Kultur | 23.04.2012

“Das wird jetzt aber nicht abgedruckt?”

Matthias Sahli hat vor gut einer Woche an den 36. Schweizer Jugendfilmtagen gewonnen. Sein Film "Make a Wish" räumte in der Kategorie D, Jugendliche bis 25 Jahre, ab. Tink.ch befragte den 23-jährigen zu den Tücken des Regieführens, dem perfekten Soundtrack und peinlichen Filmerlebnissen.
Sahli bei der Preisverleihung der Schweizer Jugendfilmtage
Bild: SJFT Make a Wish! Samara Leite Walt

Wenn du dir selbst einen Film ansiehst, worauf achtest du am meisten?

Seit ich selber Filme mache, sehe ich halt schon viel mehr den Aufwand dahinter. Details wie Kameraführung, Dialogaufbau und Erzählstruktur finden jetzt viel mehr Beachtung. Dann kann es durchaus passieren, dass ich ab und zu im Kino aus der Geschichte gerissen werde, dasitze und mich frage: “Wie hat der das mit dem Licht so genial aufgebaut?” Was ich auch sehr wichtig finde ist die Filmmusik. Sie kann für eine Szene von Entscheidung sein und die nötigen Emotionen vermitteln.

 

Dann fällt es dir bestimmt auch nicht schwer uns deine drei Filme mit Top- Soundtrack zu nennen.

(lacht) Ich wusste, dass das jetzt kommen muss. Also sicher mal “Little Miss Sunshine”, ich liebe den Film wirklich alleine schon wegen der Musik. Wenn er schlechter wäre, würde ich ihn wegen des Soundtracks wohl trotzdem noch grossartig finden. Dann ein Klassiker: “Requiem for a Dream” und zu guter Letzt “A Single Man”.

 

Was ist das schwierigste, wenn du selber einen Film machst?

Eine originelle Geschichte auszudenken und diese filmtauglich umzuschreiben ist sowohl der schwierigste, als auch der wichtigste Punkt für mich. Für ein gelungenes filmisches Projekt muss für mich die Story stimmen, die Bilder sind zweitrangig. Zudem nimmt die Ideenfindung ganz klar den grössten Teil des Prozesses ein. Ich versuche auch bei jedem neuen Projekt etwas Neues zu machen, dass nicht immer allzu realitätsgetreu ist.

 

Welcher Teil des Prozesses gefällt dir bei einer Filmproduktion am besten?

Schwierig zu beantworten. Bei meinen letzten Filmen war ich ja alles auf einmal. Dabei hat mir sowohl das Drehbuchschreiben, Regieführen, Filmen als auch das Schneiden und Produzieren als Ganzes grosse Freude bereitet. Kann ich wirklich gerade nicht sagen. Frag mich in einem Jahr nochmal. (lacht)

 

Einen Film den du gesehen hast, dich aber dafür schämst.

Waterwold. Das wird jetzt aber nicht abgedruckt oder?

 

Deine grösste filmische Enttäuschung?

Indiana Jones IV. Harrison Ford war der Held meiner Kindheit. Das wurde mit dem erzwungenen letzten Teil und der schlechten Geschichte endgültig zerstört.

 

Letzte Frage: Dein preisgekrönter Beitrag zu den Schweizer Filmtagen heisst ja “Make a Wish”. Wenn du mit jemandem in der Filmbranche zusammenarbeiten könntest, wer wäre das?

Hmm… Dann hätte ich gerne eine Schulung bei Sofia Coppola. Einen Tag mit ihr zusammen zu arbeiten stelle ich mir äusserst interessant vor. Ich bewundere ihre Arbeit als Regisseurin. Filme wie “The Virgin Suicides” oder “Lost in Translation” weisen alle eine eigene für Sofia typische Note auf. Sie hat ihren persönlichen Stil gefunden. Ich befinde mich noch am Anfang dieses Weges. Und wer weiss, vielleicht würde ich bei dieser “Schulung” noch auf ihren Vater, den Altmeister Francis Ford Coppola treffen. (lacht)

 

Ok, allerletzte Frage: Guy Richie oder Quentin Tarantino?

Tarantino, ganz klar. Guy Richie macht mit “Snatch” und Co. schon sehr grosses Kino – aber hast du dir schon einmal “Reservoir Dogs” angesehen? Dann weisst du wovon ich spreche.

 

 

“Make a Wish”


Eine junge Frau findet einen geheimnisvollen Beutel. Aus ihm lässt sich alles herbeizaubern, was das Herz begehrt. Ihr ist jedoch nicht bewusst, dass die gewünschten Dinge gleichzeitig an einem anderen Ort verschwinden müssen.

 

Die Gewinner der Schweizer Jugendfilmtage 2012


Den springenden Panther für den besten Film je Kategorie erhielten diese fünf Filme:

Kategorie A, Jugendliche bis 16 Jahre: LIEBE FÜR ANFÄNGER von Crossfade Productions, Zürich ZH

Kategorie B, Thema “Energie” bis 19 Jahre: DIE REISE DES WASSERS von der Sprachheilschule Wabern/Zentrum für Sozial- und Heilpädagogik, Wabern BE

Kategorie C, Jugendliche bis 19 Jahre: L’ÉTRANGE ÉCHANGE von Raphaël Harari, Conches GE

Kategorie D, Jugendliche bis 25 Jahre: MAKE A WISH von Matthias Sahli, Seuzach ZH

Kategorie E, Student/innen von Filmschulen bis 30 Jahre: BON VOYAGE von Fabio Friedli, HSLU Animation, Luzern LU