Kultur | 15.05.2012

“Hier muss man es wirklich auf den Punkt bringen“

Das Europäische Jugendchorfestival steht vor der Tür. Über Auffahrt werden auf Basels Strassen Hunderte junger Sängerinnen und Sänger ihr Können zum Besten geben. Einer der Gastgeberchöre ist die Mädchenkantorei Basel. Tink.ch besuchte sie während ihrer Vorbereitungen.
"Normalerweise hast du eine Stunde Zeit, um den Chor und die Vielfalt des Repertoires unter Beweis zu stellen."
Bild: zvg

Als wir den Proberaum betreten, sitzen vier junge Frauen in einem Halbkreis und diskutieren über die neueste Ausgabe des Frauenmagazins «Joy«. Vor ihnen ist die Dirigentin Cordula Bürgi in ihre Noten vertieft. Nach und nach tröpfeln weitere Sängerinnen herein, doch mehr als zwölf werden es nicht. Für einen Chor ist die Gruppe also ziemlich klein. Umso erstaunter sind wir, als die Jugendlichen ihren Mund öffnen und klare, energische Frauenstimmen erklingen.

 

Technik und Lebensschule

«Eigentlich wären sie ja achtzehn«, meint Cordula Bürgi. Aber die Umstände wollen es, dass bis zum Europäischen Jugendchorfestival (EJCF) nicht mehr alle zusammen proben können. Deshalb ist die Disziplin während der Probe noch wichtiger als sonst. Die Mädchen scheinen das manchmal zu vergessen, doch Cordula Bürgi ermahnt sie unermüdlich. Ganze sechs Konzerte wird der Konzertchor der Kantorei zwischen dem 16. und 20. Mai bestreiten, teilweise mit der Chorschule, also mit dem Einsteigerchor der Mädchenkantorei zusammen. Herausfordernd sind dabei die immer anderen Themen, unter denen die Konzerte stehen, und die knappe Zeit. «Normalerweise hast du eine Stunde Zeit, um den Chor und die Vielfalt des Repertoires unter Beweis zu stellen«, meint Cordula Bürgi. «Aber hier muss man das in viel kürzerer Zeit schaffen, hier muss man es wirklich auf den Punkt bringen.«

 

Geprobt wird auswendig, Noten sind nicht mehr nötig. Unterstützt werden die Mädchen von ihrem Korrepetitor Simon Peter am Klavier, der ab und an auch die Basslinie singt und so ein Fundament unter die melodiösen Soprane und Altos zu legen. Nicht nur die technischen Anforderungen formuliert die Dirigentin bildlich und ausführlich, auch ein bisschen Lebensschule macht sie mit den Teenagern: So erzählt sie beim Einstudieren eines Liebesliedes, wie schlimm es ist, wenn in einer Freundschaft plötzlich jemand mehr als der andere möchte. Die Mädchen lauschen – die eine oder andere scheint mit ihren Gedanken abzuschweifen.

 

Brücken über die Sprachgrenze

Wir wollen die Stimmung aus dem Chor einfangen, also befragen wir vier Sängerinnen: Nuria, Mirja, Magda und Cara sind alle 13 Jahre alt. Ausser Nuria haben alle schon beim Europäischen Jugendchorfestival mitgemacht, ist es doch Tradition, dass die Mädchenkantorei als Gastgeberchor auftritt. Dieses Jahr bekommen sie allerdings – im Gegensatz zu anderen Jahren – keine Gastsänger, da der ihnen zugeteilte Gastchor Sottovoce aus Frankreich absagen musste. Darüber sind zwar alle enttäuscht, aber sie freuen sich auf die vielen anderen Leute, die sie treffen werden. Ein Highlight wird sicherlich das Abschlusskonzert werden, an dem alle Chöre auftreten werden. Doch bis es soweit ist, stehen noch einige Proben an.

Auch nach dem Festival bleibt der Terminkalender des Chors gefüllt: Die Aufführung von Carmina Burana steht an und eine CD-Aufnahme zum Jubiläum der Kantorei. Wer einen Vorgeschmack darauf bekommen möchte, sollte sich an eines der Konzerte des Festivals begeben. Und sich davon überzeugen lassen, wie Musik Brücken bauen kann zwischen Sprachen, Kulturen und Generationen.

Links