Kultur | 19.05.2012

Schweiz gegen Jamaika

Machen wir uns nichts vor. Wir vergleichen Max Romeo, das Urgestein des Roots-Reggae, mit dem Basler Famara. Ist es fair, einen Vergleich zu machen zwischen einem Jamaikaner, der die Reggae-Musik mit der Muttermilch aufgesogen hat, und einem Schweizer? Sind wir uns doch eher Schnee und Berge als Sonne und Strand gewohnt.
Famara überzeugt mit seiner Energie. Doch gegen Max Romeo erscheint er etwas blass. Bilder Manuel Lopez

Famara kann man als Veteran der Schweizer Reggae-Szene bezeichnen. Und immer noch steckt er voller Energie. Sobald er auf der Bühne steht, kann man unschwer seine Leidenschaft für die Musik erkennen.

 

Bemerkenswert ist der eher ungewohnte African-Touch in seinen Liedern. Der Ursprung seines Stils liegt nicht in Jamaica, sondern in Afrika. Ein Schweizer Bünzli ist Famara auf keinen Fall. Africa meets Swissness, das ist Famara. Komisch wird es, wenn er der Menge in reinstem Baseldyytsch plötzlich zuruft: “Chömet alli, Händ uffe”. Seine Botschaft kommt aber erst im typischen Reggae-Englisch richtig an: “Outside it’s cold, but inside it’s hot to make real reggae!”

 

Urgestein des Reggae

Auf der anderen Seite steht Max Romeo mit seinen hüftlangen, grauen Dreadlocks und seinen 68 Jahren. Schon fast ein Urgestein der Szene – noch älter als Famara. Heutzutage wird sein Musikstil “Roots-Reggae” genannt. Er ist einer, der auch die Wurzeln des Reggaes kennt. Als er auf die Bühne tritt, scheint er klein und zerbrechlich, was aber nach wenigen Minuten nichtig wird. Zu mittreissend ist die Musik. Seine grosse Erfahrung als Live-Musiker ist deutlich spürbar. Während seine Altersgenossen friedlich auf dem Schaukelstuhl sitzen und Zeitung lesen, begeistert Max Romeo jeden einzelnen Zuschauer mit seiner Jah-Liebe und bringt die Bühne zum Beben.

 

Famara beeindruckt durch seine Power und durch seine Art, die so gar nicht schweizerisch ist. Wenn aber Max Romeo auf der Bühne steht, verblasst er plötzlich. Famara ist gut, aber der jamaikanischen Legende kann er doch nicht ganz das Wasser reichen.