Kultur | 17.04.2012

Auf die Grösse kommt es an

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist
Mit dem Plan, in der Unübersichtlichkeit und der Unüberhörbarkeit von 2'000 Bands die Juwelen von morgen zu finden hat sich Tink.ch ans SXSW aufgemacht. Die Nadel im Heuhaufen wurde nicht gefunden, dafür viel anderes. Kein Wunder: Das Festival in Austin ist eines der grössten seiner Art, die Bands spielen da schon mal in einem Parkhaus.
Am SXSW ist dabei sein alles, auch wenn man nicht im offiziellen Programm verzeichnet ist. Über 2'000 Bands machen mit.
Bild: Martin Sigrist

Die Auswahl an Musik scheint an diesem Festival auf den ersten und auch auf jeden weiteren Blick kaum bezwingbar. Ein App hilft bei der Durchsicht des Programms, welches ausgedruckt ein Telefonbuch in den Schatten stellt. Auch mit fünf Tagen Zeit will es nicht klappen, sich an das eigene, gut vorbereitete Programm zu halten. Die Ernüchterung weicht der Begeisterung, dass hier ein so umfassender Überblick der Musikwelt gewährt wird und dass es eigentlich egal ist, ob der Welthit von morgen hier gefunden wird. Musik gibt es sowieso überall, auch von spontan aufgebauter Strassenmusik. Aber natürlich wird es Jahre später an einem nagen, genau jene Bands, die in der Zwischenzeit ganz gross rausgekommen sind, verpasst zu haben. Noch dazu, wenn sie in einem Hinterhaus vor Publikum in der Grösse einer Schulklasse gespielt haben. Sei’s drum, diese Angst hilft nicht weiter.

Im Folgenden gibt Tink.ch eine Auswahl erwähnenswerter Bands, ganz ohne die verkrampfte Suche nach dem nächsten Hype. Die Auswahl ist aber kaum abschliessend, da vor Ort gar nicht die Shows aller Bands besucht werden konnten.

Der rassige und laszive Jef Barbara ist der selbsternannte neue Sonnengott aus Montréal. Sein erstes Album ist dieses Jahr erneut erschienen, diesmal auf einem französischen Label. Neben der Musik lohnen sich auch die hausgemachten Retrovideos des jungen frankokanadischen Künstlers.

We Were Evergreen ist ein junges Trio aus Paris, angesiedelt irgendwo zwischen kunterbuntem Kindergeburtstag und der ersten Frühlingssliebe. Keine US-amerikanische College-Band könnte die Pubertät schöner in Worte fassen.

Die New Yorkerin Fiona Apple ist zwar international schon länger kein Geheimtipp mehr, aber in der Schweiz noch immer kaum beachtet. Dies liegt wohl zum einen am mangelnden hiesigen Angebot ihrer Alben als auch an der Funkstille seit der letzten Veröffentlichung.

Auch Gossip aus Portland sind ganz bestimmt keine Unbekannten mehr in der Schweiz, sind sie doch zumindest an den Sommerfestivals sehr häufige Gäste. Etwas aussergewöhnlich war in Austin der Auftritt von Beth Dito und ihrem Gefolge: Überraschende Pünktlichkeit und sehr gute Laune. Nie konnte man der Frontfrau näher sein, zumindest tummelte sie sich zeitweise mitten im überschaubaren Publikum.

Und noch ein nunmehr seit Jahren vergangener Geheimtipp: Mumford and Sons aus Grossbritannien mit ihrem gemeinsamen Auftritt mit den Amerikanern um Edward Sharpe & The Magnetic Zeros sowie den Nashville Boys Old Crow Medicine Show zu Ehren der Weltpremiere des Dokumentarfilms Big Easy Express war eine aussergewöhnliche Vorstellung. Der Film zeigt die gemeinsame Tour der drei Bands durch den Süden der USA in einem Zug. Ob und wann der Streifen in der Schweiz gezeigt wird, ist nicht bekannt.

Evaporators aus Vancouver fallen mit ihrem Auftritt und insbesondere mit ihren Kostümen definitiv in die Kategorie interessant. Ob die Band mit ihren wechselnden Kooperationspartnern wirklich lohnt, muss jede und jeder für sich selbst entscheiden. Ein Flair für mexikanische Wrestlerkostüme hilft auf jeden Fall.

Lost In The Trees, ist eine nette, spannende Kombo von der amerikanischen Ostküste, mit zwei Sängerinnen und ganz schöner Musik, die trotz der unscheinbaren Verpackung wirklich Anerkennung verdient.

Die New Yorker Singer-Songwriterin Rachael Sage hat bereits ihr zehntes Album veröffentlicht, ist mit Ani DiFranco getourt und Trägerin vieler Preise. Trotzdem ist sie hier gänzlich unbekannt und ihre zahlreichen Alben sind nur als Import erhältlich. Das Mauerblümchen-Dasein in der Schweiz ist gänzlich unverdient.

Josh and Mer sind ein im positiven Sinne nettes Pop Duo aus Portland, mit einem Debutalbum mit wunderschönem Artwork und einem zweiten schon in der Mache. Der Sänger Josh Schroeder arbeitet auch an Soloprojekten.

Grimes ist Claire Boucher aus Vancouver, die gerade als Elektro-Duo auf Tour ist. Ihre Musik hat viel Schmiss und die Zweierpackung war ein sehr oft gesehener Gast am diesjährigen Festival.

Die Britten von Big Pink waren eben in Zürich zu Gast, und beweisen dauerhaft, dass sie ein grösseres Publikum als damals im Mascotte verdient hätten. Doch auch in einem fast leeren Saal machten sie jetzt in Texas eine sehr gute Figur.

Hinter Blood Orange versteckt sich der Britische und US-amerikanische Devonté Hynes, der unter anderem mit Chemical Brothers und Florence and the Machine gearbeitet hat. In Austin war er zeitweise der meist getwitterte Act des Festivals.

Mehr zu den Bands


Die Links zu den genannten Bands findest du unterhalb der Bilder zu diesem Artikel. Klick dich rein und bleibe informiert. Über denselben Weg gelangst du zudem zu einer Bildstrecke, welche die besten Eindrücke vom South by Southwest Festival in Austin (USA) zeigt.

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