Kultur | 06.07.2012

Die dreisten Methoden in ein Openair zu kommen

Text von Julian Stiefel | Bilder von Julian Stiefel
Es gibt sie immer: Leute, die ohne Ticket in ein Openair kommen wollen. Die grüne Grenze in St.Gallen, - also die umgebenden Wälder und die Sitter - ist nur schwer überwachbar. Weil das Openair schon früh ausverkauft war, musste dieses Jahr mit einem besonders grossen Ansturm von Ticketlosen gerechnet werden. Doch neben den "Einbrechern" hörte und sah man auch viele andere teils sehr kreative Betrugsgeschichten um auf das Festivalgelände zu kommen.
Wem es zu lange ging mit Anstehen oder wer kein Ticket mehr erhalten hat, versucht es über die grüne Grenze.
Bild: Julian Stiefel

Neu ist es nicht, dass Personen versuchen, ohne Ticket auf das Openair-Gelände zu kommen. Bereits vor etwa einem Monat waren viele Musikbegeisterte fast panisch auf der Suche nach einem Eintritt für das ausverkaufte Openair St. Gallen. Die Organisatoren versuchten zu diesem Zeitpunkt den illegalen Weiterverkauf zu unterbinden. Die Ticketpreise schossen auf dem Schwarzmarkt in die Höhe. Und so ist es eigentlich auch nicht verwunderlich, dass der Ansturm durch die Wälder dieses Jahr noch grösser wurde. Teils hören sich die Geschichten wie Herausforderungen oder Mutproben an. Wer es weniger actionreich mag, versucht an Eintritts-Bändel zu kommen, die nicht mehr gebraucht werden.

 

Aber neben den ticketlosen Fans, machten auch zahlreiche Medien, wie etwa das St.Galler Tagblatt oder Tele Ostschweiz, den nicht ganz ungefährlichen Selbstversuch durch den Wald und die Sitter auf das Festival-Gelände zu kommen.

 

Der selbst gestrickte Bändel

Wieso nicht einfach seinen Festivalbändel selber basteln, wenns keine mehr zu kaufen gibt? Auch damit lässt sich das Eintrittsproblem lösen. In der Hitze des Gefechts schaut die Eintrittskontrolle nicht mehr so genau hin. So präsentierte ein talentierter Bastler an einem Konzert seinen selbst gestrickten Bändel, in den passenden Farben. Durch Schweiss und Reibung etwas mitgenommen, sah die Nähkunst schon fast wie ein offizieller Bändel aus. Doch neben dieser einfallsreichen Idee, sah man auch zerschnittene Bändel, die unauffällig wieder zusammengenäht wurden. Zahlreichen schlafenden Gästen wurden in der Nacht von Unbekannten die Bändel vom Handgelenk geklaut. An den Eingängen fiel die kleine Nähübung wohl niemandem auf.

 

Zweifel am Schliessmechanismus

Fast schon auffällig tauschten auch ältere Leute jenseits der Ausgänge ihre Bändel aus. Geladene Gäste wurden etwa von Jugendlichen dazu überredet, ihre Bändel nach dem Verlassen des Geländes, abzugeben. Mit flinken Händen und einem Messer öffnete ein Jugendlicher mitten im Bus den Schliessmechanismus. Nicht selten wurden die Bändel auch einfach viel zu locker angezogen, sodass sie über das Handgelenk abgestülpt werden konnten.

 

Organisatoren greifen hart durch

Die Organisatoren versuchen mit den möglichen Mitteln gegen den Betrug vorzugehen. Die grünen Grenzen werden immer besser überwacht. Laut Christof Huber, Geschäftsführer des OpenAir St.Gallen, müssen die Eindringlinge mit einer Anzeige rechnen. Es gäbe immer Leute, die unbemerkt reinkommen würden. Aber viele würden im Nachhinein von den Sicherheitsleuten entdeckt werden. Da sei man dann wenig tolerant. Die betroffenen Personen werden von der Polizei abgeführt.