Gesellschaft | 28.04.2012

Gut geworben ist halb verkauft

Mit dem Aufstieg der Social Media erlebt auch das virale Marketing einen Aufschwung. Ein besonders aussergewöhnlicher Fall dürfte bald in Bern Aufmerksamkeit erregen: Der neue Shop Max+Mona lädt im Mai als fiktives Liebespaar zum Hochzeitsapéro auf dem Waisenhausplatz.
Maxmona.ch: Die ganze Webseite mit Bildern und Filmen ist perfekt aufgebaut. Rege Diskussionen auf der Facebook-Seite "Schwiizerdütsch". Einige Kommentare stammen von Angehörigen von Mitarbeitern des Werbeunternehmens MySign.
Bild: Screenshots

Im März bittet die sympathische Mona die Facebook-Gemeinschaft um Hilfe: Sie möchte wissen, wie sie ihrem verehrten Max den Heiratsantrag machen soll. Zu Hunderten reagieren die Facebook-Nutzer. Mona fasst sich ein Herz und stellt ihrem Max die Frage aller Fragen.

 

“Hochzeit” auf beliebter Berner Werbeplattform

Max liebt Mona und Mona liebt Max. Soviel ist klar. Auf ihrem gemeinsamen Blog kann man sich über die beiden erkundigen. Max ist der häusliche Typ, der gerne kocht, und Mona hat ein Flair fürs Basteln. Am 18. Mai 2012 bietet sich zudem für die vielen Fans des Paares die Chance: Das Paar lädt an jenem Freitag alle, die kommen möchten, zum Hochzeitsfest auf dem Berner Waisenhausplatz ein. Spätestens da wird so manchen ein Licht aufgehen. Denn, wer heiratet schon gerne auf einer der beliebtesten Berner Werbeplattformen, wo sonst etwa Muster von Produkten verteilt, ein Streichelzoo aufgestellt oder Unterschriften gesammelt werden?

 

Die Stadtverwaltung weiss die Antwort: Sie kündigt im Veranstaltungskalender auf dem Waisenhausplatz ein “Hochzeitsfest mit Show”. Anlass ist die Promotion eines neuen Shops namens Max+Mona. Veranstalter des Anlasses ist MySign – eine der grössten Werbeagenturen der Schweiz. Zudem ist MySign auch die Muttergesellschaft von VJii, der Videoproduktionsfirma, bei welcher sich Mona in einem Film herzlich für die Hilfe bedankt. Diese hätten Mona beim Videodreh tatkräftig unterstützt. Und weiter: Der Name Max+Mona ist seit Februar durch das Unternehmen E+H Services AG aus Däniken markenrechtlich geschützt.

 

Passend dazu führen Max und Mona auf ihrem Blog eine Wunschliste mit Haushaltsprodukten und Möbel, welche hauptsächlich über die E+H Services AG vertrieben werden. Die Geschenke verspricht das Paar unter den Hochzeitsgästen zu verlosen.

 

Virales Marketing, ein bewährtes Konzept

Spätestens seit dem “JK Wedding Entrance”-Video, das auf Youtube rund 80 Millionen Menschen gesehen haben, ist die Messlatte für virales Marketing sehr hoch angesetzt. In diesem kurzen Clip betritt ein Brautpaar tanzend die Kirche zu den Klängen von Chris Browns Hit “Forever”. Dieser bisher wohl erfolgreichste Coup in der Branche sicherte dem Song international gute Chartspositionen.

 

Doch zurück zu einer anderen Hochzeit, nämlich der von Max und Mona. Die beiden sind eigentlich Schauspieler und heissen Gregor Altenburger und Natalie Zaugg. Während man Altenburger auf der Musicalbühne von “Ewigi Liebi” bestaunen durfte, ist Natalie Zaugg zum Beispiel in der aktuellen Werbekampagne von Local.ch zu sehen. Was es allerdings mit dem Shop Max+Mona auf sich hat, bleibt vorerst ein gut gehütetes Geheimnis.

 

“Blick” als klassisches Werbefenster

In sozialen Netzwerken Menschenmassen mobilisieren – nach diesem Prinzip funktioniert derzeit auch die Kampagne “Kony 2012”, welche über soziale Netzwerke wie Youtube und Facebook weltweit dazu aufruft, sich an der Fahndung nach dem Kriegsverbrecher Joseph Kony zu beteiligen. Den Menschen zu Hause vor den Bildschirmen wird das Gefühl geben, dass sie mit ihrer blossen Teilnahme in sozialen Netzwerken etwas bewegen können.

 

Getreu dieser Devise hat auch das fiktive Pärchen Max und Mona Hunderte Gratulationen und Glückwünsche von Facebook-Usern erhalten. Brisant daran: In der Freundeliste befinden sich offenbar auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von MySign und Angehörige, die Kommentare beisteuern. Dies bestätigt eine interne Quelle der Werbefirma.

 

Möglicherweise freuten sich einige Surfer aber auch für die beiden Verlobten, wenn sie am 13. April auf Blick.ch die News durchblätterten und dabei die Auszeichnung “Publireportage” über dem Titel “Verrücktes Brautpaar: Max+Mona verlosen ihre Hochzeitsgeschenke” übersahen. Zu der professionell aufgezogenen Kampagne von Max+Mona zählen also nicht nur die modernen Mittel der Social Media, sondern auch die gute alte Publireportage, eine als Zeitungsartikel getarnte Werbung.