Kultur | 23.04.2012

Private TV-Sender der Schweiz – sind sie eine Konkurrenz für SF?

Text von Michael Küng
Verschiedene Medienakteure setzen sich für das private Fernsehen ein und wollen zu Gunsten der privaten Anbieter das Angebot der Unterhaltung bei SF teilweise schwächen. Doch ist das Privatfernsehen überhaupt in der Lage, den Bereich der Unterhaltung alleine abzudecken?
Vom Sofa aus auf den Bildschirm und die Fernsehindustrie geschaut.

Die TV-Szene in der Schweiz wird von SF dominiert. Daneben gibt es diverse kleinere Anbieter wie 3+, Star TV und ssf, das Schweizer Sportfernsehen. Zudem sind Programminhalte vom Schweizer Ableger, der deutschen Sender ProSieben und sat1 empfangbar.

 

Anfangs der 2000er-Jahre war das anders. Der Sender TV3, der zum Tages-Anzeiger gehörte, war mit dem klaren Ziel gestartet, SF zu attackieren. Dies ist mit Sendungen wie “Wer wird Millionär”, “Robinson” und dem Ableger des grossen Bruders “Big Brother” auch gelungen. Doch die Kosten der gut produzierten Sendungen waren auf Dauer zu hoch. 2001 brach TV3 unter einem enormen Schuldenberg zusammen.

 

Nicht anders erging es dem damaligen Mitbewerber Tele 24. Der Schweizer Nachrichtensender wurde von Roger Schawinski gegründet. Ausgerechnet die hohen Kosten der Nachrichtensendungen führten dazu, dass der Sender eingestellt wurde. In die Lücke vom TV3 und Tele 24 sprangen ProSieben und sat1, dies nachdem ein anderes Programmfenster, nämlich RTL und ProSieben, bereits gescheitert war.

 

Konkurrenz ProSieben und Sat1 Schweiz

Das Programmfenster ProSieben/sat 1 existiert heute noch. Allerdings machen die Chefs in Deutschland den Schweizer Produktionen häufig das Leben schwer. Durch schlechte Sendeplätze wird ein Erfolg unmöglich. Kommt dann doch einmal eine Sendung zur Ausstrahlung, steht diese in Konkurrenz zum deutschen Programmangebot. So war die erste Sendung von Harald Schmidt im letzten Herbst in der Schweiz zu Gunsten der Politikarena nicht zu sehen. Ausserdem begann diese eine Stunde später, weil die deutschen Programmplaner einen dreistündigen Film gezeigt haben. Ursprünglich wäre ein zweistündiger geplant gewesen.

 

Shiva bei U1

Nachfolger von TV3 im Inland wurde der Sender U1. Wieder einmal waren die Macher mit hohen Erwartungen an sich selber gestartet: Jung und frech wollten sie sein. Doch der Sender entfernte sich immer mehr von den eigenen Erwartungen. Wenige Jahre nach dem Start bestand der Sender nur noch aus billigen Telefonspielen und Mike Shiva. Letztlich wurde Shiva dem Sender auch zum Verhängnis. Wegen der zweifelhaften Figur verlor der Sender die Sendeberechtigung im frei empfangbaren Fernsehen. Damit verschwanden auch die letzten guten Sendungen aus dem Programm. Heute sendet der Sender unter Schweiz 5 im digitalen Fernsehen und besteht nur noch aus Mike Shiva. Die Sportinhalte von U1 sendete anschliessend Star TV weiter. Bevor die Ver-antwortlichen einen eigenen Sender bekamen, nämlich das Schweizer Sportfernsehen.

 

Nachhaltiges 3+

Der jetzige Sender 3+ orientiert sich wieder mehr am Vorgänger TV3, nicht nur namentlich. Allerdings achtet der Sender sehr stark auf seine Ausgaben. Dies ist verständlich, will er doch langfristig erflogreich sein. Aufgrund dessen geht der Ausbau des Senders nur langsam voran. In den ersten Jahren war selten ein Erfolg zu vermelden. Kein Format vermochte zu überzeugen. Mit “Bauer ledig sucht” schaffte der Sender endlich den Durchbruch und führte auch die am gleichen Abend ausgestrahlten Formate zum Erfolg.

 

Letztes Jahr bliesen die Verantwortlichen zur Quizoffensive. Sie hatten “Wer wird Millionär” in der Schweiz erneut eingeführt. Die Quoten waren gut, der Kostenfaktor jedoch intensiv. Laut Informationen des Senders wird zur Zeit eine zweite Staffel evaluiert. Sollte dies gelingen, hat 3+ einen weiteren Abend, den sie mit eigenen Produktionen bespielen können. So macht 3+ einen wichtigen Schritt hin zum abwechslungsreichen Programm.

 

Fäkalsprache bei Joiz

Auch das experimentelle Fernsehen gibt es noch. Dieses wird aktuell vom Jugendsender Joiz abgedeckt. Ob dieser allerdings längerfristig überleben wird, ist fraglich. Er hat sich keine Lizenz für das frei empfangbare Fernsehen sichern können. Begründet wurde der Entscheid mit der Fäkalsprache, die in den Sendungen verwendet wird.

 

Unwahrscheinlicher Zusammenschluss

Es gibt also viele kleine Anbieter. Wenn sich die kleinen nationalen Anbieter zu einem grossen Sender zusammenschliessen würden, könnten sie SF ernsthaft angreifen. Aktuell konkurrenzieren sie sich aber häufig gegenseitig. Der skizzierte Zusammenschluss zwi-schen den nationalen privaten Sendern ist jedoch wegen den unterschiedlichen Philosophien und Firmenstrukturen mehr als unwahrscheinlich. So besteht momentan auch keine Chance den Unterhaltungsbereich von SF zu schwächen.