Kultur | 25.06.2012

Bis die Saiten schmolzen

Text von Robin Mahler | Bilder von André Maurer
Kein Regenschauer, dafür ein ordentliches Rockgewitter zog vom 15. bis 17. Juni über Interlaken. Die Veranstalter des Greenfield Festivals ziehen mit über 25'000 Besucherinnen und Besuchern eine positive Bilanz.
Das Greenfield Festival zog auch 2012 wieder Freunde der Rockmusik an.
Bild: André Maurer

Ein erstes Mal hüpfte das Publikum am Freitag am Konzert von Billy Talent. Die Alternativrocker spielten als Headliner zum dritten Mal am Greenfield Festival. Vor der Bühne herrschte ein hoher Stimmungspegel, die Songtexte wurden vom Publikum lauthals mitgesungen. Am meisten ging die Menge bei “Red Flag” und “Fallen Leaves” ab, den wohl bekanntesten Liedern der Kanadier. Die Band machte einen guten und spielfreudigen Eindruck und bedankte sich oft beim Publikum. Anschliessend folgte auf der kleineren Bühne mit den Industrial Metal-Veteranen von Fear Factory ein musikalisches Auf und Ab. Der Sänger hatte mit den hohen Tönen seine liebe Mühe und scheiterte oft, während die restlichen Mitglieder spieltechnisch zu überzeugen wussten.

 

Der Samstag lud zum Tanz

Obwohl am Samstag Temperaturen von über dreissig Grad herrschten, liess sich das generell sehr mitmachfreudige Publikum nicht die Stimmung nehmen. Auch beim brachialen Metalcore von Heaven Shall Burn aus Thüringen wurde viel gehüpft und kopfgeschüttelt. Dennoch konnte sich Sänger Markus Bischoff die Frage nicht verkneifen, ob das Publikum noch genug Kraft habe. Dieses zeigte jedoch bis am Schluss grossen Enthusiasmus, so dass die Band nach einer guten Leistung zufrieden die Bühne verliess.

 

Sodann waren die eidgenössischen Folkmetaller von Eluveitie an der Reihe. Neben neuen Stücken ab der aktuellen CD “Helvetios” spielten sie auch bekanntere Stücke wie “Inis Mona”. Den grössten Applaus während des Auftrittes von Eluveitie gab es für Anna Murphy. Die Sängerin an der Drehleier hatte bis vor dem Konzert noch mit Fieber zu kämpfen, dennoch versuchte sie für die Fans “A Rose for Epona” zu singen. Murphy meisterte ihre Aufgabe souverän.

 

Der Sonntag war zum Schlapplachen

Zum Festivalabschluss folgten am Sonntagabend die selbsternannte “beste Band der Welt”: Die Ärzte. Pünktlich um 20.30 Uhr fiel der rote Vorhang, den man vor die Bühne gehängt hatte und der Song “Hurra” ertönte. Grosse Freude hatten vor allem die Fans in der vorderen Hälfte des Areals, während die meisten Besucher auf den hinteren Rängen eher reserviert zuschauten. Für die Ärzte gilt: Jedes Konzert der deutschen Funpunkrocker ist speziell. Über die improvisierten Ansagen kann man sich entweder schlapplachen oder fremdschämen.

 

In Interlaken versuchten sich Sänger Farin Urlaub zwischendurch im Schweizerdeutsch. Das Trio machte in den Ansagen Witze über Die Toten Hosen, YouPorn oder Masturbation, und brachte es gleich selbst auf den Punkt: “Ach Niveau, was willst du hier?”. Es wurde aber nicht nur geredet, sondern auch musiziert. Dass die Band neben simplem Rock auch noch andere Stilrichtungen draufhat, zeigte sie mit dem Lied “TCR”, das eben mal Metal, Country und Jazzrhythmen vermischt. Die Songauswahl reicht von Altbekanntem wie “Zu spät” bis zu Allerneuestem wie “Ist das noch Punkrock?”. Die Ärzte sind für ihre bis zu dreistündigen Konzerte bekannt, diesmal spielten sie aber “nur” zwei Stunden.

 

Das Greenfield Festival war, wie die Jahre davor, ein grosses, lautes, fröhliches Spektakel. Man kann gespannt sein, ob es sich in punkto Zuschauerzahlen noch steigern kann. Es wäre zudem wünschenswert, wenn die Organisatoren nächstes Jahr mehr Bands ins Line-Up nehmen, die noch nie am Greenfield gespielt haben.