Kultur | 30.05.2012

“Ich geh einfach auf die Bühne und mache los”

Hunx and his Punx aus San Francisco berichten in wechselnder Besetzung viel über Sex, Drogen, nette Mitmenschen, und auch weniger nette. Ihre Konzerte sind eine grosse Party im kleinen Kreis. Ihr drittes Album "Hairdresser Blues" bringt die Kombo das erste Mal in die Deutschschweiz. Tink.ch traf die Band im Eldorado in Zürich und sprach mit Hunx Seth Bogart (Gesang) und seinen Punx Shannon Shaw (Bass), José Boyer (Schlagzeug) und Justin Champlin (Gitarre).
Hunx and his Punx, in der Besetzung auf dem Album.
Bild: Daniel Pitout Martin, José, Seth, Shannon, Livebesetzung in Zürich (es fehlt Justin, der das Foto machen wollte). Justin Champlin

Seth Bogart: Wofür ist das Interview?

 

Tink.ch

Bogart: Twink? (Amerikanischer Slang für junge hübsche Schwule, Anm. d. R.) Das gefällt mir.

 

Da muss ich dich enttäuschen, es heisst Tink. Na, wie geht’s dir denn?

Bogart: Mir geht’s ganz gut, aber ich bin etwas durch den Wind von meiner Anreise und dem Jetlag. Gestern hatten wir zwar einen Tag frei, doch anstatt Grossmütter zu sein haben wir uns total abgeschossen.

 

Ihr seid ja nicht das erste Mal in der Schweiz. Wie sind eure Erfahrungen bis jetzt? Es gibt ja gewisse Vorurteile, Schweizer seien langweilig.

Bogart: Vor zwei Jahren in Lausanne war es tatsächlich so. Der Club war zwar sehr voll aber niemand hat sich bewegt. Das war wohl ein Club-Publikum, dass nur auf die Disco gewartet hat und uns einfach vorher anhören musste. Dafür waren wir damals später noch in einer Sauna für Frauen und Männer und haben dort einen hübschen Jungen vom Konzert getroffen. Ihm war das sehr peinlich, ich fand’s lustig. Hier hingegen ist die Stimmung schon jetzt viel besser.

 

Was macht ihr mit passivem Publikum? Eure Konzerte brauchen doch ein Publikum, das mitspielt.

Bogart: Dann werden wir entweder auch so langweilig oder dann ganz verrückt.

Shannon Shaw: Wir werden bei langweiligem Publikum noch verrückter, das ist unsere Reaktion.

 

Ihr tourt gerade mit dem dritten Album. Das ist nun nicht von Hunx and his Punx sondern nur von Hunx.

Bogart: Ich habe einfach selber viele komische Songs geschrieben, die ich aufnehmen wollte. Auf Tour spielen wir aber mit der Band alle Alben.

 

Du hast alle Promotexte zum Album selber geschrieben, normalerweise macht das jemand vom Label.

Bogart: Ich hasse es, wenn das andere machen. Ich schreibe zwar auch selber nicht gerne über meine Musik, es ist sehr peinlich, das schlimmste überhaupt. Aber das ist immer noch besser, als wenn es andere tun. Und alle Journalisten übernehmen dann den Text und machen sie noch schlimmer. Den einzigen coolen Promotext den ich mal gelesen habe war über Velvet Underground, zum Album mit der Banane von Andy Warhol vorne drauf. Es hiess einfach: Bananen haben immer Saison. Das war toll. Ansonsten sind Biographien aber dumm.

 

Du schreibst auch zum Inhalt der Songs. War es Verpflichtung, dich zu erklären?

Bogart: Ich wusste nicht was schreiben, also habe ich über ein paar Songs geschrieben.

 

Die Leute werden damit sehen, wie viel hinter den Songs steckt. Viele sehen dich doch eigentlich nur als Verrückten auf der Bühne.

Bogart: Na, ein paar Songs sind schon dumm, andere hingegen traurig. Viele Leute schreiben traurige Songs wenn sie Songs schreiben. Zumindest viele, die ich kenne. Das ist meine Art, über Dinge hinweg zu kommen.

Shaw: Andere machen es nur fürs Geld, dann geht’s in den Songs um gar nichts. Die folgen einfach perfekten Pop-Mustern, ohne jegliche Bedeutung. Ich find’s gut, dass du eine gefühlvolle Seite von Dir gezeigt hast.

Bogart: Ich schreibe auch gerne dumme Pop-Songs, aber beim letzen Album war es einfach nicht so, ich fühlte mich nicht danach. Ich möchte auch mal ein dummes Punk-Album schreiben, Streetpunk, ohne Bedeutung.

 

Man könnte sagen, das sei beim Punk immer so.

Bogart: Klar, Punk ist einfach, was du willst. Wir werden immer punk sein, egal was kommt. Britney Spears ist super-punk. Sie hat sich den Kopf rasiert, Leute mit dem Schirm geschlagen.

 

Was ist das Punkigtse was du je getan hast?

Bogart: (überlegt lange) Das will ich nicht erzählen.

 

Andere Geheimnisse, die du erzählen möchtest?

Bogart: Justin, mein Exfreund und unser Gitarrist, hat Filzläuse, Also Vorsicht, Schweizer Jungs, bleibt von ihm weg.

Justin kommt dazu.

Shaw: Jetzt wurde es gerade interessant.

Bogart: Ja Justin, wir haben eben über dich gesprochen.

 

Müssen wir denn sonst noch etwas über Justin wissen?

Bogart: Er ist heiss.

José Boyer: Und er ist sexy, hat einen grossen…. riesigen…

Bogart: Hm, soll ich jetzt die Beta-Blocker vor oder nach dem Trinken einnehmen.

 

Was ist das für eine Geschichte mit den Beta-Blockern?

Bogart: Ich war depressiv, dann wurden mir die verschrieben. Die sollen meinen Blutdruck tiefer halten und dafür sorgen, dass ich weniger nervös bin. Obwohl ich das eigentlich selten bin. Aber ich werde trotzdem damit entspannter und habe weniger Angst.

 

Hast Du denn Lampenfieber?

Bogart: Nein, eigentlich nicht, ich geh einfach auf die Bühne und mache los. Da gehe ich total ab. Aber ich denke mir immer, dass mich die Leute anschauen und mich für einen Freak halten.