Gesellschaft | 17.04.2012

Auch in der Schweiz wurden Korane verteilt

Text von Dominik Galliker | Bilder von Dominik Galliker
Eine Gruppe junger Muslime verteilte zwischen Herbst 2011 und Februar dieses Jahres in Schweizer Städten Korane. Finanziert wurden die Bücher grösstenteils von dem radikal islamistischen Verein "Die wahre Religion", der in Deutschland zurzeit für Aufregung sorgt.
Mohamed Ali aus Langenthal bei einer Verteilungsaktion auf dem Bundesplatz. Er bezeichnet sich als streng gläubig und ist Mitglied des Islamischen Zentralrates Schweiz.
Bild: Dominik Galliker

Acht junge Muslime haben in den letzten Monaten auf Schweizer Strassen gratis Korane verteilt. In Bern, Zürich und St. Gallen verschenkten sie an Wochenenden insgesamt 1000 Exemplare des Buches an Passantinnen und Passanten. Privat, versichern sie. Keine Organisation stecke dahinter. Die Bücher hätten sie aus der eigenen Tasche finanziert. Ein Exemplar kostete nur einen Euro – ein Sonderangebot auf der Internetseite des Kölner Vereins “Die wahre Religion”. Dieser gilt als radikal islamistisch und sorgt in Deutschland derzeit für Aufregung – mit eben diesen Koranen.

 

“Salafistische Propaganda”

Am Osterwochenende verteilten die Salafisten in 38 deutschen Städten rund 300’000 Bücher. Ihr Ziel haben die Aktivisten damit jedoch noch lange nicht erreicht: Total sollen 25 Millionen Korane unters Volk gebracht werden – auch in der Schweiz. Eine beispiellose Aktion, initiiert durch den Salafisten und Millionär Ibrahim Abou-Nagie, gegen den die Kölner Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren wegen Störung des religiösen Friedens eröffnet hat.

 

Der Deutsche Verfassungsschutz ist alarmiert. “Es geht hier um salafistische Propaganda und die Rekrutierung von Anhängern”, sagte ein Sprecher in Köln. Salafisten würden zwar keine Anschläge verüben, bereiteten als “Durchgangsstation für Dschihadisten” aber häufig den Nährboden dafür. Radikale Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam. Als Rechtsordnung gilt für sie nur die Scharia, das islamische Recht.

 

Hintergrund nicht gekannt

Tink.ch sprach mit dem Langenthaler Mohamed Ali, einem der acht Muslime, die in der Schweiz Korane verteilten. Ali reagierte überrascht, als er erfuhr, wer hinter der Internetseite “diewahrereligion.de” steht. Er habe davon nichts gewusst. Über die Gründe ihrer Aktion gibt der 21-jährige Somalier unentschlossen Auskunft. “Wir wollen Vorurteile gegen den Islam abbauen”, betont er mehrmals, sagt aber auch: “Ein guter Muslim versucht, andere auf den richtigen Weg zu führen. Mit klaren Argumenten, ohne Manipulation.”

 

Mohamed Ali ist Mitglied des Islamischen Zentralrates Schweiz. Er sei streng gläubig, sagt Ali. Fünf Mal täglich bete er auf seinem Teppich Richtung Osten, wie es der Koran vorschreibt. Er verzichte auf Schweinefleisch, habe in seinem Leben noch keinen Tropfen Alkohol getrunken, den gesamten Koran gelesen und kenne sogar 40 Suren auswendig. Die Religion zu praktizieren sei für ihn selbstverständlich, alles andere höchst fragwürdig: “Ich habe mit Muslimen geredet, die sagten, sie seien religiös, jedoch noch nie im Koran gelesen hatten. Die wissen gar nicht, an was sie glauben.”

 

Was der Islamische Zentralrat Schweiz über die Strassenaktionen sagt: zum Interview mit Pressesprecher und Vorstandsmitglied Abdel Azziz Qaasim Illi