Gesellschaft | 30.05.2012

Teerfüsse und Traubenglacé

Text von Veronika Henschel | Bilder von Katharina Good
Noch etwa 200 Tage haben wir zu leben. Das sagt jedenfalls der Maya-Countdown. Bei so einer absehbaren Menge sollte jeder Tag gut genutzt sein. Also hat sich die Tink-Redaktion aufgemacht und für den fünften Teil der Serie "Das Ende ist nah" einen Monat lang jeden Tag etwas Neues, Ungewohntes oder Beängstigendes ausprobiert.
Auf zum Mond. Warum nicht etwas tun, das man noch nie getan hat?
Bild: Katharina Good

“Entschuldigen Sie bitte, wo geht’s denn hier zum Mond?” Stellt man solch eine Frage, erntet man Blicke, die in etwa sagen: “Die ist ja völlig durchgeknallt.” Genau gleich sehen einen die Leute an, wenn man barfuss im Sommerregen über den Grossstadtteer läuft oder im Mai im Rhein schwimmen geht.

 

Gegen die Gewohnheit

Jeden Tag etwas tun, das man normalerweise anders machen würde, das war das Ziel des Monats Mai. Es reichen auch ganz kleine Sachen: Mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren anstatt mit dem Bus, nicht immer die gleiche Glacésorte essen sondern eine ganz andere kosten (Traubenglacé zum Beispiel, sehr lecker!), Gummistiefel mit dem Sommerkleid kombinieren.

 

Einen tieferen oder gar hochstehenden Sinn hat diese Übung nicht. Sie dient lediglich dazu, unsere Ängste zu überwinden und eventuell herauszufinden, dass genau diese angsteinflössenden Dinge viel Spass bieten können. So ein Monat kann sehr bereichernd sein. Zum einen macht man sich einmal Gedanken, in welchen Mustern wir denn so gefangen sind. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, aber er muss es nicht immer und nicht voll und ganz sein und bleiben. Zum anderen überwindet man sich, sein Schamgefühl und seine Verklemmtheit. Oftmals sind uns Dinge peinlich oder wir trauen sie uns nicht, weil wir Angst davor haben, komisch angeguckt zu werden. Oder weil es neu für uns ist, weil wir es halt «schon immer« anders gemacht haben.

 

Für Mutige und solche, die es gerne werden möchten

Aber nur weil etwas schon immer so war, muss man es nicht so weiterführen. Du gibst dem Obdachlosen am Bahnhof regelmässig ein paar Franken? Dann lade ihn doch das nächste Mal auf ein Sandwich ein. Selten hatte ich solch ein interessantes Gespräch! Putz dir deine Zähne mal mit links, geh alleine ins Kino, steig in einen Zug, ohne zu wissen wohin er fährt. Oder anders gesagt: Nimm dein Leben in die Hand, versink nicht in Gewohnheiten. An Überraschungen, Spass und Erkenntnissen wird es nicht fehlen, das sei hier versprochen. Perfekt geeignet für alle, die ein bisschen Aufregung in ihren Alltag bringen möchten, ihre Kreativität testen und ihren Mut unter Beweis stellen wollen. Oder einfach für Leute, die ein bisschen Abwechslung suchen.

 

 

Zur Serie


Dieser Artikel ist der fünfte aus der Serie “Das Ende ist nah”. Einmal im Monat legt Tink.ch-Autorin Veronika Henschel hier Dinge nahe, die man unbedingt noch tun sollte, bevor die Welt am 20. Dezember (vielleicht) untergeht.