Geschichten aus dem menschlichen Abgrund

“Wie ist es hier?”, fragte Nick. “Verdammt beschissen.” Nick wollte wieder lachen, aber der Junge zuckte die Achseln und lächelte matt. “Tu einfach, was dir gesagt wird, und dann wird’s schon gehen”, sagte er. Nick zog eine Grimasse. Zu tun, was ihm gesagt wurde, war nicht gerade seine Stärke.”

 

Die ersten Tage im Heim sind hart. Nick kassiert dauernd Schläge. Er wehrt sich und schlägt zurück. Das bringt ihm einerseits Problemen, andererseits auch Anerkennung. Aber schlimmer als die Schläge ist der Stellvertretende Heimleiter Tony Creal. Er ist freundlich und lädt die Jungs zu sich in die Wohnung zum Kartenspielen und Fernsehen ein. Deshalb wird er auch “der liebe Tony Creal” genannt. Aber Creal hat auch eine andere, abgründige Seite: Er tut das alles nicht etwa, um den Jungs zu helfen, sondern um sie zu missbrauchen. Auch Nick missbraucht er, aber Nick wehrt sich und haut schliesslich ab.

 

Wird Nick den Weg zurück in ein normales Leben finden?

 

Das Thema sexueller Missbrauch war vor einiger Zeit immer wieder in den Schlagzeilen. Überall wurden Missbrauchsfälle aufgedeckt und tauchten Opfer auf. Was sexueller Missbrauch für die Betroffenen bedeutet, kann sich niemand vorstellen. Auch die Gewalt und Willkür, die in manchen Kinderheimen herrscht, ist unvorstellbar.

 

Melvin Burgess beschreibt in diesem Buch nicht nur das Schicksal von Nicholas Dane. Er erzählt auch die Geschichten vieler anderer Jungen. Wie etwa Olivers Geschichte: Der Junge wurde zuerst vom Freund seiner Mutter missbraucht, kam dann ins Heim und wurde auch dort missbraucht. Oder ein anderer Junge, dessen Leben kurz zusammengefasst so aussah: Rein ins Heim, abhauen, wieder ins nächste Heim und so weiter und so fort.

 

Der Autor erzählt auch von ehemaligen missbrauchten Heimkindern, die nun erwachsen sind, ihre Erlebnisse aber nie ganz verwunden haben. All dies tut Melvin Burgess mit grossem Einfühlungsvermögen und ohne Effekthascherei.

 

So wird dieses Thema aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.

 

Dieses Buch ist ganz bestimmt keine “leichte Lektüre”. Für Jemanden, der “nur” gut unterhalten werden möchte, ist es sicher das falsche Buch. “Nicholas Dane” ist für diejenigen Leserinnen und Leser gedacht, die bereit sind, sich vertieft mit diesem schwierigen Thema auseinander zu setzen.

 

Melvin Burgess: Nicholas Dane, Carlsen, ca.443 Seiten, ab 16 Jahren.

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  • Weitere Buchkritiken gibt es bei Leporello, dem Kulturmagazin für Kinder und Jugendliche.

Gut geworben ist halb verkauft

Im März bittet die sympathische Mona die Facebook-Gemeinschaft um Hilfe: Sie möchte wissen, wie sie ihrem verehrten Max den Heiratsantrag machen soll. Zu Hunderten reagieren die Facebook-Nutzer. Mona fasst sich ein Herz und stellt ihrem Max die Frage aller Fragen.

 

“Hochzeit” auf beliebter Berner Werbeplattform

Max liebt Mona und Mona liebt Max. Soviel ist klar. Auf ihrem gemeinsamen Blog kann man sich über die beiden erkundigen. Max ist der häusliche Typ, der gerne kocht, und Mona hat ein Flair fürs Basteln. Am 18. Mai 2012 bietet sich zudem für die vielen Fans des Paares die Chance: Das Paar lädt an jenem Freitag alle, die kommen möchten, zum Hochzeitsfest auf dem Berner Waisenhausplatz ein. Spätestens da wird so manchen ein Licht aufgehen. Denn, wer heiratet schon gerne auf einer der beliebtesten Berner Werbeplattformen, wo sonst etwa Muster von Produkten verteilt, ein Streichelzoo aufgestellt oder Unterschriften gesammelt werden?

