Kultur | 21.06.2012

“Someone is getting rich”

Text von Tobias Söldi | Bilder von Katharina Good
Wenn die Art Basel ruft, ist schon bald die gesamte Kunstwelt in der Rheinstadt versammelt: Schick gekleidet die Galeristinnen, steinreich die Kunstsammler, intellektuell die Kunstwissenschaftlerinnen, unentbehrlich die Künstler. Und natürlich fehlen die Normalsterblichen nicht.
Die Art Basel ist weltweit die wichtigste Kunstmesse. Irgendjemand verdient an der Kunst immer - in Basel etwa sind es die 300 Galerien. Über 60'000 Besucherinnen und Besucher waren in Basel dabei.
Bild: Katharina Good

“Someone is getting rich” besagt ein neonleuchtender, die Formensprache der Werbung aufnehmender Schriftzug des französischen Künstlerkollektivs Claire Fontaine. Auf beinahe aufdringliche Weise erinnert das Werk daran, dass die Art Basel ein Spektakel ist, ein Sehen und gesehen Werden, ebenso wie eine kommerzielle Angelegenheit, bei der Geld eine zentrale Rolle spielt. Die Art Basel soll eben auch Marktplatz für Kunst sein, wie Marc Spiegler, der Leiter der Art Basel, sagt. In den Galerieräumen aus weissen Stellwänden wird eifrig Kunst gekauft und verkauft. Vorausgesetzt, man verfügt über die notwendigen finanziellen Mittel. Ein Werk des deutschen Künstlers Gerhard Richter etwa wurde in den ersten Tagen für angeblich rund 20 Millionen Euro verkauft. Damit die Geschäfte in Ruhe abgewickelt werden können, wurde einem Kreis von exklusiven Besuchern bereits zwei Tage vor den gewöhnlichen Besuchern Einlass gewährt – was für einige missmutige Kommentare sorgte, wurden doch die Öffnungszeiten für die normalen Gäste im Vergleich zum Vorjahr kurzerhand um einen weiteren Tag zugunsten der VIP-Gäste gekürzt. Ein gewisser Zug der Art Basel zum Elitären lässt sich nicht abstreiten und wird auch immer wieder kritisiert.

 

Zentrum der Kunstwelt

Doch genauso ist die Art Basel ein Anlass der grossen Massen. Für eine Woche wird Basel Zentrum der Kunstwelt: 300 Galerien aus 36 Ländern präsentieren rund 2500 KünstlerInnen aus dem 20. und 21. Jahrhundert – von den zahlreichen Nebenmessen noch gar nicht gesprochen. Gegen 65.000 Besucher zieht die Messe jeweils an. Denn die Art Basel bietet den Interessierten alle Jahre wieder die einmalige Chance, die bedeutendsten Galerien und Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts an einem Ort und auf engem Raum versammelt zu sehen. Alles, was Rang und Namen hat, ist vertreten: Klassiker wie Andy Warhol, Joseph Beuys und Pablo Picasso sind  ebenso zu finden wie Vertreter der jüngeren Generation, die ausserhalb des Kunstbetriebs vielleicht noch wenig bekannt sind: Das dürfte sich aber in naher Zukunft durchaus ändern – denn wer an der Art Basel ausstellt, hat schon viel erreicht.

 

Vieles und Unterschiedliches

Für kontemplatives Betrachten von Kunst ist die Art Basel aber ein denkbar schlechter Ort. Nicht enden wollende Besucherströme und geschäftiges Treiben überall lassen der Musse keinen Platz. Auch ein meditatives Porträt der einflussreichen Performance-Künstlerin Marina Abramović, das diese mit geschlossenen Augen eine Kerze vor das Gesicht haltend zeigt, vermag den Rummel nicht zu bändigen. Die Galerien versuchen, ihren Platz möglichst auszunutzen und präsentieren Vieles und Unterschiedliches auf engem Raum – was zuweilen auf Kosten der Kunstwerke geht, denen es an Raum zur Entfaltung mangelt. Die Art Basel ist eben kein Museum. Für viel mehr als einen kurzen Blick auf ein Werk und ein reichlich übereiltes Urteil reicht es selten. Videoarbeiten dagegen können sich glücklich schätzen, denn ihnen kommt ungleich mehr Aufmerksamkeit zu, lassen sie sich doch unmöglich auf einen Blick erfassen. Bewegte Bilder waren vor allem an der beliebten “Art Unlimited” zu sehen, einem Sektor der Art Basel. Dort sind auch grossformatige, spektakuläre Kunstwerke zu sehen. Etwa das “Gekröse” von Franz West, ein riesiges, rosafarbenes, wurmartiges und in sich verschlungenes Etwas.

 

Alle werden reich

Trotz den Spannungen zwischen Kunst und Kommerz, zwischen Spektakel und Kontemplation, zwischen Elitarismus und Populismus, lässt einen die Art Basel doch immer wieder zufrieden zurück, im Bewusstsein, einen ganz anderen Reichtum erlangt zu haben als die Künstler und Galeristen: Reich an sinnlichen Eindrücken, an Einsichten, neuen Ideen und Inspiration ist man am Ende eines Besuches auf alle Fälle.