Kultur | 02.04.2012

Kurzweilige Kurzfilme in Zürich

Die Kurzfilmnacht startet ihre Tour zum zehnten Mal. Der Auftakt in Zürich wurde begleitet von Regisseur Rolando Colla und seiner Crew, deren Film "Einspruch VI" als erstes über die Leinwand flimmerte. Darauf folgten in "Swiss Shorts" preisgekrönte Schweizer Kurzfilme. Tink.ch hat sie sich angesehen.
Chasse à  l'âne: Der Fasan lässt sich leider nicht mit Eselfleisch vergleichen.
Bild: zvg L'ambassadeur et moi: Der wichtige Papa hinterm Bürotisch zvg Gypateus Helveticus: Ob's bald wieder junge Bartgeier gibt? zvg Baggern: Ein Bagger ist wie eine zweite Frau. zvg Bon Voyage: Auf, in Richtung Freiheit. Oder? zvg Einspruch VI: Die Welt durch die Ausschaffungsmaske zvg

Chasse à  l’âne

Im fernen Japan haben Delikatessen einen besonderen Wert: je exotischer das Häppchen, desto grösser das Ansehen des Kochs und Essers. In “Chasse à  l’âne” kommen drei japanische Jäger auf den Geschmack von Eselfleisch. Sie luchsen daraufhin einem Teezeremonie-Meister seinen Esel “Igor” ab, um diesen zum Leckerbissen zu verarbeiten.

 

Nicole: Ein absolut amüsanter und unterhaltsamer Film über drei machohafte Jäger. Als Zuschauer weidet man sich am inneren Dilemma der drei, denn einerseits müssen sie die starken Männer markieren und andererseits bringt es schliesslich doch keiner übers Herz “Igor” zu erschiessen.

 

Manu: Ein Klassiker! Die unbeholfene Art der stereotypen Japaner birgt Klamaukpotenzial. Köstlich – in jeglicher Hinsicht.

 

L’ambassadeur et moi

In “L’ambassadeur et moi” versucht ein junger Mann mehr Aufmerksamkeit von seinem Vater zu bekommen. Das Problem ist nur: Der Vater ist polnischer Botschafter in Brüssel und hat immer wahnsinnig viel zu tun. Da spielt der Sohnemann oftmals nur die zweite Geige.

 

Nicole: Ich habe mich vom Vater mit-ignoriert gefühlt. Man steckt als Zuschauer völlig in der Haut des pubertären Sohnes, der um Aufmerksamkeit kämpft. Der Film bringt dieses peinliche Unbehagen wunderbar rüber.

 

Manu: Prinzipiell hat mir der Film gut gefallen. Es gab einige witzige Momente, die mich zum Schmunzeln brachten. Die Erzählperspektive aus Sicht des Sohnes machte das Ganze zwar authentisch, gleichzeitig aber auch einseitig. Zwischenzeitlich habe ich mich sogar fast wie ein Stalker gefühlt.

 

Gypaetus Helveticus

Die Schweizer mögen keine Bartgeier. Sie mögen sie so wenig, dass sie die Tiere in den Alpen fast ausgerottet hätten. Im Trickfilm “Gypaetus Helveticus” schiessen sie auf die Vögel, erschlagen sie mit Hämmern oder versuchen sie von Hand zu erwürgen. Bis sich Herr Schweizer plötzlich besinnt, den Bartgeier heuchlerisch an sich drückt und ihn fieberhaft versucht wieder anzusiedeln.

 

Nicole: Ein herrlich lustiger Trickfilm! Der Film startet wie das Moorhuhn-Spiel, nur dass hier urchige Schweizer auf Bartgeier schiessen. Die überspitzte und sehr witzig gezeichnete, wahre Geschichte der Bartgeier in der Schweiz.

 

Manu: Wobei es ja nur eine Schein-Fast-Ausrottung gewesen war. Wir Schweizer wissen eben was gut ist. Bitter-böse Satire vom Feinsten!

 

Baggern

Nicht mehr ganz so hochalpin aber nicht weniger schweizerisch geht es in “Baggern” zu und her. Ort des Geschehens: eine Grossbaustelle in Zürich; die Hauptdarsteller: vier Bauarbeiter und ihre Bagger. Eine Geschichte über Staub, Dreck und wahre Männerfreundschaften.

 

Nicole: Ich war schwer beeindruckt von Renés 170-Tonnen-Bagger! Ein Meisterwerk von einem Kurzfilm.

 

Manu: Will man sich wirklich einen Film über Bagger anschauen? In diesem Fall will man das! Der Beitrag ist schlichtweg ein Geniestreich. Super Kameraführung, tolle Szenen, witzige Statements und eine perfekte musikalische Unterstützung. Mein persönliches Highlight, schliesslich “…lebt der Mensch nicht nur von Brot, sondern auch vom Znüni”.

 

Bon Voyage und Einspruch VI

Trotz viel Witz und Absurdität gab es auch nachdenkliche Momente. Der Schwerpunkt des Filmblockes widmete sich dem Thema Asyl. Sowohl der sechsminütige Animationsfilm “Bon Voyage”, wie auch Rolando Collas Werk “Einspruch VI” handeln von Afrikanischen Einwanderern in den Mühlen des Asylsystems. Der sechste Teil von Collas «Einspruch«-Serie orientiert sich an der Geschichte eines Asylsuchenden, der 2010 während des Ausschaffungsprozesses in Zürich zu Tode kam. Colla wurde bereits im Vorfeld der Premiere mit Vorwürfen konfrontiert, es handle sich um linke Propaganda. Bei seinem Auftritt an der Kurzfilmnacht kontert er und beruft sich auf seine intensiven Recherchen. In dieser Vorbereitungsphase hatte er Einsicht in Einvernahmeprotokolle und führte lange Gespräche mit Beteiligten. Die Seriosität und Nähe spiegeln sich auch im Werk wider. Und doch wird man den leichten Beigeschmack nicht los, dass die Good und Bad Guy Rollen ein bisschen zu klar verteilt sind.

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