Kultur | 06.07.2012

“Wir hatten den Mädchen am Strand wenig zu bieten”

Ihr Debutalbum ist im letzten Jahr erschienen, nun spielen sie zum ersten Mal als Band am Openair St. Gallen: Die Luzerner Huck Finn. In ihrer Musik schlägt ein Indie-Herz für die Popmusik. Im Interview erklärt Finn (Gesang) und Berry (Gitarre), wie sie Mädchen am Strand beeindrucken wollten und darum zum Musizieren kamen.
Huck Finn im Interview mit kantipark.ch.
Bild: kantipark.ch

Redaktion: Ihr wolltet hübsche Mädchen beeindrucken?

Huck Finn: Ich glaube das ist sowieso ein essentielles Ziel. Und dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, etwa wenn man gut Fussball spielt. Das war aber bei uns nicht so der Fall. Wir waren oft zusammen in den Ferien auf einer kleinen Insel und sind am Abend dann zu den Mädchen an den Strand gegangen. Da haben wir bemerkt, dass wir nichts zu bieten hatten, ausser dass wir uns als Franzosen ausgegeben haben. Aber das hat auch nicht ewig gereicht. Da sind wir mit einer Gitarre aufgetaucht. Es war einfach schön mit den Leuten zu musizieren. Das war so der erste Eindruck, wie es sein könnte, wenn man Musik macht.

 

2007 begann euer Aufstieg mit dem m4music-Award. Vorher wart ihr 08/15-Studis. Was hat sich seither verändert?

Jetzt sind wir 08/15-Rockstars. Nein, eigentlich hat sich nicht viel verändert. Wir sind immer noch möglichst viel am Musik machen, müssen aber auch noch irgendwie Geld verdienen und Studien-Abschlüsse sammeln.

 

Was würdet ihr im Nachhinein betrachtet anders machen?

Es war etwas gefährlich, dass wir am Anfang, im Jahr 2007, sehr wenig Songs hatten und dann bei m4music den Preis gewonnen haben. Man bekommt dann für eine kurze Zeit die Aufmerksamkeit und müsste gerade wieder etwas liefern, was wir mangels Repertoire versäumt hatten. Es ist nicht sehr ratsam für eine Band, sich zu früh bewerten zu lassen, auch wenn es gut läuft. Man muss schon recht gefestigt sein, um auch live zu überzeugen und mehr als drei oder vier Songs haben. Ein bisschen Geduld ist nötig. Und wir würden nun das Gewinngeld vom m4music-Award auch nicht in die Party danach investieren, sondern auf’s Konto tun.

 

Was zieht euch ans Openair St.Gallen

Es ist das Openair, das uns herzieht. Früher dachte ich mir, es wäre das Grösste, an diesem Openair spielen zu können. Und wir haben in Luzern kein entsprechendes Festival.

 

Ihr seid angeblich sehr perfektionistisch?

Wir wollen uns ja nicht schämen, mit dem was wir rausgeben. Darum geben wir uns Mühe und achten auf die Details. Manchmal verlieren wir uns auch etwas darin. Es lohnt sich etwas strenger mit sich zu sein.

 

Wieso hört man euch nicht im Radio?

Der erste Song “Sofia” lief eigentlich gut im Radio. Vieles läuft halt über Labels und Kontakte. Oder vielleicht haben wir einfach den richtigen Song für das Schweizer Radio noch nicht geschrieben. Aber das kommt bestimmt bald. Wir wollen uns nicht die Mainstream-Musik als Ziel setzen. Haben uns aber schon Gedanken darüber gemacht, weil wir auch von der Musik leben wollen und damit den Markt treffen müssen.

 

Wann sieht man euch auf der grossen Sitterbühne?

In zwei Jahren wäre eigentlich das Ziel. Wir sind extrem froh hier zu spielen. Aber auf der grossen Bühne, gegen Abend wäre schon mal noch etwas anderes.

 

Irgendwelche Räubergeschichten?

Ich habe an einem Festival das erste Mal gekifft. Auch am Blue Balls war es relativ abenteuerlich. Wir waren in jedem Gebäude im Backstage-Bereich und sind dann im Schweizerhof fast umgekippt, weil wir so betrunken waren. Aber eigentlich sind wir recht Anständige.