Kultur | 30.07.2012

Startschuss im Orange Cinema

Text von Rade Jevdenic | Bilder von Rade Jevdenic
300 Quadratmeter Leinwand ragen vor dem Hauptgebäude der Universität Bern in die Höhe. Auch die über 1'000 Plätze der Tribüne sind arrangiert. Denn seit vergangenem Donnerstag können Berner ihre Sommertage wieder auf der Grossen Schanze bei Filmklassikern und Independent Movies ausklingen lassen.
Die Sonne wirft einen letzten Schein über Bern - dann beginnt im Orange Cinema die Vorstellung.
Bild: Rade Jevdenic

Vor ausverkaufter Tribüne und bei gutem Wetter fand vergangenen Donnerstag in Bern die Eröffnung des Orange Cinemas statt. Während einem Monat lädt die grosse Schanze nun auf 1’247 Sitzplätzen wieder zum Filmvergnügen.

 

Von Sao Paulo nach Bern

Das Orange Cinema ist schweizweit das grösste Event seiner Art. Kein anderes Open-Air-Kino lockt seit jeher so viele Besucher – 25-˜000 waren es vergangenes Jahr – auf seine Ränge. Initiiert wurde das Kino 1989 mit einer Erstausgabe in Zürich vom Unternehmen Cinerent, welches bis heute die organisatorischen Aspekte hinter der Veranstaltung betreut. Ein Jahr nach dem ersten Open-Air-Kino konnte man den Tabakriesen Phillip Morris als Hauptsponsor gewinnen und kurz darauf auch erste Kinos in Bern und Basel durchführen.

 

Als sich die Richtlinien in Bezug auf Tabakwerbung verschärften und sich in der Gesellschaft ein Umdenken in Richtung Nichtraucherschutz auftat wurde das Engagement zwischen Philip Morris und Cinerent beendet. Fast wie gerufen liess sich damals der französische Mobilfunkkonzern Orange neu in der Schweiz nieder und wurde so vor 12 Jahren Titelsponsor. Der Medienverantwortliche von Cinerent, Daniel Frischnecht Knörr, zeigt sich über die Zusammenarbeit sehr zufrieden: „Orange ist das Event sehr wichtig, das spüren wir.“ Und weiter verrät er uns Kurioses: „Die Leinwand, die wir heute hier in Bern benutzen ist gerade aus Sao Paulo eingetroffen.“ Denn Cinerent ist weltweit tätig und organisiert heute Open-Air-Kinos unter anderem in Okinawa, Düsseldorf und Dubai.

 

„Kino liegt uns am Herzen“

Als Eröffnungsfilm des diesjährigen fungiert die kanadische Tragikomödie «Starbuck«. Der Film überzeugt und sorgt für viele Lacher, obwohl er kein Blockbuster ist.  Das diesjährige Programm gibt sich nämlich sehr gemischt, etwa mit der schwarzen Komödie „Carnage“, welche trotz weltbekanntem Regiesseur Roman Polanski eher als Geheimtipp gilt, weiter über den regionalen Klassenschlager „Eine wen iig“, der Film der vom Leben des Berner Stadtoriginals Kari Dällenbach handelt, bis hin zum  Blockbuster „Men in Black 3“. Das europäische Kino findet im Programm auch Erwähnung, denn neben dem spanischen Thriller „La piel que habito“ sind auch französische und britische Produktionen vertreten.

Frischknecht Knörr erklärt hierzu: „Das Programm bietet von Blockbuster bis Independent Movie alles. Für uns ist das zwar ein Risiko, aber wir möchten nicht nur die erfolgreichsten Filme des Jahres präsentieren. Uns liegt das Kino am Herzen.“ Und so wird es auch anspruchsvolleren Kinogästen und Independent-Film-Liebhabern nicht allzu schwer fallen, eine Filmwahl zu treffen.

 

Als Konkurrenz zu lokalen Kinos sehe man sich nicht, erzählt Frischknecht Knörr: „Wir offerieren den Gästen nicht nur das gewöhnliche Kino – es geht um das Erlebnis. Wir tragen dabei natürlich auch unsere Risiken, wie etwa das Wetter.“ Dies sei jedoch nicht immer nur ein negativer Aspekt, erzählt er weiter. Viele Gäste und auch er haben noch im Gedächtnis, wie vor einigen Jahren „Der Sturm“ mit George Clooney in der Hauptrolle gezeigt wurde und das Wetter in Bern dieses des Film mit stürmischem Regen widerspiegelte – „Es war ein sehr besonderes Erlebnis“, sagt er dazu.

Seitens der Kinobetreiber hofft man nun für die nächsten Wochen auf gutes Wetter und gefüllte Sitzplätze. Nach der Abschlussvorführung am 26. August reist die Leinwand übrigens weiter – und zwar nach Rio De Janeiro.

Links