denn deine Texte?

Naja, ich kann nicht unglaublich viel Neues erfinden. Für die Texte habe ich meist eine Grundidee und dann muss man von dort her aufbauen. Es läuft eigentlich immer so. Die Grundidee ist meist etwas, dass mich geprägt hat, irgendetwas Standfestes. Der Rest kommt dann automatisch dazu.

Du hast auch mit Youssou n-˜dour zusammengespielt. Hast du noch andere Projekte, vielleicht auch noch andere Künstler, mit denen du gerne zusammenspielen möchtest?

In allererster Linie geht es mir zunächst darum, dass die Musik mir nach wie vor Freude macht. Und dass ich Kraft habe, das noch weiterhin zu machen. Ich mache das jetzt doch schon lange und man wird halt älter. Nein, es ist eigentlich relativ einfach, ich möchte einfach weiterhin den Plausch daran haben, und falls dies nicht mehr der Fall ist, müsste ich mit der Musik dann einmal aufhören und vielleicht überlegen, etwas anderes zu machen.

 

Kann man denn als Musiker ganz aufhören, Musik zu machen?

(Zögert) Da müsste sich schon etwas ganz Deftiges verändern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das einfach so… Das könnte ich mir nicht vorstellen.

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Alles kommt eines Tages zurück

Das Wort Sudaka ist spanisch. Bei einem Besuch in Spanien sollte es aber besser nicht benutzt werden, da es einer uncharmanten  Bezeichnung für südamerikanische Immigranten gleichkommt. Dass sich die Band diesen Eigennamen gegeben hat, hat mit ihrer Vergangenheit zu tun. Bei den Bandmitgliedern handelt es sich fast ausschliesslich um südamerikanische Immigranten, die vor mehr als zehn Jahren illegal nach Spanien eingereist sind. Da sie keinen Pass hatten, waren sie an den meisten Orten unerwünscht und mussten sich irgendwie durchschlagen. Also brachten sie sich selber das Spielen bei. So konnten sie mit Strassenmusik schliesslich etwas Geld verdienen. Aus der Gruppe entstand schliesslich Che Sudaka. Die Band bestand ursprünglich aus den argentinischen Brüdern Leo und Kachafaz. Die restlichen Bandmitglieder wechselten im Laufe der Zeit. Mittlerweile sind zwei Kolumbianer, ein Argentinier, ein Spanier und ein Portugiese in der Band.

 

Zehn Jahre und die Gitarre spielt weiter

Che Sudaka ist heute überall auf der Welt unterwegs. Ihre Musik ist wild, packend und voller Energie. Dafür mischen sie die verschiedensten Stilrichtungen miteinander – von Cumbia über Ska und Punk bis zum Hiphop. Die Musik, so meinen sie, soll die Leute motivieren. In erster Linie geht es ihnen darum, eine gute Zeit zu haben und mit den Menschen, die ihre Konzerte besuchen, abzufeiern. Denn wenn die Menschen voller Energie sind, dann komme diese wieder auf sie zurück, so Leo von Che Sudaka. Vom Berühmt werden halten sie deshalb in der Vergangenheit eher wenig.

 

Energie zu verteilen gelang ihnen dagegen sehr gut. Im Rahmen ihrer Welttournee zum 10-jährigen Jubiläum war die Band auch in Gampel zu Besuch und brachte das Publikum richtig in Feierlaune. Die explosive Stimmung, welche die Band mit ihren fröhlichen, lockeren Klängen verbreitete, wurde vom Publikum in doppelter Weise zurückgegeben. Mitten im Konzert setzten sich alle auf den Boden und begannen im Takt der Musik mit den Händen zu rudern, bis die Musik wieder lauter wurde und alle auf Kommando aufsprangen und weiter tanzten. Da die Band kurz zuvor in Japan unterwegs war, verwandelte sich der Sänger kurzerhand in einen japanischen Kungfu-Kämpfer und sang plötzlich in japanisch. Danach folgten wieder Texte in Spanisch und Englisch, manchmal auch Französisch. Und schliesslich riefen sie in deutsch noch „Kein Mensch ist illegal“ ins Oberwallis.

 

Illegal ist nicht real

Illegal zu sein ist eine Idee in den Köpfen vieler Menschen, meint Che Sudaka. Tatsächlich hatten die einzelnen Bandmitglieder eigene Erfahrungen damit gemacht, sich nach Gesetz illegal in einem Land aufzuhalten. Durch die Musik versuchen Che Sudaka  daher  die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass es als Solches keine illegalen Menschen gibt. Ihre Texte sind auch politisch, jedoch immer mit einer Prise Humor gewürzt, da die Band nichts im Leben wirklich Ernst meint.

