Kultur | 08.05.2012

Eistee-Veranstaltung ohne Eistee

Text von Chiara Nauer | Bilder von tilllate.com
Vergangenen Samstag fand das Erste von sechs City Festivals im Bahnhof in Zürich statt. Die Festivals werden von Lipton Ice Tea organisiert und finden auf öffentlichen Plätzen statt. Dafür bezahlen die Besucher einen stolzen Preis, auch wenn sie eigentlich in der Eingangshalle des Bahnhofs alles gratis mithören könnten.
Kool Savas zog das Publikum aus allen Ecken. Sexion d'Assaut sind eigentlich zu acht unterwegs. In Zürich waren sie nicht vollzählig anwesend. Nina Sky vermochte in Zürich nicht zu begeistern.
Bild: tilllate.com

Auf der Suche nach dem Eingang des Festival Geländes verirrt man sich leicht zwischen den Gruppen, die sich um die Absperrungen drapiert haben um einen kleinen Blick auf das Geschehen zu erhaschen. Zuerst fiel beim Eintreten die Überhäufung mit kleinen Werbegeschenken auf. Von Chips über gelbe Sonnenbrillen bis zu Kaugummis war alles dabei. Nur der Eistee fehlte.

 

Als Stimmungsmacher wurde Sir Collin gebucht, der die Aufgabe gehabt hätte, den Leuten einzuheizen. Was ihm aber nicht unbedingt gelungen ist. Nach dem Auftritt stand das Publikum wie bestellt und nicht abgeholt unter ihm. Nach dem Ende seiner Show und einer Umfrage im Publikum waren der Tenor klar: Die Atmosphäre sei langweilig und ruhig. Vielleicht werde es gegen den späteren Abend besser. Eventuell mit dem nächsten Schmuckstück Nina Sky? Offenbar nicht. Denn auch nach ihrem Auftritt waren die meisten noch derselben Meinung wie vorher. Aber das war gemäss den Befragten nicht so schlimm, da sie VIP seien oder weil ihnen die Eintritte geschenkt worden seien. Die Aussage traf tatsächlich bei etwa drei Viertel des Publikums zu.

 

Und plötzlich…

Gegen acht Uhr geschah etwas Unerwartetes: Kool Savas wurde angekündigt und obwohl es viel zu früh war, kamen seine Anhänger aus allen Ecken geschossen und bildeten eine schöne Truppe von hopsenden Menschen, die im Takt mit dem Arm winkten. Die Stunde Spielzeit war energiegeladen, jedoch nicht so unterhaltsam wie Kool Savas sonst bekannt ist, was dieser mit seinem momentan schlechten Gesundheitszustand zu entschuldigen suchte. Ob das Publikum ihn bis zu seinem Abgang heilte, wie er sich dies zu Beginn wünschte, liess er schlussendlich offen. Den Fans dagegen ging es offensichtlich bestens, was an der Kombination aus guter Musik und meditativem Cannabis gelegen haben könnte. Drogen hin oder her, die Hauptsache war, dass der Stein ins Rollen kam. Die perfekte Vorlage für das acht-köpfige Rapkollektiv Sexion d’Assaut aus Paris. Mit viel Schwung und Beat starteten sie ihre Darbietung und zogen das bis ans Ende durch. Es gab keine Einbrüche und kein Gähnen. Die Zuhörer wurden gefordert und in Bewegung gehalten. Kein Wunder, wurden sie doch als Hauptact des City Festivals betitelt.

 

Dieses war nach grossem Reklamieren nach der Verabschiedung der aufgeweckten Jungs auch schon vorbei. Doch wäre der Applaus und die Begeisterung die Selbe gewesen, wenn die Anwesenden ihre homophoben Texte verstanden hätten? Ein Zwiespalt, der erst beim Nachrecherchieren auffällt. Nämlich dann, wenn man mehr über diese spektakuläre Band erfahren will.

 

Ein angenehmer Abend, den man sitzend mit einem Bier auf der Tribüne verbringen konnte oder an dem man sich mit Gleichgesinnten der Musik hingab ohne sich davor um einen guten Zeltplatz streiten zu müssen.