Kultur | 17.07.2012

Freunde zu Besuch

Text von Chiara Nauer | Bilder von zVg
Das zweite Soloalbum "Uswärts!" vom Berner Rapper Webba enthält viele Features mit Jungs von Chlyklass. Diese Lieder gab er auch am vergangenen Samstagabend am Gurtenfestival zum Besten, wo Webba seine Freunde der Reihe nach auf die Bühne holte. So wurde Wurzel 5 für einen Song wieder ins Leben gerufen. Im Gespräch erklärt Webba seine Gedanken zum neuen Album.
Webbas Botschaft an all die rappenden "Ladys da draussen: Gebt Gas!"
Bild: zVg

Tink.ch: Wie fühlt es sich an vor dem Heimpublikum zu spielen?

Webba: Sehr gut. Vor allem vor dem Gurten-Publikum. Seit ewiger Zeit ist es mein Traum auf dem Gurten zu spielen. Das diesjährige Festival ist mein 20. Jubiläum als Besucher und ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mir beim ersten Mal gesagt habe, dass ich hier einmal auf einer Bühne stehen werde. Und wie es der Zufall will, ist dies heute der Fall.

 

Wieso ausgerechnet der auf dem Hausberg von Bern und nicht in Frauenfeld?

Weil für mich der Gurten das Heimfestival ist und ich selber auch aus der Gemeinde Köniz stamme. Als Einwohner gehst du sowieso immer rauf ans Festival und jedes Mal wenn ich oben bin, treffe ich so viele Leute, die ich kenne. Einige, mit denen ich aufgewachsen bin und die aus der selben Region kommen, Leute, die man Jahre lang nicht mehr gesehen hat. Zum anderen ist es das Ambiente, welches Frauenfeld als Massenabfertigung nicht bieten kann. Im Vergleich ist das Gurten ein Bijou.

 

Von der Veranstaltung zu der Musik selber: Nach deinem ersten Soloalbum “Deheim?” hast du im Januar dieses Jahres deine neue Scheibe “Uswärts!” rausgebracht. Welche Bedeutung hat für dich dieser Titel?

Das Fragezeiche bei “Deheim?” war die ewige Frage: Bin ich hier zu Hause oder wo sonst? Die Musik auf dem alten Album basiert auf dem typischen Hip Hop, beim Neuen wusste ich, dass ich fort gehen will. Andere musikalische Gebilde produzieren, andere Sachen machen und aus der alten Schiene ausbrechen. Darum auswärts mit Ausrufezeichen.

 

Hat das in diesem Fall keinen Zusammenhang damit, dass du ausbrechen willst aus Bern, weil dir alles zu klein ist und du in ein anderes Universum abheben willst?

Nenei, das hat damit überhaupt nichts zu tun. Bern ist winzig und von dem her kann es gar nicht mehr kleiner werden. Es ist klar, dass man Konzerte und neue Leute erreichen will und so über Grenzen gehen muss, um Neues anzureissen. Aber Bern ist meine Heimat, ich fühle mich wohl und ich mache sehr gerne Musik hier in den kleinen Clubs und vor dem heimischen Publikum.

 

Das neue Album zeigt eine neue Seite von dir, in dem du mit Dubstep und Drum’n’Bass arbeitest. Hast du bereits neue Projekte? Zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit DJ Ötzi?

In Richtung DJ Ötzi würde es niemals gehen, das würde mir das Herz brechen. Ich bin immer offen für Neues. Jetzt ist das aktuelle Album veröffentlicht und ich geniesse das, was ich darauf produziert habe und live damit machen kann. Aber ich merke schon, dass es mich auch ins Rockige zieht. Was ich gerne Mal machen würde, wäre eine Kreuzung aus Rock und den Synthesizern von Dubstep und Drum’n’Bass und einem Schweizerdeutschen Rap darüber. Das wäre Mal etwas anderes.

 

Und wie war es mit Steff la Cheffe zu arbeiten, eine der wenigen Frauen in der Schweizer Hip Hop-Branche?

Sie ist eine sehr etablierte Rapperin, die ich seit mehr als zehn Jahren kenne und ich sehe das nicht so eng mit Mann und Frau. Meiner Meinung nach spielen die Geschlechter bei der Arbeit eine sekundäre Rolle. Mit ihr ist es wie mit einem Kollegen zu arbeiten. Man kennt sich, man weiss, wie der andere tickt und man kann sich gegenseitig für etwas begeistern, was Spass macht. Dementsprechend war es eine coole Zusammenarbeit mit ihr.

 

Werden noch andere Frauen auf der Bildfläche erscheinen?

Das kann sein. Es wird immer so dargestellt, als hätten die Frauen keine Chance. Ich denke nicht, dass das so ist. Wenn man sich achtet: Die Frauen, die sich ein Bein ausgerissen haben, gleichermassen wie die Männer, die haben sich auch etabliert, wie beispielsweise eine Steff la Cheffe, Big Zis oder andere. Ich glaube, dass die Frauen sich dort durch ernster nehmen. Und wenn ich mit einer Rapperin zusammen etwas produziere und sie nicht voll und ganz an sich glaubt, dann ist es einfach: Indem man nur ein bisschen rappt, gewinnt man keinen Blumentopf und Talent alleine reicht auch nicht. Man muss es wirklich wollen und sich durchbeissen, das gilt für beide Seiten. Ob Mann oder Frau, es ist mühsam, sich durchbeissen zu müssen. Andererseits ist es für ein weibliches Wesen, wenn sie Gas gibt, ein Vorteil im Hip Hop, weil es davon nicht so viele gibt. Und an alle Ladys da draussen: Gebt Gas!