 

Das Publikum war jedenfalls begeistert von Che Sudaka. Die Zuschauer sprachen vielleicht nicht alle spanisch, aber das man eine nicht verstanden werden muss, um das Publikum zu begeistern hat ja bereits Ska-P bewiesen. Che Sudaka hatte soviel Energie, dass alle begeistert mitmachten. Man verstand sich auch ohne Worte auf Anhieb.

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Fernöstliche Trommelkunst

Im Saal und auf der Bühne herrscht völlige Dunkelheit. Nach und nach verebbt auch das stete Geflüster der Zuschauer. Plötzlich durchbrechen langsame und verhaltene Trommelschläge die Stille. Seitlich einfallende Lichtkegel beleuchten eine für westliche Augen durchaus ungewohnte Szenerie. Umgeben von asiatisch angehauchten Dekorationselementen stehen diverse Taiko- Trommeln in allen Grössen und Ausführungen. Die Trommler selbst bieten einen nicht minder eigentümlichen Eindruck: Durchtrainierte Männer und Frauen mit wilden Frisuren beginnen auf Kommando einen furiosen Rhythmus auf ihren Instrumenten zu schlagen, wobei die dadurch erzeugten Vibrationen buchstäblich Bühne und Zuschauerraum erzittern lassen.

 

Ohne zu zögern dem eigenen Weg folgen

Die 1993 vom Creative Director Masa Ogawa ins Leben gerufene Formation Yamato gehört zu jenen modernen Taiko-Ensembles, die sich seit Jahren weltweit grosser Bekanntheit erfreuen. In ihren Auftritten gelingt es ihnen immer wieder gekonnt, traditionelle japanische Elemente mit musikalischen Einflüssen aus dem Westen und modernen Showeinlagen zu verbinden. So besinnt sich die Band weniger auf traditionelle Kompositionen oder regionale Trommelstile, sondern präsentiert jeweils dynamisch choreographierte Eigenkreationen. Während des Spiels zeigen die Trommler oft von Anfeuerungsrufen begleitete akrobatische Sprünge oder schwingen ihre Instrumente gleichzeitig in einem wilden Tanz. Dabei führen sie ihre Trommelstäbe – sogenannte Batchi – mit erstaunlicher Geschicklichkeit und Präzision. Die geraden Schläge mit den Batchi erinnern dabei an rasche zielgerichtete Schwertstreiche und verbinden somit das Bild des Trommlers mit dem des Schwertmeisters.  Nicht von ungefähr trägt die neue Bühnenshow daher den Titel “Gamushara”, was übersetzt soviel wie Beharrlichkeit oder Zielstrebigkeit bedeutet. Ein Mensch lebt nach dem Prinzip Gamushara, wenn er ohne zu zögern auf ein Ziel hinstrebt und völlig in diesem hartnäckigen Streben aufgeht.

 

Trommeln für die Götter

Taiko bedeutet auf Japanisch nichts anderes als “grosse Trommel”  und diese besteht zumeist aus einem mit Leder bespannten hölzernen Klangkörper in der Form eines Fasses. Das Instrument fand im feudalen Japan traditionellerweise im religiösen Kontext oder als Kriegstrommel Verwendung und hielt erst nach 1950 Einzug in die Populärmusik. Noch heute spielt das Instrument während Prozessionen und shintoistischen Ritualen eine tragende Rolle. Ihr Klang soll einerseits die Götter bei ihrer Ankunft auf der Erde willkommen heissen und gleichzeitig auf ihre Anwesenheit unter den Menschen verweisen. Das Schlagen der Taiko selbst gilt somit als eine Form der Kommunikation mit den Geistern der Natur.

 

