Kultur | 11.04.2012

Bauformen aus Basel

Text von Katharina Good | Bilder von Katharina Good
2015 soll am Kunstmuseum Basel ein Erweiterungsbau angeschlossen werden. Die Architekten, welche das Projekt ausführen dürfen, sind selbst Basler: Emanuel Christ und Christoph Gantenbein. In ihrem kürzlich erschienen Fotoband mit dem Titel "Pictures from Italy" kann man ihr architektonisches Selbstverständnis näher kennen lernen.
Es sind die Zwischenraume und Ruinen, in denen sich die Fantasie frei entfalten kann.
Bild: Katharina Good

Gleich nach ihrem Studium an der ETH Zürich, 1999, erhielten die Studienkollegen ein sechswöchiges Stipendium, mit dem sie quer durch Italien reisen konnten. Von Verona im Nordosten bis zum Golf von Neapel durchquerten sie fast das ganze Land. Auf der Suche nach Inspiration für ihre späteren Projekte studierten sie die italienische Baukunst von den Ruinen der römischen Antike über die Monumente der Frühen Neuzeit bis zu vereinzelte Bauwerken aus den rationalistischen 1920er- und 30er-Jahren. Dabei entstanden rund 1’200 Dia-Bilder, von denen sie jetzt dreissig auswählt und digitalisiert haben. Die farbigen Italien-Fotos stehen 22 Schwarzweissbilder ihrer Gebäude gegenüber, welche von professionelle Fotografen in ganz Europa gemacht wurden.

 

“Das zeitlos Architektonische”

Mit ihrer Italienreise wollten die Basler nicht in die Fussstapfen der traditionellen Bildungsreisenden der Frühen Neuzeit treten. Sie studierten die historischen Bauten, um danach ihre eigene, bewusst zeitgenössische Architektur zu entwerfen. Im kurzen Vorwort erklären sie, in Italien grundsätzliche Architekturen gesucht und gefunden zu haben. Die “Bilder aus Italien” zeigen eine besondere Faszination für die Spuren, welche die Geschichte auf den Gebäuden hinterlassen hat.

 

Selbst imposante Bauwerke wie den Petersdom in Rom betrachteten sie mit einem rein formalistischen Blick, der sich weder von geschichtlichen Hintergründen noch vom berühmten Namen des Architekten Michelangelo Buonarroti beeindrucken liess. Als entwerfende Architekten hielten sie nur die Formen und Linien der riesigen Kirche fest.

 

Formen und Bilder übersetzen

Die verschiedenen Bauformen aus Italien, zunächst in Bildern festgehalten, setzten die Architekten in eigenen Werken wieder ein. Die geschwungenen Linien an der südlichen Fassade des Peterdoms sind etwa auf der gegenüberliegenden Fotografie des eigenen Projekts zu sehen. Wenn man aber einen direkten Einfluss der italienischen Renaissance auf das “WohnWerk” am Spalenmärt in Basel vermutet, liegt man falsch. Die Architekten hätten nicht bestimmte Bauwerke zu kopieren versucht, sondern ihre Sicht darauf festgehalten und diese in neue Bauformen übersetzt.

 

In “Pictures from Italy” liessen die Architekten nun die Bilder in einen Dialog treten. Nach einem knappen Vorwort, in Englisch und Deutsch, und jeweils kleingeschriebenen Bildlegenden tritt der Text nach jedem Umblättern in den Hintergrund. Eigentlich schade, denn das architektonische Selbstverständnis der beiden ETH-Dozenten hätte durchaus mehr Beachtung verdient. Zudem würde die Qualität der Italienbilder in einem kleineren Format weniger zum Opfer fallen.

 

Eines wird dennoch klar: Für das ehrliche Verständnis der Architektur von Christ und Gantenbein ist keine Hochglanzfotografie nötig. Dafür kann man sich auch an qualitativ schlechte Dia-Bilder gewöhnen, auf denen Italien nicht wie auf Postkarten zu sehen ist. Wir sehen gelebte Architektur mit allen Spuren der Zeit. “Pictures from Italy” ist weit mehr, als nur eine Ansammlung schöner Ferienfotos.

 

“Pictures from Italy”


 

“Pictures from Italy” ist als erster Band einer geplanten Reihe bei Park Books in Zürich erschienen und für 45.- Fr. im Handel erhältlich.