 

Die Stadtverwaltung weiss die Antwort: Sie kündigt im Veranstaltungskalender auf dem Waisenhausplatz ein “Hochzeitsfest mit Show”. Anlass ist die Promotion eines neuen Shops namens Max+Mona. Veranstalter des Anlasses ist MySign – eine der grössten Werbeagenturen der Schweiz. Zudem ist MySign auch die Muttergesellschaft von VJii, der Videoproduktionsfirma, bei welcher sich Mona in einem Film herzlich für die Hilfe bedankt. Diese hätten Mona beim Videodreh tatkräftig unterstützt. Und weiter: Der Name Max+Mona ist seit Februar durch das Unternehmen E+H Services AG aus Däniken markenrechtlich geschützt.

 

Passend dazu führen Max und Mona auf ihrem Blog eine Wunschliste mit Haushaltsprodukten und Möbel, welche hauptsächlich über die E+H Services AG vertrieben werden. Die Geschenke verspricht das Paar unter den Hochzeitsgästen zu verlosen.

 

Virales Marketing, ein bewährtes Konzept

Spätestens seit dem “JK Wedding Entrance”-Video, das auf Youtube rund 80 Millionen Menschen gesehen haben, ist die Messlatte für virales Marketing sehr hoch angesetzt. In diesem kurzen Clip betritt ein Brautpaar tanzend die Kirche zu den Klängen von Chris Browns Hit “Forever”. Dieser bisher wohl erfolgreichste Coup in der Branche sicherte dem Song international gute Chartspositionen.

 

Doch zurück zu einer anderen Hochzeit, nämlich der von Max und Mona. Die beiden sind eigentlich Schauspieler und heissen Gregor Altenburger und Natalie Zaugg. Während man Altenburger auf der Musicalbühne von “Ewigi Liebi” bestaunen durfte, ist Natalie Zaugg zum Beispiel in der aktuellen Werbekampagne von Local.ch zu sehen. Was es allerdings mit dem Shop Max+Mona auf sich hat, bleibt vorerst ein gut gehütetes Geheimnis.

 

“Blick” als klassisches Werbefenster

In sozialen Netzwerken Menschenmassen mobilisieren – nach diesem Prinzip funktioniert derzeit auch die Kampagne “Kony 2012”, welche über soziale Netzwerke wie Youtube und Facebook weltweit dazu aufruft, sich an der Fahndung nach dem Kriegsverbrecher Joseph Kony zu beteiligen. Den Menschen zu Hause vor den Bildschirmen wird das Gefühl geben, dass sie mit ihrer blossen Teilnahme in sozialen Netzwerken etwas bewegen können.

 

Getreu dieser Devise hat auch das fiktive Pärchen Max und Mona Hunderte Gratulationen und Glückwünsche von Facebook-Usern erhalten. Brisant daran: In der Freundeliste befinden sich offenbar auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von MySign und Angehörige, die Kommentare beisteuern. Dies bestätigt eine interne Quelle der Werbefirma.

 

Möglicherweise freuten sich einige Surfer aber auch für die beiden Verlobten, wenn sie am 13. April auf Blick.ch die News durchblätterten und dabei die Auszeichnung “Publireportage” über dem Titel “Verrücktes Brautpaar: Max+Mona verlosen ihre Hochzeitsgeschenke” übersahen. Zu der professionell aufgezogenen Kampagne von Max+Mona zählen also nicht nur die modernen Mittel der Social Media, sondern auch die gute alte Publireportage, eine als Zeitungsartikel getarnte Werbung.

Bäume für das grosse Ganze

Zuerst einmal: Wozu sind Bäumchen überhaupt gut? Auf diese Frage gibt es eine ganze Menge Antworten. Zum Beispiel spenden sie Schatten, wenn die Sonne scheint. Sie schützen vor Regentropfen, man kann sich anlehnen, ihnen beim Wachsen zugucken und auf ihnen herumklettern. Sie blühen, manche tragen Früchte und vor allem: Sie binden CO2 und geben Sauerstoff ab. Bäume sind somit unabdingbar für menschliches Leben auf der Erde.

 

Aber Bäume erfüllen noch viel mehr Zwecke. Sie zu pflanzen kann ein verbindendes Erlebnis sein. Liebespaare können ihre Initialen in die Rinde ritzen und sie Jahre später noch genau so vorfinden. Ein Baum kann als Symbol für Leben stehen, für den Kreislauf des Wachsens, Blühens, Früchtetragens und des Absterbens. Für einen Neuanfang. Für Beständigkeit. Ein Baum hat Wurzeln und steht auch nach einem Sturm noch am gleichen Ort. Er bietet Lebensraum für verschiedenste Lebewesen. Ein Baum vermittelt Sicherheit.

 

Erbgut für Überlebende?

