Kultur | 24.07.2012

Das Einmann-Ensemble

Text von Martin Sigrist | Bilder von Ann Marsden/zVg
Bobby McFerrin, der Gesangskünstler aus New York, bewies am Stimmen-Festival erneut, dass er mit seiner A Capella-Musik weit mehr ist als 'Der von "Don't Worry, Be Happy"'.
Bobby McFerrin zieht die Zuhörer mit seiner vielseitigen Stimme in den Bann.
Bild: Ann Marsden/zVg

Bobby McFerrin ist den meisten Menschen als Sänger von “Don’t Worry Be Happy” bekannt. Dieser Song, entstanden aus einem Jux im Studio, basierend auf einem Zitat eines indischen Gurus, brachte ihn 1988 zu weltweiter Berühmtheit. Der 62-jährige New Yorker bietet in seinem Schaffen weit mehr als nur diesen Song, den er live nie wieder singen möchte.

 

Am Stimmen-Festival ist der Sohn eins Opernsängers und einer Kirchensängerin bereits ein alter Bekannter, seine Auftritte ein regelmässiger Genuss, bereits in den Jahren 2007, 2009 und 2010 war er zu Gast am Lörracher Festival. Längst hat sich dazu ein gemischtes Stammpublikum gebildet, jung und alt lassen sich gerne auf Publikumsbeteiligung ein; singendes Publikum beschert McFerrin gemäss eigenen Angaben die emotionalsten Momente. Dabei kommuniziert er zwischen den Stücken weniger mit Worten als mit kurzen Gesangs- und Geräuscheinlagen mit seinem Publikum.

 

Der mehrfache Grammy-Gewinner tourt mit Kleinchören, Jazzbands oder grossen Klassikorchestern, die er nebenher auch gerne selbst dirigiert. Seine Instrumente sind dabei einzig Stimme und Körper. Sein Gesang ist weniger Lied sondern Geräusche, Rhythmen und wortlose Melodien, oder eine Cello-Stimme, begleitet von einem klassischen Orchester.

 

In Lörrach stand McFerrin mit dem Trio WeBe3 auf der Bühne, ebenfalls aus den USA, bestehend aus zwei Herren und einer Dame, welche mit ihren A Capella Improvisationen den Star des Abends begleiteten. Die gesungenen Lieder wollten nicht so ganz überzeugen, doch die gemeinsamen Improvisationen waren auf hohem Niveau und machten viel Spass, insbesondere wie sich die vier Personen auf der Bühne gegenseitig weiter trieben und es  im Laufe des Abends irgendwann offen stand, wer Mittelpunkt auf der Bühne war.

 

Das diesjährige Konzert dauerte mit Zugabe – inklusive Möglichkeit, Fragen zu stellen – zwei Stunden. In Zeiten von Hype-Bands, die knapp ein Album auf Tour mitbringen, mag es ungewohnt sein, über eine solche Dauer still zu sitzen, insbesondere bei einem so ruhigen Konzert, ganz ohne Instrumente.

 

Leider wurde das Konzert von einer Fotografin des WeBe3 Ensembles gestört, die während des ganzen Konzertes vom Zuschauerraum aus mit der Erlaubnis des Ensembles fotografiert hat, leider ohne die Geräusche und Lichter der Kamera auszuschalten. In Hörweite der Kamera war es teilweise unmöglich, sich noch auf die Musik zu konzentrieren. Wahrlich die einzige Kritik an diesem spannenden Konzertabend.

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