Kultur | 29.06.2012

Mehr Platz zum Atmen

Zum fünften Mal besetzte The Solo Project als Nebenmesse der Art Basel die St. Jakobshalle mit Werken bildender Künstler. Die vielen Sitzplätze im Stadion blieben leer, denn die Besucher durften selbst auf das Spielfeld. Dort präsentierte jede der 49 internationalen Galerien hauptsächlich Werke eines Künstlers - wie der Name der Messe schon sagt. Das Spiel des Kunstmarktes war hier weniger hektisch und etwas überschaubarer.
Es dürfen mal zwei Künstler sein: Rómulo Celdran und Jakub NepraŠ¡ bei der Arthobler Galerie.
Bild: zVg Die Werke von Julien Salaud bekommen bei der Galerie Suzanne Tarasiève eine kreative Präsentation. Katharina Good

Die Spielregeln dieser Kunstmesse waren klar definiert: Die Galerien durften höchstens zwei Künstler präsentieren. Andere Grenzen gab es kaum und so fand man Werke aus den verschiedensten Medien und Preiskategorien wieder. Insgesamt konnte man in den Präsentationen 76 Künstler entdecken, die zum Teil erst seit kurzem auf dem Feld des Kunstmarktes spielen.

 

Vor einer Reizüberflutung bewahren

“Den Kunstwerken mehr Platz zum Atmen geben.” Diesen Grundsatz gibt der belgische Galerist und Projektgründer Paul Kusseneer jedes Jahr an die Galerien weiter, die er für seine Messe einlädt. Die Besucher dieser Kunstmesse sollten vor einer Reizüberflutung bewahrt werden – und dennoch eine breite Palette an Kunstobjekten und internationalen Galerien kennenlernen. Ein schwierig zu realisierendes Projekt, das sich in Basel dennoch etablieren konnte.

 

Das Ausstellungskonzept bewährte sich vor allem deshalb, weil viele der ausgestellten Bilder als Serien geplant waren und ihre Wirkung im gemeinsamen Raum entwickeln konnten. So traf man gleich am Eingang, bei der Gstaader Galerie Patricia Low Contemporary auf die neuste Serie des Starfotografen David LaChapelle. Wer sich die grossformatigen Bilder in Ruhe anschaut, wird auf unterschiedlichste Details aus der Populärkultur stossen, ohne die man beim schnellen Vorbeigehen nur traditionelle Blumen-Stillleben an den Wänden erkennen würde.

 

Facettenreich und international

Die in Zürich und in Portugal sesshafte Arthobler Galerie wurde eingeladen, zwei internationale Künstler zu repräsentieren. Die monochromen Gemälde des Spaniers Rómulo Celdran kontrastierten die Video-Installation von Jakub NepraŠ¡ aus Prag. Gerade wegen der Unterschiedlichkeit der beiden Werkgruppen stachen diese aus der gesamten Messe besonders hervor.

 

Josef Kaempf, der mit der Arthobler Galerie bereits zum dritten Mal am Solo Project beteiligt war, schätzt das Ausstellungskonzept dieser Nebenmesse. Die Atmosphäre sei angenehm und verglichen mit Kunstmessen in anderen europäischen Ländern könne er hier besonders interessierte Besucher antreffen.

 

Die ruhige Kunstmesse

Gerade am Wochenende, während sich Kunstliebhaber und Sammler aus aller Welt durch das Galerien-Gerangel der Art Basel auf dem Messeplatz kämpften, war es ruhig in der Sporthalle neben dem “Joggeli”. Neben den Galeristen und vielleicht einzelnen Künstlern wandelten wenige Besucher von einem Galerieraum zum nächsten. Umso besser konnte man sich mit den Werken beschäftigen und sich mit den Galeristen unterhalten. Viele Besucher hätten die Messe bei ihrer Eröffnung am Mittwoch besucht, an dem auch die Künstler selbst anwesend waren.

 

Das selbe Spiel, nur leiser

Das Versprechen, einzelne Künstler durch ihre Werkgruppen kennenlernen zu können,  konnte das “Ausstellungsprojekt” nur teilweise einlösen. Schwierig war es besonders bei Künstlerinnen und Künstlern, die mit verschiedenen Medien arbeiten. Denn der Raum, in dem die Kunst besser “atmen” können sollte, war weiterhin zu klein, um etwa alle Werke einer umfangreichen Serie, geschweige denn eine umfassende Retrospektive zu zeigen. So erfuhr man etwa allein durch eine Fotoserie von Chantal Michel bei der Münchner Galeristin Karin Sachs wenig über die Berner Medienkünstlerin.

 

Von den hektischen Besuchermassen vieler anderer Basler Kunstmessen abgesehen, präsentierte sich auf dem Sportplatz ein ähnliches Spiel. Viele Werke auf weissen, abbaubaren Wänden prägten auch hier das Bild. Nur wenige Galerien – speziell jene von Suzanne Tarasiève aus Paris und die Bongiovanni Galleria aus Bologna sollen hier genannt sein –  setzten auf eine kreative Präsentation. Die knappe Woche war erneut zu kurz und die Ausstellungsfläche zu klein, um den Kunstwerken den Platz zu geben, den sie wirklich verdienten.