Gesellschaft | 05.07.2012

Eistee, der nicht kalt ist und hervorragende Torte

Mit verschiedenen Vorurteilen setzten sich die meisten Menschen in ein Restaurant an der Langstrasse von Zürich. Und werden total überrascht sein, wenn sie in das Lokal namens Samses eintreten. Die Mischung aus Kultur und Perfektion bringt eine erfrischende Abwechslung in die vegetarische Gastronomie.
Kalte Kartoffelsuppe mit Brotstick - früh aber dennoch willkommen. Im Samses wurden früher Reisen gebucht. Kalte Gemüsepaella zur Vorspeise. Das grüne Curry wird auf Wunsch stärker gewürzt. Die Tagliatelle werden mit Trüffel und Steinpilz serviert. Zum Kaffee gibts ein Stück "Torta della Nonna".
Bild: Martin Sigrist und Chiara Nauer

Hinter Samses steckt ein Geschwisterpaar, welches das Lokal von seinen Eltern übernommen hat. Früher wurden allerdings auf den heutigen Stühlen keine hungrigen Mäuler versorgt, sondern Reiseunterlagen mit Klienten besprochen. Heute sind sieben Jahre seit der Eröffnung des Restaurants vergangen und die Gäste klingen alle glücklich und zufrieden.

 

Vegan ist in

Es ist schönes Wetter und perfekt, um die Mahlzeit im Freien einzunehmen. Ein Anruf genügt, um sich einer der wenigen Tische, die im Aussenbereich stehen, zu sichern. Eine gute Investition, wie sich herausstellt. Eine kleine, aber feine Speisekarte entführt uns ins Schlemmerparadies. Dieses besteht aus einem Saisonangebot, einem asiatischen Teil und aus den üblichen Pasta-Gerichten. An Desserts mangelt es nicht. Die Alternative zum “A la carte”-Service ist ein übersichtliches Buffet mit kaltem, warmen und süssem Bereich.

 

Die Speisen sind fast alle vegan mit kleinen Ausnahmen wie den selbstgemachten Nudeln. Im Gegensatz zum Tibits oder Hiltl ist hier kaum Deklaration vorhanden. Der Grund dafür ist das Zielpublikum, das sich unter dem Wort vegan nicht viel vorstellen könne. Dies zumindest sagt der Chef des Restaurants, Zino Lo Giusto.

 

“Einfach fragen” lautet das Motto

Wenn etwa nicht klar ist, ob die Speise vegan gekocht wurde oder Gluten enthält, wird darum gebeten zu Fragen. Dies testen wir gleich mit einer Empfehlung für einen alkoholfreien Apéritif. Und sind erstaunt über den Vorschlag, einen selbstgemachten Eistee oder Sirup zu probieren. Nach einem Mundvoll ist klar, die Beratung sollte man unbedingt in Anspruch nehmen. Denn die Bedienung hat Recht: Diese Getränke sind etwas Besonderes – nur leider nicht kalt.

 

Dann nehme ich noch…

Noch während wir auswählen, kommen bereits die Amuse Bouches, was eher speziell ist. Denn eigentlich kommt die Mundfreude nach der Bestellung und vor dem ersten Gang. Der kleine Gruss aus der Küche besteht aus einer kalten Kartoffelsuppe mit einem gebackenen Brotstick. In wenigen Schlucken ist die Kaltschale vertilgt. Ein wunderbares Gefühl im Gaumen bleibt.

 

Als Vorspeise gibt es eine kalte Gemüsepaella und einen mager gefüllten Teller, den man selber am Buffet schöpfen kann. Jedes einzelne Häppchen des Buffets ist ein Traum, der nie enden soll. Und auch die Gemüsepaella ist interessant und gut zugleich. In der nächsten Runde kommt die Pasta zum Zug. Einmal das grüne Curry mit den Reisnudeln und Sojafleisch. Es ist als scharf deklariert, kann aber auf Wunsch auch dezenter gewürzt werden. Zum Zweiten die Tagliatelle Duchessa, die an einer Rahmsauce mit Trüffel und Steinpilz serviert werden. Beide Hauptspeisen sind exzellent und ohne Mängel. Und wenn man denkt, es könne nicht mehr besser kommen, wird man meistens vom Gegenteil überrascht. So auch wir. Zu Kaffee gehört ein Stück Torta Della Nonna. Ein mastiger Kuchen aus dickflüssiger Vanillesauce und Mandeln. Die Süssspeise kann man nicht in Worte fassen und sollte selbst probiert werden.

 

Hervorragend und sympathisch

Fazit: Das Samses überzeugt durch hervorragende Küche. Dazu kommen die Preise, die sich im Rahmen halten, gratis Leitungswasser und ein sympathischer Service, der zwar gegen Ende nicht mehr so präsent aber trotzdem super war. Ein schönes und kleines Lokal, das auf jeden Fall einen Besuch wert ist.

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