Kultur | 24.07.2012

Es kommt wieder zum Apfelschuss

Text von Laura Oderbolz
Nach vier Jahren Unterbruch ist es endlich wieder soweit. Vom 18. August bis am 20. Oktober finden die Tellspiele wieder in der Hauptstadt dieser sagenumwobenen Geschichte statt. Schauspieler jeden Alters proben fleissig für die Premiere.
Das Volk ist in Aufruhr. Die Zuschauer werden auch mit düsteren Szenen konfrontiert. Auch Wilhelm Tell (mitte oben), ohne Bart, geht mit der Zeit. Fotos: Judith Schlosser

Während für die meisten die Ferienzeit beginnt und der Sommer (zaghaft) Einzug hält, wird im berühmten Tellspielhaus fleissig für den Endspurt geprobt. Bei den Tellspielen spielen immer öfter auch Jugendliche mit. Statt gemütliche Abende mit Freunden zu verbringen, hat das Proben für die kommenden Tellspiele höchste Priorität.

 

Der lange Weg bis zum Ziel

Dazu braucht es viel Leidenschaft: Seit mehr als einem halben Jahr wird geprobt. Das Casting für die Rollenverteilung war im letzten Dezember. So wussten alle Schauspieler bereits vor Jahresende welche Rolle sie im Sommer spielen werden. Die ganze Probezeit wird in drei Teile aufgebaut: Im ersten Teil wird ausprobiert, im zweiten Teil geht es ans Zusammenstellen der Szenen und zuletzt geht es dann “auf die Bühne”. Die letzte Phase begann vor einer Woche. Das Tellspielhaus steht seither zur Verfügung. Bei den Proben fällt die ehrwürdige deutsche Sprache stark ins Gewicht. Sowohl der Regisseur Volker Hesse (aus Hunsrück) als auch der Bühnenbildner Stephan Mannteuffel und die Kostümschneiderin Diana Güven kommen aus unserem Nachbarsland. Die choreografische Leitung liegt in der Verantwortung von Graham Smith, aus Seattle. Neben der deutschen Inszenierung spürt man das ländlich gebliebene Verhalten der Mitspieler. Die Schauspieler kommen aus derselben Ortschaft oder kennen sich von früheren Tell-Aufführungen. Man ist sich gegenseitig vertraut. Dies spürt man schon bei den Proben auf eine schöne Weise.

Über 120 Personen spielen mit. Dazu gehört auch ein grosser, eindrücklicher Chor. “Volker Hesse liegt es sehr am Herzen, dass keiner das Gefühl hat unwichtig oder gar überflüssig zu sein”, so Julia Trottmann (17) aus Altdorf, eine Statistin der diesjährigen Tellspiele, “jeder einzelne soll seiner Rolle und seinem Auftritt gerecht werden können.”

 

Das Spiel geht mit der Zeit

Wer meint, dieses Stück sei alter Käse, der irrt sich. Das diesjährige Tellspiel ist sehr modern aufgebaut. Es wird mit viel Körpersprache und Körpermusik gearbeitet. Die Schauspieler werden dadurch nicht nur mit dem schillerschen Text sondern auch mit dem körperlichen Training konfrontiert. Generell werden keine Requisiten im Spiel gebraucht. Das macht die Körpersprache sehr zentral. Das Bühnenbild besteht aus einer speziellen Bühnenkonstellation. Ein langer Schlauch aus Metall zieht sich in Wellenform in den hinteren Teil der Bühne. Auf dieser langen Metallkonstellation erscheinen die Schatten spielerisch und auch der Klang der Wutausbrüche Gesslers wird dadurch mehr in Szene gesetzt.

Julia Trottmann ist zum zweiten Mal bei den Spielen dabei. Aber ist diese alte Tellsgeschichte überhaupt etwas für Junge? “Ob als junger Mitspieler oder junger Zuschauer, ich finde es wichtig sich mit historischen Themen zu beschäftigen. Das Bewusstsein dass ‘Freiheit’ nicht für jeden Menschen auf dieser Welt selbstverständlich ist, wird dabei gestärkt. Auch dass unsere Meinungsäusserungen durch den Mut und den Kampf unserer Vorfahren möglich geworden ist.”

Julia erfuhr vor vier Jahren, dass ihr Urgrossvater sowie ihre Grossmutter bereits bei den Tellspielen mitspielten. Sie war fest entschlossen diese schöne Tradition weiter zu führen. Da sie schon seit längerer Zeit Theater spielt, war sie bei einem solch grossen Projekt natürlich sofort zu begeistern. Nicht nur jugendliche, sondern auch viele erwachsene Schauspieler zählt das Theater. Trotz der immer neuen Gesichter im Theater, bleiben jedoch seit Jahren die gleichen Statisten dem Tellspiel erhalten. Dies zeugt von Traditionsbewusstsein und letztlich auch einem grossen Respekt vor Wilhelm Tell.

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