Musikalischer Facettenreichtum

Nebst ihrem Können überrascht an Yamato auch ihre musikalische Vielseitigkeit. Die einzelnen Mitglieder beherrschen allesamt die ganze Bandbreite an Taiko-Arten, rangierend von der kleinen Shime-Daiko mit ihrem hellen Ton, über die tragbare Okedo-Daiko bis hin zur voll klingenden Miya-Daiko und vollführen beim Spielen der Instrumente mitunter fliegende Wechsel. Als Krönung unter den Taiko gilt die bis zu 1.70 Meter hohe und 400 Kilogramm schwere O-daiko, deren dumpfer, dröhnender Schlag dem Zuhörer jeweils in alle Glieder fährt. Die Mitglieder von Yamato verstehen sich jedoch nicht nur aufs Trommeln sondern untermalen ihre Stücke jeweils noch mit verschiedenen traditionellen japanischen Instrumenten wie der Bambusflöte Shinobue, der Chappa, einer kleinen Zymbel oder dem Shamisen, einem dreisaitigen Instrument, welches mit einem spachtelförmigen Plektron angeschlagen wird und durch seinen metallisch scharfen Klang besticht. Die Verwendung von Saiten- und Blasinstrumenten in einzelnen Stücken sorgt ausserdem für eine willkommene Abwechslung in dem sonst hauptsächlich auf Perkussion ausgerichteten Repertoire von Yamato.

 

Mit dem rauschenden Beifall des beeindruckten Publikums findet das zweistündige Trommelkonzert schliesslich seinen Abschluss. Der Zuschauer selbst muss kein Kenner der japanischen Kultur oder Perkussionsmusik sein, um sich von Yamato in den Bann gezogen zu fühlen. Begeisterung für getrommelte Rhythmen und Offenheit gegenüber einer fremdartigen Kultur reichen bereits.

Hoch, höher, am höchsten

Ein ekliges Piepen reisst mich aus den schönsten Träumen von einer Südseeinsel. Eine Zahl mit einer sechs grinst mich an, draussen ist es noch nicht wirklich hell. Und ich bin nicht auf einer Südseeinsel sondern im Engadin. Tagesziele: Eintrag ins Gipfelbuch auf dem 3246 Meter hohen Piz Ot und ein Foto mit dem Gipfelkreuz. Heute soll gewandert werden. Ein Aufstieg von ganz unten nach ganz oben.

 

Auf geht’s

Ein Müsli mit Früchten soll mich für den Wandertag stärken. Nach einer kurzen Rucksackkontrolle – Regenjacke, Wasserflasche, Picknick, Sonnencreme, -brille und -hut, Feldstecher, Fotoapparat: alles dabei – kurz nach halb sieben geht es los. Die Luft ist noch angenehm kühl, doch der wolkenlose Himmel flüstert mir zu, dass sich das im Verlauf des Tages ändern wird. Der Weg schlängelt sich konstant steigend durch Wiesen und Wälder, vorbei an Bächen und vereinzelten Häusern. Zwischendurch müssen wir einen steilen Anstieg mit rutschigen Steinen überwinden, dann bewegen wir uns wieder auf einem breiten Kiesweg. Ausser unserer Schritte stört nichts die natürlichen Waldgeräusche. So kann jeder ungestört seinen Gedanken nachhängen, die im Rhythmus der Schritte durch den Kopf hallen.

 

Faszination wandern

Wandern ist bei den Jugendlichen langsam wieder in Mode. Doch was ist so faszinierend daran, den ganzen Tag zu laufen? Was macht eine Wanderung auf einen Gipfel zu einem Erlebnis, das es unter die Top 12 auf der Löffelliste schafft?

 

Zum einen hat die monotone Aneinanderreihung von Schritten eine meditative Wirkung. Alltagssorgen scheinen weit weg zu sein, ich spüre meinen ganzen Körper und verschmelze mit der Umgebung. Zum anderen kann ich wahnsinnig viel entdecken: Wilde Erdbeeren, die mit ihrem süssen Geschmack Energie zum weiterlaufen geben. Tierchen aller Art wie Spinnen, die komplizierte Netze bauen, in denen sich Tautropfen fangen, oder Schnecken, die gemütlich über den Weg kriechen. Käfer, Vögel, pfeifende Murmeltiere, springende Gemsen und Steinböcke, Kühe und so fort.

 

