Kultur | 21.06.2012

Satellitenmesse der Art Basel: Die Scope

Text von Manuel Kuhn | Bilder von Katharina Good
Die Scope ist eine der Nebenmessen der Art Basel und zeigt gegenwärtige Kunst. Sie ist bunt, abwechslungsreich, international und trotzdem volksnah. Eine innovative Messe für Kunstliebhaber.
Bild: Katharina Good

Im schon zur Tradition gewordenen weissen Riesenzelt auf dem Kasernenareal fand die Scope in diesem Jahr zum sechsten Mal statt. Bis zu 8’500 Besucher seien in diesem Jahr gekommen, schätzte Alexis Hubshman, der Direktor der Scope. Damit ist sie mit Abstand die kleinste der drei Scope-Messen. Ausser in Basel, findet die Scope jeweils in Miami am Ende eines Jahres und in New York im Frühjahr statt. Diese hätten 25’000 bis 35’000 Besucher und dementsprechend auch mehr Galerien, als die achtzig in Basel. Auf jeden der achtzig Plätze kommen in etwa fünf bis sechs Bewerbungen. Viele davon passen aber gar nicht in das Scope-Konzept und werden an andere Messen vermittelt. Immer wieder kommen auch neue Aussteller zum Zuge. In diesem Jahr hatten 27 neue Galerien die Chance, sich zu präsentieren. Genau dies ist nämlich die Grundidee des Scope. Eine Plattform für junge Galeristen und deren Künstler wollen sie sein, erzählt Alexis Hubshman weiter. Er möchte die aufkommende junge zeitgenössische Kunst in den Fokus rücken.

 

Die Innenwelt des Zelts

Die meisten Galeristen stammten in diesem Jahr aus Europa, aber auch Asiaten und Nordamerikaner fanden sich ein. Trends waren dabei schwierig zu erkennen, so unterschiedlich war die Auswahl, die ausgestellt wurde. Es gab Galeristen, die stellten Kunstwerke von vier oder mehr Künstlern aus und so kam es, dass innerhalb nur weniger Quadratmeter Kunst von Photographie über Installationen, Skulpturen und Malerei bis zu Video Art alles zu finden war.

 

Die Atmosphäre im Zelt der Scope-Nebenmesse war locker und ruhig. Vielleicht hatte es mit dem jungen Management aus New York zu tun oder mit den Galeristen, die sich glücklicherweise lieber unterhielten als sich hinter ihren Laptops zu verstecken. Oder wegen der Scope City, der Lounge, die zentral und ganz mittig die weltoffene Scope als Stadt vertrat. Hier konnte man sich auf symbolischen Hochhäusern setzen, etwas Flüssiges oder Essbares zu sich nehmen und vor allem konnte man sich nach stundenlangem Diskutieren und Herumlaufen eine Pause gönnen, bis man wieder mit voller Energie einen weiteren Teil des kleinen weissen Labyrinths mit den vielen Kunstschätzen entdecken ging.

 

Volksnah und innovativ

Bei der Installation von Satch Hoyt “Say it out loud” war die Mitarbeit der Basler Bevölkerung und der Stadtbibliothek Basel gefordert: Gemeinsam gaben sie nach einem Aufruf 3’000 Bücher an den Künstler ab, welcher damit einen Bücherberg mit Mikrofon inszenierte und beim Eingang platzierte. Als Dankeschön gab es einen Gratis-Eintritt für die Spender.

 

Die Scope zeigt sich auch sonst innovativ. Neuerdings ist es möglich mit einer App auf dem Iphone oder Ipad auch virtuell durch die Messeräume zu schweben und gleichzeitig mit Informationen über die Kunstwerke und Galerien der Veranstaltung versorgt zu werden. Einen grossen Schritt wurde gegenüber dem letztem Jahr gemacht, als die Messe den Ruf hatte, sehr schrill und kunterbunt zu sein. Im Jahr 2012 präsentierte sich die Scope gemässigter, nur noch glitzernd und farbig.

 

Verbund im Hafenareal Klybeck

Dass die Scope nächstes Jahr nicht mehr auf dem vom Veranstalter sehr geschätzten Kasernenareal stattfinden wird, sei schon fast besiegelte Sache. Einen Kampf um den Platz bei der Kaserne mit so wenigen Chancen sei nicht im Interesse des Scope-Managements. Man respektiere die Anwohner und sei darum auf der Suche nach einer langfristigen Lösung. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird sich die Scope in das Hafenareal im Klybeck verschieben, widerum mit dem Zelt und am liebsten im Verbund mit anderen Nebenmessen, etwa der Volta-Messe. Falls dies nicht klappen sollte, würden auch Messen aus anderen Städten angefragt werden, mit denen dann zusammen eine neue Kunstfläche aufgebaut würde.

 

Man dachte auch über einen Umzug nach Zürich und über Öffnungszeiten am Wochenende vor der Art Basel nach. Die Regierung in Zürich sei sehr freundlich gewesen und interessiert, eine neue Kunstwelt zu kreieren. Es könnte also auch eine politische Frage werden, ob Basel zwei Nebenmessen der Art verlieren wird. Im Sinne von Alexis Hubshman wäre ein Umzug nach Zürich aber nicht. Er würde gerne bleiben: “I would love to be here, that is where my heart is. I love the river, for me that is what is great about Basel. It is a beautiful energy here”.