17.07.2012

Diva in schwarz-weiss

Text von Martin Sigrist | Bilder von Andrew Zaeh/zVg
Janelle Monae ist spätestens seit ihrem zweiten Album die Überfliegerin des R'n'B-Soul-Pops und tourt durch ausgewählte Sommerfestivals. Tink.ch konnte die eigenwillige Sängerin am Zelt-Musik-Festival in Freiburg im Breisgau treffen.
Janelle Monae hat ihr Auftreten und ihre Auftritte perfektioniert. Ihre Shows seien dennoch "viel weniger choreographiert, als es der Anschein vermuten liesse".
Bild: Andrew Zaeh/zVg

Die Begegnung mit der zierlichen Dame sollte in Erinnerung bleiben. Sie tritt zum zweiten Mal in Folge am Zelt-Musik-Festival (ZMF) in Freiburg i.Br. auf und wird am Jazzfestival Montreux ebenfalls zu hören sein. Die Regeln für das Treffen sind klar, das Aufnahmegerät ist abzulegen, Fotos machen ist verboten – und nein, bitte nicht nochmals fragen. Es wird kein Moment für Small Talk und unnötige Herzlichkeit werden. Monaes Antworten sind knapp, präzise und mit der nötigen Freundlichkeit.

 

Das Oeuvre der 27-jährigen umfasst zwei u.a. durch Fritz Langs Metropolis inspirierte Alben, entstanden mit P. Diddy (ehemals Puff Daddy) und Big Boi von OutKast. Nach ihrem Debut-Album 2008 Metropolis, the Chase Suite, folgte 2010 Archandroid, das sie selbst „Emotion Picture für den Geist“ nennt. Die Stimme der ehemaligen Angestellten von Office Depot, ist – trotz einer Körpergrösse von gerade mal gut 1.50m – gross und beeindruckte schon Musiker wie Prince oder den US-Präsidenten Barack Obama, in dessen Garten sie jüngst auftreten durfte. Auf die offizielle Workout-Liste der First Lady schaffte es einer ihrer Songs.

 

Die Konzerte der US-Amerikanerin aus Kansas City machen Spass, die 13-köpfige Band bietet eine perfekte Show, ganz ohne Momente des Zufalls. Monae meint, die Shows seien „trotz der nötigen Struktur viel weniger choreographiert als es der Anschein vermuten liesse“. Dennoch waren die beiden Konzerte in Freiburg fast deckungsgleich, jeder Moment, jede Publikumsbeteiligung, jeder Tanzschritt scheint geplant und bekannt und lässt daran zweifeln, ob auf dieser Bühne die Musik wirklich frei gelebt wird. Auch das Bühnenoutfit, ausschliesslich in schwarz-weiss, scheint perfekt aufeinander abgestimmt, Monae gilt in den Szenemagazinen als Stilikone. Sie macht sich dennoch keine Sorge um oberflächliche Wahrnehmung ihrer Person: „Das gehört alles zusammen, die einzige Person, die mich begrenzen kann, bin ich selbst, daher mache ich bei solchen Klassifizierungen und Beschränkungen gar nicht erst mit.“ Ihre Musik möchte sie entsprechend ebenfalls nicht deuten: „Ich muss meine Musik nicht definieren. Wenn du dir die Musik anhörst, dann sollst Du sie verstehen. Und je mehr Musik ich veröffentliche, desto besser verstehst du sie. Was immer Deine Gedanken sind, wenn du sie dir anhörst, das sollen sie sein.“

 

Was bringt die musikalische Zukunft? Die Plattenfirma spricht von zwei neuen Alben in diesem Jahr. Monae gibt hierzu keine Informationen Preis, sondern verweist einzig – dafür wiederholt – auf ihre „Soul Clock“, die bestimmt, wann und wie viele Alben erschienen, „Es können 10 oder 20 sein, du weisst nie, wann das nächste Album kommt.“

 

Es bleibt die Frage, wie man zum eigenen Stil findet. „Man soll sich jenen Dingen annehmen, die einem Unbehagen verursachen, denn das sind in den meisten Fällen jene, die einen gerade als Künstler einzigartig machen. Da ist die Kraft zu finden.“ Was ihr denn unbehaglich sei? Nicht ganz überraschend die Antwort: „Nichts, zumindest nicht auf der Bühne, da bin ich frei.“

Links

Ähnliche Artikel