Der Gipfel

Bei einer Alphütte dürfen wir echten Alpkäse probieren und nehmen gleich ein Stück mit. Wenig später kommen wir an einen See, der zur Mittagspause einlädt. Zum Schwimmen ist er definitiv zu kalt, aber bis zu den Knien wirkt das Wasser erfrischend. Nach dem Picknick und einer kurzen Ruhepause geht es weiter nach oben, immer höher. Die Baumgrenze haben wir schon lange hinter uns gelassen, der Weg ist nun steinig und steil, umringt von vereinzelten Bergblumen. Schweigend steigen wir höher, zu hören sind nur noch unsere Schritte und unser schwerer Atem, ab und zu ein Steinschlag in weiter Ferne. Die Rucksackriemen drücken, die Beine sind schwer, die Füsse ziehen nach unten, der Kopf will nach oben. Also wird immer weiter gegangen. Irgendwann kommt der letzte steile Anstieg und dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, sind wir oben. Auf dem Gipfel. Das Gipfelkreuz ist zum Anfassen nahe. Doch vergessen sind Gipfelkreuz und Gipfelbuch, ich bin überwältigt von der Aussicht. Von der Luft, die hier oben irgendwie anders ist. Ich bin überwältigt von dem Gefühl, etwas Besonderes geschafft zu haben. Ich bin bis ganz nach oben gekommen. Nur getragen durch meine Füsse. Ich fühle mich gross und klein zugleich: Gross, weil ich den Berg bezwungen habe. Und klein, weil all die Berge um mich herum so gewaltig sind und ich mir ihrer Beständigkeit gegenüber so vergänglich vorkomme. Es fällt mir schwer zu glauben, dass diese majestätischen Landschaft in wenigen Monaten untergehen soll.

 

 

Zur Serie


Dieser Artikel ist der achte aus der Serie “Das Ende ist nah”. Einmal im Monat legt Tink.ch-Autorin Veronika Henschel hier Dinge nahe, die man unbedingt noch tun sollte, bevor die Welt am 21. Dezember (vielleicht) untergeht.

 

 

Bedingungsloses Geld vom Staat

Seit diesem April werden überall in der Schweiz Unterschriften für eine Volksinitiative gesammelt: Die Initiative für das bedingungslose Grundeinkommen. Bisher haben schon über 20-˜000 Menschen unterschrieben. Selten kommen die Befürworter einer Initiative aus so verschiedenen Kreisen, wie bei der Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen. Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Politik, unabhängig von ihrer Einstellung finden einen gemeinsamen Nenner in ihrem öffentlichen Engagement für das bedingungslose Grundeinkommen. Der Ex-Bundesrat Adolf Ogi (SVP), der ehemaliger Bundesratssprecher Oswald Sigg (SP), der Musiker Endo Anaconda oder der Mitgründer des Basler Unternehmens Mitte, Daniel Hänni, sind nur einige, die diese Diskussion lanciert haben. Interessanterweise sind die Gegner dabei zu einem beachtlichen Teil extreme Vertreter der rechtskonservativen Bürgerlichen und Befürworter einer uneingeschränkten Marktfreiheit. Die prominentesten unter ihnen sind wohl der Herausgeber der Weltwoche, Roger Köppel, und der SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli. Sie bezeichnen die Idee vom Grundeinkommen als unrealistisch oder unmoralisch.

 

Das will das Initiativ-Kommitee

Jede rechtmässig in der Schweiz lebende Person soll monatlich 2’500 Franken vom Staat erhalten, unabhängig davon ob sie arbeitet oder nicht. Kinder und Jugendliche erhalten bis zu ihrer Volljährigkeit ein Viertel des Betrags, nämlich 625 Franken. Über die genaue Höhe der Auszahlungen wird, abhängig vom Bedarf der Menschen, in einer Volksabstimmung entschieden.

 

Das Ziel ist, dass durch die finanzielle Unabhängigkeit gesellschaftliche Freiräume entstehen in denen alle Bürgerinnen und Bürger ihre Visionen und Fähigkeiten  verwirklichen können, ohne dabei ihre Existenz durch eine Erwerbsarbeit sichern zu müssen. Auch sollen so alle unbezahlten Arbeitsstunden, sei es in Hausarbeit, Erziehung oder für eine gemeinnützige Organisation finanziell entschädigt werden. Schon das blosse Denken an diese Möglichkeit widerspricht vielen Werten und Traditionen, die tief in unserer Gesellschaft verankert sind. Nicht selten sind Aussagen zu hören wie: “Ohne Lohn arbeitet der Mensch ja gar nicht, denn im Grunde genommen ist er faul.” Oder: “Wenn der Mensch in einem Zustand angelangt ist, in dem er Geld vom Staat erhält, wird ist er schwach und abhängig.” Diese Vorurteile lassen sich leicht überprüfen: Würde ich mit einem bedingungslosen Grundeinkommen noch Sinnvolles zur Gesellschaft beitragen oder würde ich passiv und einsatzlos werden?

 

Ist ein Grundeinkommen finanzierbar?

