Gesellschaft | 25.06.2012

Weder Technikbanause, noch Besserwisserin

Text von Milena Krstic | Bilder von Lynn Knobel
Wenn aus dem Grosi die Arbeitskollegin wird, dann steckt wahrscheinlich das neu lancierte Generationenmagazin "und" dahinter. Tink.ch-Autor Elias Rüegsegger lud am Samstag in Thun zur Vernissage der Testausgabe. Beispiel einer nachhaltigen Maturaarbeit.
Präsentation des neuen Generationenmagazins letzten Samstag im Thuner Gymnasium Seefeld.
Bild: Lynn Knobel

Das neue Magazin “und” ist einerseits die Maturaarbeit des 18-jährigen Elias Rüegsegger. Andererseits ist es eine Antwort auf die Frage: Was geschieht, wenn zwei komplett verschiedene Generationen bewusst und mit einem gemeinsamen Ziel aufeinandertreffen? Denn der Austausch zwischen Jung und Alt beschränkt sich für Jugendliche oft darauf, sonntags bei den Grosseltern Kuchen zu essen und ihnen aus den Ferien eine Postkarte zu schicken. Dass die eigenen Grosseltern nicht die einzigen alten Menschen auf diesem Planeten sind, wird erst bewusst, wenn man im Bus einen Platz freigeben muss oder der Nachbar sich über zu laute Musik beschwert. Unbekanntes bewirft man zudem gerne mit Vorurteilen: Alte Schachtel trifft auf schlechterzogenen Flegel, Technikbanause auf Besserwisserin. Der Berner Oberländer Elias Rüegsegger und sein Redaktionsteam finden, dass sich das ändern lässt.

 

Ernste Titelseite, Horizont erweiternder Inhalt

Die Sprache, die habe ihn schon immer fasziniert, erzählte Elias Rüegsegger vor versammeltem Publikum. Es war Samstagmorgen, die Vernissage des “und”-Magazins füllte die Aula des Gymnasiums Thun Seefeld. “Etwas mit Rätoromanisch”, so Elias Rüegsegger, wäre das alternative Thema für seine Maturarbeit gewesen, hätte nicht die Lancierung eines eigenen Magazins das Rennen gemacht. Der Journalismus liegt ihm, der auch als Redaktor für Tink.ch und die Jugendseite des Thuner Tagblatts tätig ist. Das Interesse daran keimte bereits sehr früh auf, wie ein Schwatz mit seinen Eltern offenbart. Sobald er gut lesen und schreiben konnte, habe er die Zeitung “Take it Easy” ins Leben gerufen und monatlich an seine Familienmitglieder verteilt. Für den Titel liess er sich vom Mädchennamen seiner Mutter inspirieren: Leichtnam.

 

Etwas bedrohlich sieht sie aus, die Titelseite des “und”-Magazins: Vier Gesichter, direkter Augenkontakt, ernste Minen – alles in Schwarzweiss gehalten. Doch Elias Rüegsegger lässt während der Präsentation die Autorinnen und Autoren zu Wort kommen, Anekdoten aus dem Entstehungsalltag erzählen und zeigt so die Menschen hinter dem düsteren Titelbild. Es sind offene, enthusiastische Menschen, die gerne schreiben, und gäbe es “und” nicht, ihre Wege hätten sich wahrscheinlich bis heute nicht gekreuzt. Wenn ein Schweizerörgelispieler und ein Jungscharleiter zusammensitzen, wenn eine ehemalige Stadthostess mit einer Fachmittelschülerin spazieren geht, dann entstehen Artikel zu Themen wie “Weltverbesserer”, “Alleinsamkeit” und “Nazis auf dem Mond”. Junge Offenheit gepaart mit alter Weisheit entpuppt sich als Nährboden für eine Horizonterweiterung. “Jung”, das ist man bei “und” bis zum 25. Lebensjahr, “alt” dafür erst ab sechzig Jahren.

 

Kritische Leser erwünscht

Fragt man Elias Rüegsegger nach seinem Wunsch für die Zukunft von “und”, dann antwortet er bestimmt: “Kritische Leserinnen und Leser”, sowie Menschen, die mitmachen, mitschreiben und die Produktion auch finanziell unterstützen würden. Denn “Utopen”, das seien die Macherinnen und Macher des Magazins nicht: “Hätten Personalkosten bezahlt werden müssen, gäbe es dieses Magazin nicht”, sagt Elias Rüegsegger. Dass er die freiwillige Tätigkeit schätzt, zeigt sich im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen des Maturanden. Immer sei er mit Herzblut dabei gewesen, habe Einverständnis geholt und das ganze Team in Entscheidungen miteinbezogen. Ob sich Demian Thurian, 14-jähriger “und”-Autor, einen solchen Chef in seiner Lehre wünschen würde? “Ja, ganz sicher, das wäre schön.” Im Team ist auch Karin Mulder, 73. Als Gründerin der Seite “65+” im Thuner Tagblatt freut sie sich, nun auch bei einem generationenübergreifenden Magazin mitzuschreiben.

 

Seit der Abgabe der Maturaarbeit hat Elias Rüegsegger einige Aufgaben bereits abgegeben. Nebst Matura, Freundin und Hobbys bleibt einfach nicht genug Zeit, Redaktor von mehreren Magazinen gleichzeitig zu sein. Doch Elias Rüegsegger bleibt seinem Team als redaktioneller Leiter erhalten, denn ihn und die meisten Schreibenden hat’s gepackt: Sie wollen weiterschreiben, weiterrecherchieren und mit ihrer Tätigkeit Brücken bauen zwischen den Generationen. Damit aus der Schachtel und dem Flegel schon bald bereichernde Gesprächspartner werden.

 

 

Zum Magazin


“und” plant drei weitere Ausgaben, die du für 20.- CHF hier bestellen kannst.

Die Testausgabe ist kostenlos und kann ebenfalls auf der Internetseite oder unter folgender Adresse bestellt werden:

 

“und” Magazin von Jung und Alt

Auf der Fluh 61

3622 Homberg