Kultur | 09.05.2012

Viel Freude am Jazz

Text von Andreas Rüegg | Bilder von Andreas Rüegg
Drei grosse Stars des Jazz sorgten für einen fulminanten Abschluss am diesjährigen Jazzfestival in Basel. Der Konzertsaal war gefüllt bis zur letzten Reihe, doch wie kommt man überhaupt zu einer Leidenschaft wie dem Jazz?
Improvisation heisst, zu wissen was der andere spielt. Richard Galliano hat die Musette jazzreif gemacht.
Bild: Andreas Rüegg

Richard Galliano, Biréli Lagrène und Didier Lockwood, alle drei sind gestandene Jazzmusiker und kommen aus Frankreich. Im Gegensatz zu dem an diesem Abend abgewählten Sarkozy, waren diese drei Herren heute aber wahre Musketiere, denen es mit ihrem hingebungsvoll-virtuosen Spiel gelungen ist, ihr Publikum von den Sitzen zu reissen.

 

Spürbare Spielfreude

Bis es zur Standing- Ovation kam, wurde den Zuschauern aber ohne Rast über knapp zwei Stunden musikalisch hochstehende Vielfalt geboten. Lookwood an der Geige, Lagrène mit akustischer Gitarre und Galliano, meist im Stehen, mit seiner Musette, einer französischen Handorgel. Die Musiker reizten die Klangkörper ihrer Instrumente vollends aus, und liessen weder Bläser, noch Schlagzeug oder Kontrabass vermissen. Das Trio harmonierte untereinander und die Zuschauer waren fasziniert ob der gebotenen Fingerfertigkeiten.

 

Die Melodien waren eingängig.  Es wurden einige Stücke des Komponisten Nino Rota gespielt, der die Musik zu Fellinis Filmen wie “La Dolce Vita” geschrieben hatte. Die naive Hoffnung angesichts der Tragödie, wie der Film sie so schön darstellt, sie kam auch im Spiel und in der Gestik/Mimik der drei Künstler auf der Bühne rüber.

 

Doch es wurde lange nicht nur Jazz und Fellinimusik gespielt. Bedient wurden auch Musikrichtungen wie Tango, Gypsy-Jazz, und Didier Lookwood führte ein absolut starkes Blues-Geigenspiel vor.

 

Junge Jazzbegeisterte

Eher eine Minderheit waren junge Leute unter den Konzertgästen. Warum ist Jazz ein Musikstil, der Jugend viel weniger greifbar als andere? Lookwood, Lagrène und Galliano wuchsen alle drei in einer Musikerfamilie auf, was der Exklusivität, die dem Jazz manchmal vorgeworfen wird, nicht gerade widerspricht. Wem sich die Klangwelt des Jazz aber einmal geöffnet hat, der kommt davon nicht so schnell wieder los. Um mehr über die Beziehung jüngere Personen zum Jazz zu erfahren, stellten wir Karin, einer 22- jährigen Jazzstudentin der Jazzschule Basel, ein paar Fragen. Sie arbeitete während dem Jazzfestival an den Konzerten als Staff mit.

 

 

Am Jazzfestival im Konzertsaal zu stehen, ist das für dich mehr Vergnügen oder mehr Arbeit?

Karin: Es ist definitiv ein Vergnügen! Man kann den Jazzspirit aus der ganzen Welt live miterleben, das ist inspirierend.

 

Ist es ein Traum von dir selber einmal, vor solch einer Kulisse eigene Konzerte zu spielen?

K: Ja klar, es ist ein Traum von mir auf einer grossen Bühne mit meiner Band meine eigene Musik zu spielen. Ich mache es so, dass ich grossen Träumen hinterher jage und gleichzeitig versuche, realistisch zu bleiben.

 

Wie hast du Zugang zum Jazz gefunden?

K: Mich hat Jazz immer schon fasziniert, weil es nicht fassbar ist und trotzdem berührt. Jazz lässt dem Musiker die totale Freiheit. Den Zuhörer fordert Jazz heraus. Man muss mit offenen Ohren und offenem Geist hin hören, damit man viel von dieser Musik mitnehmen kann.

 

Jazz scheint sehr traditionell: bekannte Stücke werden immer wieder neu interpretiert und man orientiert sich stark an Vorbildern. Bleibt da Raum für Improvisation?

K: Auf jeden Fall. Jazz lebt vor allem von der Improvisation. Dabei kann alles verändert werden, Inhalt, Form, Klangfarbe, Phrasing….– es gibt so viele Möglichkeiten, wie es Musiker gibt!

 

Wo findet das Jazzleben der jungen Leute in Basel statt?

Es gibt einige Jamsessions in Basel, zum Beispiel in der Carambolage, im Safe oder im Dreispitzareal.

 

 

Jazzfestival hören


 

Von den Konzerten des Jazzfestivals gibt es Live- Mitschnitte auf Radio DRS2 zu hören:

Die Ausstrahlungstermine:

Madeleine Peyroux: 11. Mai 2012 von 22:30 Uhr – 23:30 Uhr
-¢ Vein & Dave Liebman: 25. Mai 2012 von 22:30 Uhr – 23:30 Uhr
-¢ Lars Danielsson feat. Michael Wollny: 15. Juni 2012 von 22:30 Uhr – 23:30 Uhr
-¢ Céline Bonacina Trio: 29. Juni 2012 von 22:30 Uhr – 23:30 Uhr
-¢ Abercrombie/Copland Quartet: 10. August 2012 von 22:30 Uhr – 23:30 Uhr