Kultur | 24.07.2012

La Ventura

Text von Kaspar Rechsteiner | Bilder von zVg
Letzten Dienstag begann das sechstägige Paléo Festival in Nyon. Das letzte Konzert des Tages auf der grossen Bühne gab Manu Chao. Damit enden vier Jahre, in denen es kaum etwas von ihm zu hören gab.
Tanzen wie damals: Manu Chao hat nichts von seiner Fähigkeit eingebüsst, die Masse zu bewegen.
Bild: zVg

Rund 230’000 Leute besuchen jeden Sommer das Paléo. Zum zweiten grossen Headliner des Eröffnungsdienstags erschienen, gefühltermassen, alle. Und sie bekamen, was sie wollten: Eineinhalb Stunden beste Musik, viel Bekanntes, manch Neues. Das Publikum antwortete mit tosendem Applaus zwischen den Liedern und sang fast immer lautstark mit. Offenbar hat Manu Chao während seiner Konzertpause nichts an Popularität eingebüsst.

 

Ein Mann mit vielen Liedern

Diese baute er sich vor knapp fünfzehn Jahren mit “Clandestino” auf, seinem ersten Soloalbum. Ursprünglich mehr dazu geplant, sich von seiner bisherigen Band Mano Negra und dem Musik-Milieu zu lösen, kletterte das Album langsam die Charts hinauf und machte Manu Chao in ganz Europa bekannt. Fast alle Songs produzierte er vollständig selbst und es entstand diese Kombination aus Strassensounds, Effektcomputer und Akustikgitarre, welcher das Debütalbum zu Platinstatus führte. Zur erschienenen Platte dann suchte sich Manu Chao eine Band. Fast jährlich setzt diese sich neu zusammen – die Lieder bleiben. Das merkten auch die Zuhörer am Paléo, denn es gab kaum neue Songs zu hören, wohl aber neue Variationen von “Minha Galera” und anderen.

 

Politik und Musik sind nicht zu trennen

Wer Manu Chao bereits einmal live gesehen hatte, wurde am Dienstag vielleicht enttäuscht. 2008 wurde er noch von sechs Leuten begleitet, in Nyon waren es nur noch die Hälfte, keine Bläser, kein DJ, nur ein Schlagzeug. Anderes war zeitlos gleich, wie etwa die kurzen, eingespielten Sounds, die sich nur in seiner Musik finden. Oder aber die steigende Präsenz auf der Bühne, wenn Manu einen politischen Text singt, dem Politfilz und der Lüge den Kampf ansagt. Wie etwa während seinem dritten Song am Paléo, “Mr. Bobby”: Die Welt werde verrückt, heisst es darin, es sei ein Notfall. Heute Nacht sehe er aus seinem Fenster und könne keine Rechte sehen. Noch vor einigen Jahren erklärte Manu Chao den damalig amtierenden US-Präsident George W. Bush während seinen Konzerten regelmässig zum grössten Terroristen des Planeten.

 

Mehr Original als Musiker

Viele aussergewöhnliche Projekte ziehen sich durch das Leben von Manu Chao. Zum Beispiel die “Caravane”, eine Truppe von Künstlern, die durch die Vorstädte der grösseren französischen Städte tourte und sozial Benachteiligten und Schwachen Unterhaltung und Kultur bot. Manu Chao, der spanische Wurzeln hat, bezeichnet die “Caravane” auch gern als seine Familie in Frankreich. Eine Familie, deren Mitglieder aus allen Ecken der Erde stammen. Diese Weltverbundenheit spiegelt sich in seiner Musik. Von überall her fliesst etwas in die Lieder, die gemacht werden, um wieder überall hinzugehen und die Menschen ein Stückchen näher zusammenzubringen.

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