Aber wozu Bäume pflanzen, wenn die Welt sowieso bald nicht mehr ist? Was auf den ersten Blick sehr sinnlos klingt, ist in Wahrheit plausibel erklärbar. Sollte die Welt nämlich tatsächlich untergehen, hat man wenigstens sein Gewissen beruhigt, sprich etwas Gutes getan, guten Willen bewiesen und kann davon ausgehen, in den Himmel zu kommen. Ausserdem ist erst April, der Baum könnte uns also noch knapp acht Monate erfreuen. Sollte die Welt aber wider Erwarten nicht im Dezember aufhören zu existieren, bieten die gepflanzten Bäume die Lebensgrundlage für unsere Kinder, Enkel, Urenkel und so weiter. Schliesslich wäre es schade, wenn die Welt zwar nicht untergehen, die Menschheit aber aus eigener Dummheit trotzdem zu existieren aufhören würde.

 

Also: Zückt eure Spaten, geht raus in die Welt und pflanzt ein Bäumchen. Für euch, für eure Nachkommen und für euer Seelenheil.

 

Dieser Artikel ist der vierte aus der Serie “Das Ende ist nah”. Einmal im Monat legt Tink.ch-Autorin Veronika Henschel hier Dinge nahe, die man unbedingt noch tun sollte, bevor die Welt am 21. Dezember (vielleicht) untergeht.

Bezaubernde Klänge in der Laurenzenkirche

St. Gallen feiert dieses Jahr sein 1400-jähriges Bestehen. Der Legende nach soll sich der heilige Gallus im Jahre 612 dort niedergelassen haben, wo heute die Stadt steht. Es wird aber nicht nur Gallus gefeiert, sondern vor allem auch auf 1400 Jahre Entwicklungsgeschichte zurückgeschaut. Zum Auftakt des Jubiläums wurden unter anderem zwei Galakonzerte unter dem Motto “From Ireland To Switzerland” veranstaltet.

 

James Galway ist einer der weltweit besten und bekanntesten Flötisten. Da er ursprünglich aus Irland kommt, nun aber  in der Schweiz lebt, passt er optimal zur Legende, der zufolge auch Gallus aus Irland stammt. Zusammen mit Michael McHale, seinem Pianisten, trat James Galway mit den Noten in der einen, der goldig glänzenden Flöte in der anderen Hand und einem grünen Tuch in seiner Vestontasche, vor die Zuschauer. Den ersten Teil des Konzertes eröffnete er mit  Stücken von verschiedenen klassischen Komponisten, wie Gabriel Fauré oder Claude Debussy. Mit seiner Frau Lady Jeanne Galway, welche ebenfalls eine goldene Querflöte hatte, spielte er ein eindrückliches Stück von Franz Doppler für zwei Flöten und Piano.

 

Musikalische Feinheiten

James Galway live hören zu können war ein ganz besonderes Erlebnis für viele begeisterte Zuhörer. Der sehr kraftvolle Ton in allen Lagen und die eindrückliche Dynamik hoben die Phrasierung der Stücke hervor. Ebenso das anspruchsvolle Piano in den lange anhaltenden und sehr hohen Schlusstöne. Bei schnellen Läufen liefen Galways Finger über die einzelnen Klappen, als ob er die einfachste Melodie spielen würde. Sein entspanntes Auftreten und die kurzen Blicke ins Publikum wirkten natürlich. Er liess sich auch nicht aus der Fassung bringen, als beim Blättern das Notenblatt falsch herum auf seinem Notenpult lag, sondern spielte normal weiter, bis er das Blatt bei der nächsten Gelegenheit in die richtige Lage bringen konnte. Der bestimmte, klare Klang gab den Stücken eine individuelle Bedeutung, so konnte man teilweise sogar das Gefühl haben, durch die Musik an einem anderen Ort entrückt zu werden. Mit einem irischen Gute-Nacht-Lied wurde das begeisterte Publikum aus der Laurenzenkirche entlassen. St. Gallen rückte damit ein Stück näher an Irland.

Pizza und Kaffee gegen die Perspektivlosigkeit

Es ist neun Uhr an einem gewöhnlichen Montagmorgen. Das Restaurant Pizzaioli@work hat gerade seine Türen geöffnet, die ersten Kunden trinken ihren Kaffee. Orange Wände, orange Schürzen, ein weiss-grüner Schriftzug. Das Lokal an der Basler Horburgstrasse hat Stil. Geschäftsführer Daniel Wölfle ist schon mitten in der Arbeit. Die drei Praktikanten von der zweiten Verkaufsstelle, dem Kaffee und Snackhaus Fresh@work, sind nicht aufgetaucht. Also muss einer der elf anderen Praktikanten vom Pizzaioli ins Fresh gebracht werden.

