Gesellschaft | 24.04.2012

Pizza und Kaffee gegen die Perspektivlosigkeit

Text von Veronika Henschel | Bilder von zVg
Pizzaioli@work wurde vom Basler Verein Lebensträume ins Leben gerufen. Die Pizzabäckerei gibt Jugendlichen ohne Perspektive die Möglichkeit, ein Praktikum zu machen und so erste Berufserfahrung zu sammeln. Und sie ist erfolgreich. Ein Morgen mit Geschäftsleiter Daniel Wölfle.
Apéro: Nach einem Catering für 450 Personen sind die Jugendlichen dann doch ein bisschen stolz. Der Verein Lebensträume bietet mit seinen niederschwelligen Ausbildungsangeboten eine Perspektive. Das Lokal an der Basler Horburgstrasse läuft gut.
Bild: zVg

Es ist neun Uhr an einem gewöhnlichen Montagmorgen. Das Restaurant Pizzaioli@work hat gerade seine Türen geöffnet, die ersten Kunden trinken ihren Kaffee. Orange Wände, orange Schürzen, ein weiss-grüner Schriftzug. Das Lokal an der Basler Horburgstrasse hat Stil. Geschäftsführer Daniel Wölfle ist schon mitten in der Arbeit. Die drei Praktikanten von der zweiten Verkaufsstelle, dem Kaffee und Snackhaus Fresh@work, sind nicht aufgetaucht. Also muss einer der elf anderen Praktikanten vom Pizzaioli ins Fresh gebracht werden.

 

Eine Erfolgsgeschichte

Das Projekt Pizzaioli@work fand seinen Anfang im März 2007. Ausschlaggebend für das Engagement des Vereins Lebensträume war der Mangel an niederschwelligen Ausbildungsplätzen. Die Grundidee von Pizzaioli@work ist es denn auch, Jugendlichen mit Problemen und ohne Ausbildungsstelle eine sinnvolle Beschäftigung zu bieten, ihnen etwas beizubringen und sie schliesslich an einen Lehrbetrieb zu vermitteln. “In siebzig bis neunzig Prozent der Fälle klappt das”, meint Daniel Wölfle stolz.

 

Vier Jahre nach der Gründung erfolgte die Expansion, das Fresh@work” wurde eröffnet, wo neben Menüs vor allem Snacks und Getränke angeboten werden. Der Stolz des neuen Lokals ist die alte Kaffeemaschine: Drei verschiedene Mahlsorten werden angeboten. Inzwischen absolvieren jährlich sechs Jugendliche ein zwölfmonatiges Praktikum im Fresh@work. Im Pizzaioli@work sind es sogar bis zu vierzehn. Betreut und ausgebildet werden sie von Profis – Köchen, Haushälterinnen und Servicefachangestellten. Das ganze Unternehmen steht unter der Trägerschaft des Vereins Lebensträume und erhält keine staatlichen Subventionen. Damit ist auch die politische Unabhängigkeit gewahrt.

 

Lange Tage für ein bisschen Stolz

Es wird ein langer Tag werden für Daniel Wölfle und seine Mitarbeiter: Wie immer liefern sie 130 Portionen an Mittagstische aus, zusätzlich wurden diverse Apéros und andere Essenslieferungen bestellt. Ganz nebenbei läuft der normale Betrieb weiter. Im Fresh@work heisst das, mittags etwa sechzig Menüs, im Pizzaioli@work um die dreissig. Dazu kommt ein Apéro, das im Haus stattfindet.

 

So viel Stress sei schwierig für die Jugendlichen, weiss Wölfle. Für sie bedeuten viele Aufträge viel Arbeit. Dabei hätten einige unter ihnen schon gerne früh Feierabend. Aber Daniel Wölfle schätzt diese Herausforderung. Und nach einem erfolgreichen Event wie der Herbst- oder Buchmesse, dem Voices Festival oder einem Catering für 450 Personen seien die Jugendlichen dann doch immer ein bisschen stolz.

 

Hartes Erlernen von Soft Skills

Das nächste Ziel ist eine mobile Verkaufsstelle. In einem Zirkuswagen sollen Pizza und Kaffee angeboten werden. Auch spezielle Zertifikatsausbildungen sollen den Jugendlichen ermöglicht werden: als Barista, Pizzaioli oder im Bereich Hygiene. Doch an diese Projekte denkt Daniel Wölfle nur an Abenden und Wochenenden. Sonst ist er viel zu beschäftigt, seine Praktikanten auszubilden, ihnen sogenannte Soft Skills beizubringen. Zum Beispiel, wie man sich in der Gruppe, den Kunden gegenüber oder an einem Vorstellungsgespräch verhält. Dinge, die die Jugendlichen bis zu diesem Zeitpunkt nicht gelernt haben. Dass an der Sozialkompetenz noch gefeilt werden muss, wird im direkten Kontakt klar. Der Versuch, einen Pizzaiolo in ein Gespräch zu verwickeln, scheitert kläglich. Er verschwindet lieber schnell in die Küche, schliesslich ist es inzwischen auch Mittag geworden.

 

Am Ende besteht kein Zweifel: Im Pizzaioli@work isst man doppelt gut: Im kulinarischen, wie im sozialen Sinn. Isst man doch gewissermassen für einen guten Zweck: Für eine Zukunft mit Perspektive.

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