Gesellschaft | 16.05.2012

Ganz nach dem Motto: Du isst meinem Essen das Essen weg

Tink.ch wagt sich auf eine Reise durch die fleischlosen Gelüste und testet die veganen und vegetarischen Angebote der Schweizer Gastroszene. Der erste Besuch gilt dem Restaurant Sous Le Pont in der Berner Reitschule. Dieses Lokal bietet jeweils am ersten Mittwoch im Monat einen veganen Abend, im Mai unter dem Namen "Vegane Spezialitäten".
Mit etwas viel Balsamico dekoriert: Die Knoblauch-Crostini mit Tomaten und Zucchini. Die Nachspeise ähnelt einer Wähe. Sie ist mit Soja-Schlagrahm garniert.
Bild: Martin Sigrist

Das Sous le Pont ist einfach zu finden, die hungrigen Münder müssen sich einfach zur Reitschule in Bern wagen. Der einzige Haken: Die Reitschule wird hier und dort auch schon mal als Schandfleck der Hauptstadt betitelt. Der Eindruck im Lokal selbst ist jedoch alles andere als eine Schande. Das “Souli” – wie die Berner das Lokal nennen – wirkt aufgeräumt und freundlich, erinnert nicht an nächtliche Zechgelage und lädt definitv zum Essen ein. Bei warmen Temperaturen ist es auch möglich, im Innenhof der Reitschule einen Platz zu suchen. Das Platzangebot ist nach 20 Uhr zwar nicht üppig, doch ein Zweiertisch ist schnell gefunden. Auch der Service wirkt aufmerksam und sympathisch und kümmert sich schnell um uns. Prompt kommt der Hinweis, dass heute ausschliesslich die speziellen veganen Gerichte auf der Karte zu bestellen sind.

 

Kleine aber feine Karte

Das Angebot ist übersichtlich: Eine Suppe, eine Vorspeise, drei Hauptspeisen sowie ein Dessert sind auf der Karte vermerkt. Die Bezeichnungen klingen nicht besonders kreativ, dafür nach lokalen und saisonalen Ingredienzien, den Reis einmal ausgenommen.

 

Wir entscheiden uns für die Vorspeise Knoblauch-Crostini mit Tomaten und Zucchini, danach die Hauptspeisen Thai-Plätzli mit Süss-Sauer-Sauce und Spinat sowie den “Sellerieschnitzel mit Zitronenpanade, Peterlikartoffeln und Kraut”. Zum Dessert soll es der Birnen-Ananaskuchen mit Soja-Schlagram sein. Das dritte Hauptgericht mit einer Focaccia bestellen wir nicht dazu. Dafür trinken wir das bekannte süsse Wässerchen von Sirupier de Berne, sowie Leitungswasser, das man uns kritik- und kostenlos dazu serviert. Auch Brot wird ungefragt gebracht.

 

Trocken mit viel Balsamico

Die Vorspeise ist ansprechend, aber mit etwas viel Balsamico dekoriert. Die Hauptspeisen sind beide einfach gehalten, die Anrichtung erinnert etwas an ein Flugzeugessen, da die einzelnen Bestandteile nicht so richtig als ein Gericht daherkommen wollen. Das Thai-Plätzli entpuppt sich als Nichts mit viel scharfen Reis. Der Kuchen als Nachspeise ähnelt einer Wähe, scheint mit frischen Früchten belegt, ist jedoch sehr trocken.

 

Ganz allgemein ist das Essen eher trocken und fade, was bei veganem Essen oftmals als abschreckendes Klischee gilt. Das müsste aber nicht so sein. Auch sind die Portionen nicht so gross, dass nach einer Hauptspeise schon ein Sättigungsgefühl zu spüren ist. Die Preise sind mit 23 Franken für ein Abendessen in einem städtischen Restaurant jedoch in Ordnung.

 

Ermüdungserscheinungen

Der zunächst sehr aufmerksame und freundliche Service lässt gegen Ende des Abends, zum Schichtwechsel deutlich nach. Obwohl noch bis 22.30 Uhr warme Küche angeboten wird, ist man bereits eine Stunde vorher am Tisch ziemlich auf sich alleine gestellt. Zuvor wurde noch regelmässig nach dem Befinden gefragt, danach empfielt es sich, weitere Bestellungen an der Bar zu tätigen.

 

Ambiance und Service sind im Sous le Pont ganz gut. Die Auswahl an Gerichten ist nicht riesig, aber ebenfalls ganz in Ordnung. Die Portionen sind dafür nicht sehr gross, das Essen eher trocken und fade und die Preise zwar nicht hoch, aber doch auch nicht sehr günstig. Prädikat: Ganz nett. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

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