Kultur | 18.04.2012

Die Liebe tanzen

Text von Corinne Germann | Bilder von zVg
Die seit drei Jahren in Zürich wohnhafte Künstlerin Marisa Godoy stellt mit "All is You" die Verliebtheit tänzerisch dar. Sachlich aber doch verzaubernd, überschäumend bis ekstatisch. Bis am 5. Mai im Rahmen des Tanzfestivals Steps im Theaterhaus Gessnerallee.
Liebe kann ganz schön bewegen, wie das Stück zeigt.
Bild: zVg

Ist ein Stück nicht genau durchstudiert, sind an der Vorstellung Publikum, wie auch Performance-Künstler an einem Blind-Date. Beide Parteien wissen nicht, was sie erwartet – ob ein Interesse vorhanden ist oder gar der Funke überspringt. Auch deshalb passt die Performance-Vorstellung von “OONA project” zum diesjährigen Thema des Tanzfestival Steps: Denn hier wird die Liebe thematisiert. In allen Facetten.

 

 

Durch die rosa Brille

“OONA project” mit der Brasilianerin Marisa Godoy untersuchte wissenschaftlich, empirisch und intuitiv die Prozesse und vor allem den Zustand des Verliebtseins. Ihnen zufolge verdanken wir die fantastischen Gefühle dem schwerfälligen Wort namens “Phenylethylamin”, das unser Körper dann erhöht produziert. Nebst der rosa Brille und den Schmetterlingen als ständigen Begleiter, sind alle Sinne geschärft. Nach vier Jahren haben sich unsere Nervenenden an die erhöhten Werte gewöhnt. Die rosa Brille fällt von der Nase, die Schmetterlinge fliegen nur noch manchmal vorbei. Aber durch gemeinsame Erlebnisse könne man diesen Prozess hinauszögern, wie es im Prospekt von Steps heisst.

 

Wie in einer Beziehung

Bei der Vorstellung “All is You” ist die Dramaturgie dieser verschiedenen Zustände angepasst. Die vier Tänzer sind auf einer grossen, weissen, mit Alltagsgegenständen vollgepackten Bühne. Am Anfang verfallen sie dem Publikum, können sich nicht loslösen von dessen Anblick, tanzen diesem immer wieder entgegen – die Alltagsgegenstände wegwischend.

Die Szenerie wird in diesen 60 Minuten nur durch Lichtverhältnisse und neue Lieder verändert, die die Tänzer mit einem alten Plattenspieler auf der Bühne selber abspielen. Das Bühnenbild bleibt so unverändert und dennoch ist die Stimmung völlig verändert. Wie unser Körper, der auch im Zustand des Verliebtseins von aussen gleich aussieht. Dann fliegen hunderte kleine Seifenblasen durch die Luft, die Tänzer scheinen zu fliegen – und urplötzlich ist der Zauber vorbei. Das Fliegen nicht mehr möglich. Bis die Ekstase einsetzt.

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