Kultur | 19.05.2012

Suche nach dem Unmöglichen

Apocalyptica sind anders. Sie spielen Metal und Rock, das jedoch auf einem klassischen Instrument, dem Cello. Ebenso wie sie sich musikalisch von anderen Bands abheben, so stechen sie auch als Menschen heraus. Paavo und Perttu haben sich mit uns über die Schweiz, ihren Erfolg und ihre Träume unterhalten. Zwei schräge Vögel, bei denen Spass und Ernst nicht immer leicht zu unterscheiden ist.
Metal mit Cello. Apocalyptica sind anders. Ihre Überzeugung: "In der Musik gibt es keine Grenzen."
Bild: Fabian Bloch

Was ist eure Bindung zur Schweiz?

Ende der Neunziger haben wir zum ersten Mal in der Schweiz gespielt, in Bern. Ein wirklich kleiner Ort! Der Auftritt war lustig, es war extrem heiss, wie in einer Sauna. Die Stühle, auf denen wir während des Konzertes sassen, rutschten nach und nach über die Bühne, bis schliesslich einer über den Rand kippte. Die Schweiz selbst mögen wir sehr, das Publikum ist toll. Wir haben uns immer willkommen gefühlt.

 

Wenn ihr auf Tournee seid, habt ihr dann Zeit, die Städte zu besichtigen, in denen ihr spielt?

Manchmal. Heute waren wir bereits um neun Uhr morgens hier, wir hatten einen Direktflug von Helsinki nach Zürich. Dann sind wir einen Kebab essen gegangen. Wenn wir Zeit haben, gehen wir auch gerne joggen. Da sieht man auch etwas von der Gegend.

 

Wie wichtig ist euch an euren Konzerten ein grosses Publikum?

Das ist nicht zentral. Das grösste Gefühl, das man haben kann, ist, wenn man sich mit dem Publikum verbunden fühlt. Manchmal braucht es ein etwas grösseres Publikum, damit diese Bindung eine gewisse Intensität und Energie bekommen kann. Aber eigentlich sind das die Dinge, die uns wirklich berühren. Natürlich ist es toll, vor hunderttausenden von Leuten zu spielen. Man fühlt sich dann plötzlich ganz klein, als würde man vor einem riesigen Berg stehen.

 

Ihr habt alle an der Sibelius Academy für klassische Musik in Helsinki studiert. Warum macht ihr nun Metal und nicht Klassik?

Wir trennen das nicht so sehr. Wir suchen einfach Sachen, die uns gefallen, und bauen sie in unsere Musik ein. Egal ob Klassik, Metal oder Rock, irgendwie ist es alles das Gleiche. Es ist immer Musik und du denkst dich weit weg. In der Musik gibt es keine Grenzen. Es ist Freiheit im Kopf.

 

Viele Metal-Fans sagen, mit Cellos kann man keinen echten Metal machen. Was sagt ihr dazu?

Sie haben Recht! Es ist unmöglich. Aber trotzdem versuchen wir es. Es ist eine unendliche Suche. Genau das ist auch das Interessante: Unsere Instrumente neu zu entdecken und Grenzen zu sprengen.

 

Ihr habt früher viele Songs gecovert, vor allem Metallica. Warum gerade diese Band?

Wir haben auch viele andere Bands gecovert. Für unser erstes Album mussten wir aber eine Entscheidung treffen, ein Konzept haben. Die Lieder von Metallica sind uns im Herzen nah, sie passen zu uns. Einmal sind wir sogar von Metallica zu einem Jubiläum eingeladen worden und haben mit ihnen zusammen gespielt. Das war toll.

 

Was ist die Faszination daran, Songs zu covern?

In der klassischen Musik macht man eigentlich nichts anderes, man covert ständig. Wir waren uns also nichts anderes gewohnt. Auf den Metal gekommen sind wir, weil wir andere Sachen ausprobieren wollten. Irgendwann kamen wir als Band aber an einen Punkt, an dem uns klar wurde, dass wie unser eigenes Ding finden müssen. Nun schreiben wir die meisten unserer Songs selbst.

 

Was ist euer Traum?

Apocalyptica spielen nun seit 15 Jahren zusammen. Unser Traum war es immer, auch nach 20 Jahren noch als Band zu bestehen. Das haben wir bald geschafft. Wir sind dankbar, es so weit gebracht zu haben.