Kultur | 15.05.2012

Disco-Pop und Mainstream?

Text von Martin Sigrist | Bilder von Matthias Käser
Letzte Woche haben Gossip ihr Album "A Joyful Noise" veröffentlicht und in Zürich live präsentiert. Inspiration holte sich die amerikanische Sängerin Beth Ditto bei Abba und Madonna. Tink.ch hat sich die Sache angeschaut und angehört.
Beth Ditto von Gossip sagt, sie habe sehr wohl die Kontrolle, was sie denke. 2011 stand die Band plötzlich ohne Sängerin da. Beth Ditto nahm sich eine Auszeit für ihr eigenes Projekt. Was die Musik zu Beginn nicht zu verrichten mochte, kompensierte Beth Ditto mit ihrer charmanten Art.
Bild: Matthias Käser

Letzte Woche haben Gossip ihr Album  “A Joyful Noise” veröffentlicht und in Zürich live präsentiert. Inspiration holte sich die amerikanische Sängerin Beth Ditto bei Abba und Madonna. Tink.ch hat sich die Sache angeschaut und angehört.

 

Vergangenen Freitag ist nach vier Jahren Pause Gossips fünftes Studio-Album “A Joyful Noise” erschienen. Am Montag zuvor hat die Band rund um Beth Ditto ihren Neuling bereits an einem Showcase im Zürcher Kaufleuten vorgestellt, wobei die Tickets für diesen Event ausschliesslich verlost wurden. Mit Spannung wurde das Konzert erwartet, da die neuen Songs zu diesem Zeitpunkt dem Publikum noch mehrheitlich unbekannt waren. Gossip vermochten mit verstärkter Band auf ihre Art wie immer zu überzeugen. Wenn auch der Sound zu Beginn noch schlecht abgemischt war und die neuen Songs noch nicht so richtig sitzen wollten, so konnte die Sängerin mit ihrer charmanten Art die kleine Menge gewinnen.

 

“Perfect Music” inspiriert von Madonna

Für ihr aktuelles Album nannte Ditto als Inspiration unter anderem Abba und Madonna. Bei Abba gefiel ihr der Mangel an Rohheit in der glatten Pop-Musik, bei Madonna musikalisch der Disco-Pop, inhaltlich die Themen wie Kirche und Sexualität, welche die “Queen of Pop” immer wieder aufs Parkett brachte.

 

Produziert wurde das neue Werk von Brian Higgins von Xenomania, der auch für den Sound der Pet Shop Boys, von Kylie Minogue oder Sophie Elis-Baxtor verantwortlich zeichnet. Diese Schar mag seichten Pop und musikalischen Ausverkauf erwarten lassen. Die Medien streiten sich jetzt darum, ob Gossip mit ihrer aktuellen Musik zum Mainstream aufgebrochen sind und sich vollständig dem Kommerz verschrieben haben. Das vorliegende Album bietet mit der ersten Single “Perfect World” eine perfekte Pop-Hymne fürs Stadion und mit “Get a Job”  den obligaten Song für den Tanzboden. Die Musik klingt nach Pop aus vergangenen Zeiten mit nachdenklichen Momenten. Damit ist die Musik aber weder seichter als Gossip noch seichter als es Pop an sich ist. Der grosse Schritt ist mit dem neuen Album dennoch nicht gelungen.

 

Freizügig und vielseitig

Beth Ditto aus Arkansas ist nach wie vor das akustische wie optische Zentrum der Band. Für Schlagzeilen vermag die 31-jährige dabei auch ausserhalb der Welt von Gossip zu sorgen. Ditto posierte fast nackt auf dem Titelblatt des “Love Magazine”, hat in Zusammenarbeit mit der Kosmetikfirma Mac eine Make-Up-Linie entworfen und lief für den Modedesigner Jean Paul Gaultier in Paris über den Laufsteg. Der deutsche Mode-Zar Karl Lagerfeld bezeichnete Beth Ditto vorübergehend als seine Muse. Musikalisch hat sie 2011 eine Auszeit genommen, um ohne ihre Band das Kurzalbum “Beth Ditto EP” zu veröffentlichen.

 

Bethy sagt zum Thema Selbstdarstellung und Selbsterkenntnis, dass sie zwar nicht kontrollieren kann, was andere über sie denken – was sie auch nicht wirklich zu interessieren scheint – aber dass sie sehr wohl die Kontrolle darüber hat, was sie selbst über sich denkt.

 

Zur in den USA erneut auftretenden Debatte über die Ehemöglichkeit gleichgeschlechtlicher Paare passend hat sich Ditto mit ihrer langjährigen Freundin und Assistentin Kristin Ogata frisch verlobt. Politisch ist hier das letzte Wort noch nicht gesprochen. Und jenes von Gossip wohl auch noch nicht. Bereits ihr erster Welthit “Standing in the Way of Control” hatte sich  aber 2006 schon mit dem Thema befasst hat.

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