Kultur | 17.07.2012

Gas des Glücks

«Analium" heisst das vierte und neuste Album der rätoromanischen Hip Hop-Crew Liricas Analas - Der Titel bedeutet soviel wie Gas des Glücks. Dieses Glück packten sie in ihren Rucksack und brachten es direkt in die Menschenmenge vor der Waldbühne.
"Da sind wir Teflon, das bleibt nicht an uns kleben": Auch auf die provokativen Fragen unserer Journalistin wussten die vier Bündner immer eine Antwort.
Bild: Chris Häfliger/tilllate.com

Eine Bühne voll bunter Luftballone, drei rappende Jungs und ein DJ. Das ist Liricas Analas. Nicht nur die Musik überzeugte das Publikum. Auch die Aufforderung, von rechts nach links zu rennen und wieder zurück. Und bitte nicht nur die vordere Hälfte des Hangs bei der Waldbühne, sondern auch die letzten Schlusslichter sollten sich die Füsse vertreten.

 

Tink.ch: Hat die frühe Uhrzeit eures heutigen Auftritts Einfluss auf die Stimmung, euren Auftritt oder das Publikum?

Liricas Analas: Ja, vielleicht hat es weniger Zuhörer als am Abend aber das ist egal. Natürlich wäre es schön, am Samstag um diese Uhrzeit oder später aufzutreten. Generell ist es aber so, dass wir das Konzert extrem mit dem Publikum zusammen leben. Das heisst, wenn sich die Leute wohl fühlen, fühlen wir uns auch wohl und das schaukelt sich immer mehr auf. Zudem sind wir sehr zuversichtlich, dass die Festivalbesucher auch am Donnerstag um Viertel nach sieben abgehen und wir dementsprechend auch unseren Spass haben. Von dem her: Vollgas!

 

Das heisst, ihr könnt den Verlust des Effekts der Lichtershow einstecken?

Es wäre sicher schön, Mal in der Nacht mit dieser Lichtershow zu arbeiten und wir leben auch ein stückweit von diesem Effekt, aber vielleicht kommt es ja noch. Überhaupt ist es geil, dass wir auf dem Gurten auftreten können,mehr muss man dazu eigentlich gar nicht sagen. Egal ob es jetzt am Anfang oder am Schluss ist, wir freuen uns sowieso auf unseren Auftritt.

 

Könnt ihr nach eurem Auftritt den Rest des Festivals geniessen oder geht’s gleich weiter?

Wir würden das Gurtenfestival sehr gerne geniessen, aber leider müssen wir gleich weiter, weil übermorgen das nächste Konzert ansteht.

 

Wenn wir bei anderen Konzerten sind: Wie habt ihr das Festival Frauenfeld letzte Woche empfunden?

Sehr cool. Vor allem für einen heissen Sonntagnachmittag, wenn die Leute schon ziemlich durch sind nach drei Tagen feiern. Sie sind abgegangen und die Atmosphäre war gut.

 

Verdankt ihr euren Ruhm der Kombination aus Hip Hop und Disco oder dem Rätoromanischen?

Wir arbeiten seit zehn Jahren an unserer Musik und machen, was uns gefällt. Und dieser Effekt, den du jetzt ansprichst, kam sicher nicht einfach von gestern auf heute. Wir haben das gemacht, was wir gut finden. Wenn andere das auch gut finden, erreicht man noch mehr Menschen und so hat sich alles stetig vergrössert. Die gleiche Schiene wollen wir weiter fahren. Das ist unser Plan und einen anderen gibt es nicht.

 

Kann man euren Hip Hop den überhaupt noch ernst nehmen, wenn er Discoelemente enthält?

Da sind wir Teflon, das bleibt nicht an uns kleben.

 

Wieso habt ihr die rätoromanische Sprache gewählt anstelle von Deutsch? Wäre es nicht einfacher gewesen, Hörer für sich zu gewinnen?

Das wäre keine Option gewesen. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir unsere Muttersprache nehmen – Rap muss authentisch sein. Authentisch ist die Muttersprache und darum hiess es für uns rätoromanisch. Die Frage wird uns oft gestellt und wir betonen immer wieder, dass Liricas Analas rätoromanischer Hip Hop ist und wir glauben nicht, dass es Zukunft hätte, wenn wir auf Deutsch oder Englisch Musik machen würden. Das wäre nur wegen dem Erfolg, was wir nicht wollten. Und klar, rätoromanisch ist eine Hürde und ein Handicap, aber wir bleiben uns treu. Ansonsten wäre es nicht echt und es wären nicht wir.