Kultur | 14.04.2012

“Es geht noch lange, bis ich ein Film über Birchermüesli drehe”

Der Juror der Zürcher Jugendfilmtage, Christian Frei, gilt als einer der international erfolgreichsten Schweizer Dokumentarfilmschaffenden. Seine bisherigen Kinofilme liefen an den wichtigsten Filmfestivals der Welt und gewannen zahlreiche Auszeichnungen. Für seinen Film War Photographer wurde er 2002 für einen Oscar nominiert.
Ganz weit weg. In "Space Tourists" dokumentiert Christian Frei den Kindheitstraum der Amerikanerin Anousheh Ansari, ins Weltall zu fliegen. Ganz nah dran. In "War Photographer" begleitet Christian Frei den Kriegsfotografen James Nachtwey in Kriegsgebiete.
Bild: zVg Charakterkopf und Filmemacher Christian Frei.

Christian, was braucht es, um ein guter Dokumentarfilmer zu werden?

Christian Frei: Es braucht nicht primär eine gute Kamera, das hat ja heutzutage fast jeder, es ist vielmehr eine Frage von guten Ideen, von gutem Stoff und vor allem Beharrlichkeit ist wichtig. Ebenso die Haltung des Autors ist sehr wichtig, denn diese spürt man beim Dokumentarfilm besonders.

 

Bist du geduldig?

Ich bin extrem beharrlich, teils sogar stur. Bei meinem Film War Photographer hatte ich die Idee zum Film und musste sechs Monate warten, bis der Protagonist reagiert hat auf meine E-Mails, Faxe und Anrufe. Aber das Warten hat sich gelohnt.

 

War es einfach an den Protagonisten von «Space Tourist« ein Milliardär, heranzukommen?

Es war schwierig. In Russland, im sogenannten Weltraumbahnhof, wo ich drehen wollte, war das Militär und der Geheimdienst extrem präsent. Ich hatte Angst, nie authentische Momente aufnehmen zu können,  sondern nur langweilige Pressekonferenzen, aber bald mal hatte ich einen Weg gefunden, meine Bilder, auch teilweise illegal indem ich den Geheimdienst ausgetrickst habe, zu bekommen. Der Milliardär wurde von seinem Personal geschützt, aber dort habe ich schlussendlich Zugang gefunden.

 

Du musstest den Geheimdienst austricksen und hast Filme in Kriegsgebieten gedreht, bist du ein Abenteurer?

Ja, das kann ich nicht abstreiten, ich glaube es geht noch lange, bis ich ein Film über Birchermüesli oder Kinderkrippen drehe. Das Leben ist halt ein Abenteuer und mich als wohlbehüteter Schweizer reizen besonders solche Geschichten.

 

Was war das für ein Gefühl, als du von deiner Oscar-Nomination gehört hast?

Es ist etwas vom schönsten zu wissen, dass man jetzt in dieser Liga spielt. Auch wenn man den Oscar nicht gewinnt, gehört man zu den Gewinnern, denn man ist offiziell bei der Weltklasse mit dabei. Ihn zu gewinnen ist dann noch das Sahnehäubchen. Aber es hat mir sehr viel Renommee eingebracht und Türen geöffnet.

 

Du hast schon viele Preise gewonnen, was bedeuten sie dir?

Als Künstler macht man ja Dinge, von welchen man nie ganz sicher ist, ob man sie kann. Weil es einfach nicht ein Handwerk ist, von welchem man eines Tages weiss: jetzt kann ich’s. Ich habe immer wieder Zweifel, ob mein Film Magie ausstrahlt, ob er die Kraft besitzt Leute in den dunklen Saal zu locken. Darum sind Preise für eine gewisse Selbstsicherheit, für einen Boden unter den Füssen gut.