Einer der meist diskutierten Aspekte des bedingungslosen Grundeinkommens ist die Frage der Finanzierung. Das Initiativ-Komitee verwies dabei bereits mehrfach auf seine Kalkulation: Eigentlich brauche es für die Finanzierung eines bedingungslosen Grundeinkommens kein zusätzliches Geld. Das Geld, das für das bedingungslose Grundeinkommen aufgewendet wird, wird bei den Löhnen eingespart. Was bedeutet das? Das Beispiel einer Lehrerin: Bisher hat sie 8-˜000 Franken monatlich verdient. Neu erhält sie 2’500 Franken Grundeinkommen und 5-˜500 Franken Lohn. Der Staat hat also keine zusätzlichen Kosten bei der Bezahlung seiner Beamten.

 

In der Privatwirtschaft wird es da schon komplizierter. Das Geld, das der Staat für private Angestellte bezahlen muss, kann er nicht einfach bei den eigenen Lohnkosten sparen. Die auch unter Wirtschaftsökonomen viel diskutierte Möglichkeit für eine Lösung dieses Problems ist die Konsumsteuer. Anstelle wie bis anhin den Verdienst zu besteuern, würde neu nur noch das tatsächlich Verbrauchte besteuert. Obwohl dann die Produkte im Laden viel höher besteuert würden, gäbe es kaum einen Preisanstieg. Der Konsument bezahlt die Steuer, mit welcher das Grundeinkommen der Verkäufer finanziert wird, anstelle der Arbeitslöhne, die durch das Grundeinkommen ersetzt werden und diese Rolle früher übernommen haben.

 

Das ist alles?

Daneben gibt bereits heute viele Menschen, die keiner Erwerbsarbeit nachgehen oder Personen, die weniger oder nur knapp wenig mehr als 2’500 Franken verdienen. Der Schluss liegt nahe, dass diese mit dem bedingungslosen Grundeinkommen nicht mehr arbeiten würden. Bestimmt würden sie aber, wenn sie arbeiten, mehr Geld für ihre Arbeit erhalten. Das Grundeinkommen wirkt bei ihnen also nicht ersetzend, sondern ergänzend zum Lohn.

 

Der Beitrag zur Finanzierung dieser höheren Löhne würde gemäss Initiativ-Kommitee dadurch gedeckt, dass grosse Teile der Sozialleistungen eingespart werden. Es müssten nur noch Beiträge ausbezahlt werden, die über dem Betrag des Grundeinkommens liegen. Die AHV und das Arbeitslosengeld zum Beispiel, fallen dank dieser Massnahme ganz weg. Ebenso die Sozialhilfe oder Kinderzulagen. So wird das ganze System massiv vereinfacht. Menschen, die bisher von Sozialleistungen abhängig waren und deshalb als Aussenseiter in der Gesellschaft galten, könnten jetzt im Bereich ihrer Möglichkeiten aktiv werden, ohne dabei anderen Rechenschaft ablegen zu müssen.

 

So zumindest sieht der Plan des Initiativ-Kommitees aus. Was bisher jedoch noch nicht veröffentlicht wurde, ist ein detailliertes Modell, das auch mögliche zukünftige Wendungen in der Wirtschaft berücksichtigt.

 

Wo liegt der Haken?

Zwei weitere Fragen stehen ebenfalls im Vordergrund der Diskussion. Die eine, bezieht sich auf die Drecksarbeiten: Putzen, Strassenbau, Fabrikarbeit, Müllabfuhr und so fort. Viele dieser Arbeiten wird niemand mehr ausführen wollen, wenn er bereits 2’500 Franken im Monat erhält. Diese Arbeiten sind aber für eine funktionierende Gesellschaft lebensnotwendig. Mit der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens wird es zu einer neuen Situation kommen: Harte und bis anhin unbeliebte Arbeiten müssten besser bezahlt werden oder von immer effizienter werdenden Technologien übernommen werden. Für zahlreiche Branchen würde eine komplett neue Situation geschaffen.

 

Die zweite Frage: Wird die Schweiz mit dem bedingungslosen Grundeinkommen nicht geradezu von Einwanderern überflutet? Die Initianten jedenfalls sehen genau das Gegenteil auf die Schweiz zukommen. Weil nur ein Grundeinkommen erhält, wer sich legal in der Schweiz aufhalte und weil die Löhne tiefer, die Schweizer Preise jedoch hoch sind, lohne sich Schwarzarbeit nicht mehr und ein illegaler Aufenthalt würde höchst unattraktiv.

 

Ob ein bedingungsloses Grundeinkommen wirklich der richtige Schritt für eine gesellschaftliche Weiterentwicklung in der Schweiz ist, oder ein anderer Weg gesucht werden muss, wird die Zukunft weisen. Die Debatte jedenfalls ist lanciert.