Kultur | 31.07.2012

Paolo Nutini am Blue Balls

Text von Laura Oderbolz | Bilder von Deni Gfeller.
Das Luzerner Festival spielt seit einigen Jahren in der oberen Liga der Schweizer Festivals mit. Für die diesjährige Ausgabe luden sie Paolo Nutini in die Schweiz ein, der das Publikum zu verführen wusste. Auch sein Voract Lianne La Havas überzeugte bei ihrem ersten Auftritt in der Schweiz.
Obwohl er auf seinen bekanntesten Hit verzichtete, hatte Nutini die Zuschauer in der Hand. Die 22-jährige Lianne La Havas spielte ihr erstes Konzert in der Schweiz.
Bild: Deni Gfeller.

Er kann trotz seinem schottischen Akzent seine italienischen Wurzeln nicht verbergen. Alleine der Name weißt auf seine Herkunft hin. Paolo Giovanni Nutini, wie er richtig heisst, ist in der schottischen Stadt Paisley aufgewachsen. Nachdem er vor drei Jahren noch als Voract von Duffy in Locarno auftrat, war er im letzten Jahr bereits eines der Highlights am Montreux Jazz Festivals. Seine kleine, aber eindrückliche Schweizer-Tournee startete er in diesem Jahr am Openair St. Gallen. Letzte Woche war er nun am bereits über die Landesgrenzen hinaus bekannten Blue Balls Festival in Luzern zu Gast.

 

Das bald legendäre Festival feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Es ist immer ein bedeutender Anlass mit viel Glamour. Während mehr als einer Woche verwandelt sich das Luzerner Seebecken zu einem Treffen Internationaler Newcomer. Neben den zahlreichen Konzerte im KKL gibt es verschiedene Auftritte junger Künstler am See.

 

Südländisches Temperament aus dem Norden

Lianne La Havas aus London hatte die grosse Chance als Voract von Paolo Nutini aufzutreten. Die Engländerin mit griechischer sowie jamaikanischer Abstammung stand mit ihren knallpinken High Heels stilsicher auf der Bühne. Sie sang Lieder aus der Zeit einer verflossenen Liebe und verzauberte das Publikum mit ihrer sehr femininen Art.

 

Paolo Nutini setzte von Anfang an auf seinen südländischen Charme und sang sich so in die Herzen des Publikums. In Trainerjacke und ausgewaschenen Hosen stand er lässig auf der Bühne. Mit seiner stimmungsvollen Ballade “Candy” setzte er den Luzerner Saal in eine wunderbare, tanzfreudige Atmosphäre. Das Gefühl, Nutini hätte zuvor ein paar Gläser Whisky getrunken und ein paar Zigarren geraucht, liess den Zuschauer bei seinem Auftritt nicht los. Der Schotte performte seine Lieder mit seiner rauen Stimme und den Haaren im Gesicht. Er überzeugte das Publikum mit seiner lässigen Art.

 

Ohne neue Schuhe dafür mit viel Gefühl

Der Schotte versuchte an diesem Abend alles. Er hatte eine Band, die an ein kleines Orchester erinnerte. Von einem Schlagzeuger bis hin zu den Trompetern, es fehlte an nichts. Ob mit oder ohne Band, Nutini wusste auf jede Weise das Publikum zu begeistern. Man bemerkte, wie unterschiedlich die Künstler sind, von denen er sich bei seinen Songs beeinflussen lässt. Man erkannte in seinen Liedern die gemütliche Lagerfeuerstimmung eines Jack Johnson, das Rockige von Joe Cocker sowie das Ausgefallene und Unvergängliche von den Beatles. Während er bei “Jenny don’t be hasty” alles gab und seine Stimme keineswegs schonte, versuchte er ein Solo ohne Begleitung der Band mit “Loving you” auf die feine, leise Art.

Bis am Schluss hoffte das Publikum  vergeblich auf den Song “New Shoes”. Diesen Hit bekam das Publikum zwar nicht zu hören, dennoch entfachte sich das Feuer mit seiner Coverversion “Time to pretend” von MGMT. Alles in allem ein toller Abend.