Gesellschaft | 27.06.2012

Massensportszenensprache

Szenensprachenwiki.de ist eine Datenbank von Wortkombination und -kreationen aus verschiedensten Slangs des deutschsprachigen Raums. Wer eigene Worte kennt, darf diese auf der Website selbst hinzufügen. Moderiert wird die Plattform von Dudenverlag und Trendbüro. Tink.ch pickt einzelne Worte aus der Datenbank heraus und setzt sie in Zusammenhang mit einem aktuellen Kontext. Die Heutige Auswahl lautet: Rudelgucken.
Rudelgucken ist der erste Begriff der Szenesprache, der von Tink.ch unter die Lupe genommen wird.
Bild: Wandersmann/Pixelio.de

Es gibt nur ein Thema, das zurzeit in den Medien höhere Wellen schlägt als korrupte Steuerverwalter oder die nahende Insolvenz von gewissen EU-Staaten: Die Fussball-Europameisterschaft in der Ukraine und Polen. Und noch bevor der Schweizer Verein UEFA mit seinen Partnern und Sponsoren das Leben der Polen und Ukrainer mit einer der grössten Massenveranstaltungen der Welt auf den Kopf stellten, rüsteten sich im Rest von Europa Millionen von Menschen zum Rudelgucken.

 

Für jeden etwas dabei

Rudelgucken ist einfach. Rudelgucken braucht keine Vorbildung. Rudelgucken ist grundsätzlich kostenlos. Und Rudelgucken ist trendy. Man kann alleine oder in der Gruppe zum Rudelgucken gehen und Rudelgucken lässt sich gut mit dem Konsum alkoholischer Getränke kombinieren. Wobei die Kombination von Bier und Rudelgucken die am weitesten verbreitete Form ist.

 

Das Schweizer Rudel

Im Jahre 2008 fand der Höhepunkt des Schweizer Rudelguckens statt. Damals wurde die Kommerzialisierung des Rudelguckens auf die Spitze getrieben: die Leinwände waren gigantisch und das Rudelgucken wurde mit Shows und Konzerten in die Länge gezogen. Um die Areale wurden hohe Zäune gebaut und wer zum Rudelgucken kam, musste sich durch Dutzende Sicherheitsleute kämpfen.

 

Rudelgucken: das neue Public Viewing

Der Begriff Rudelgucken, hat seinen Ursprung in genau jenem Sommer des Jahres 2008. Nicht weit entfernt von der Schweiz und von Österreich beschäftigte sich der deutsche Jugendradiosender 1LIVE mit dem Phänomen des auf neudeutsch genannten Public Viewing. 1LIVE war der Meinung, dass ein Deutsches Wort für den Konsum von Fussballspielen auf Grossleinwand hermüsse und startete eine Online-Umfrage. Rudelgucken setzte sich klar gegen Tummel-TV, Meutekino und Gruppenglotzen durch – und zwar so weit, dass es im Jahr 2011 im Duden aufgenommen wurde.

 

Zwei Jahre Rudelgucken-Abstinenz

Es geht nicht mehr lange, und dann ist es mit dem Rudelgucken wieder vorbei. Kurz nach dem Schlusspfiff des EM-Finals 2012 werden die Grossleinwände und Projektoren eingepackt und für zwei Jahre verstaut. Solange, bis uns die Live-Bilder der Fussball-WM aus Brasilien erreichen, welche die Abendfreizeitgestaltung vieler Fussballfans und Nicht-Fussballfans prägen werden.

Links