 

Eine Erfolgsgeschichte

Das Projekt Pizzaioli@work fand seinen Anfang im März 2007. Ausschlaggebend für das Engagement des Vereins Lebensträume war der Mangel an niederschwelligen Ausbildungsplätzen. Die Grundidee von Pizzaioli@work ist es denn auch, Jugendlichen mit Problemen und ohne Ausbildungsstelle eine sinnvolle Beschäftigung zu bieten, ihnen etwas beizubringen und sie schliesslich an einen Lehrbetrieb zu vermitteln. “In siebzig bis neunzig Prozent der Fälle klappt das”, meint Daniel Wölfle stolz.

 

Vier Jahre nach der Gründung erfolgte die Expansion, das Fresh@work” wurde eröffnet, wo neben Menüs vor allem Snacks und Getränke angeboten werden. Der Stolz des neuen Lokals ist die alte Kaffeemaschine: Drei verschiedene Mahlsorten werden angeboten. Inzwischen absolvieren jährlich sechs Jugendliche ein zwölfmonatiges Praktikum im Fresh@work. Im Pizzaioli@work sind es sogar bis zu vierzehn. Betreut und ausgebildet werden sie von Profis – Köchen, Haushälterinnen und Servicefachangestellten. Das ganze Unternehmen steht unter der Trägerschaft des Vereins Lebensträume und erhält keine staatlichen Subventionen. Damit ist auch die politische Unabhängigkeit gewahrt.

 

Lange Tage für ein bisschen Stolz

Es wird ein langer Tag werden für Daniel Wölfle und seine Mitarbeiter: Wie immer liefern sie 130 Portionen an Mittagstische aus, zusätzlich wurden diverse Apéros und andere Essenslieferungen bestellt. Ganz nebenbei läuft der normale Betrieb weiter. Im Fresh@work heisst das, mittags etwa sechzig Menüs, im Pizzaioli@work um die dreissig. Dazu kommt ein Apéro, das im Haus stattfindet.

 

So viel Stress sei schwierig für die Jugendlichen, weiss Wölfle. Für sie bedeuten viele Aufträge viel Arbeit. Dabei hätten einige unter ihnen schon gerne früh Feierabend. Aber Daniel Wölfle schätzt diese Herausforderung. Und nach einem erfolgreichen Event wie der Herbst- oder Buchmesse, dem Voices Festival oder einem Catering für 450 Personen seien die Jugendlichen dann doch immer ein bisschen stolz.

 

Hartes Erlernen von Soft Skills

Das nächste Ziel ist eine mobile Verkaufsstelle. In einem Zirkuswagen sollen Pizza und Kaffee angeboten werden. Auch spezielle Zertifikatsausbildungen sollen den Jugendlichen ermöglicht werden: als Barista, Pizzaioli oder im Bereich Hygiene. Doch an diese Projekte denkt Daniel Wölfle nur an Abenden und Wochenenden. Sonst ist er viel zu beschäftigt, seine Praktikanten auszubilden, ihnen sogenannte Soft Skills beizubringen. Zum Beispiel, wie man sich in der Gruppe, den Kunden gegenüber oder an einem Vorstellungsgespräch verhält. Dinge, die die Jugendlichen bis zu diesem Zeitpunkt nicht gelernt haben. Dass an der Sozialkompetenz noch gefeilt werden muss, wird im direkten Kontakt klar. Der Versuch, einen Pizzaiolo in ein Gespräch zu verwickeln, scheitert kläglich. Er verschwindet lieber schnell in die Küche, schliesslich ist es inzwischen auch Mittag geworden.

 

Am Ende besteht kein Zweifel: Im Pizzaioli@work isst man doppelt gut: Im kulinarischen, wie im sozialen Sinn. Isst man doch gewissermassen für einen guten Zweck: Für eine Zukunft mit Perspektive.

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Theater auf, vor und hinter der Bühne

Es gibt es viel zu Lachen, wenn im Theaterkeller des Englischen Seminars der Universität Basel das Saallicht aus- und die Bühnenbeleuchtung angeht. Mit “Noises Off” hat sich die Laientheatergruppe “The Gay Beggars” ein äusserst komisches Stück ausgesucht, welches weniger durch seine Handlung sondern viel mehr durch Tempo, Absurdität und Situationskomik glänzt.

 

Ein Stück im Stück

“Noises Off” besteht aus drei Akten. In jedem Akt ist zu sehen, wie eine Theatergruppe den ersten Akt des fiktiven Stückes “Nothing On” spielt. Zuerst erlebt der Zuschauer die letzte Probe vor der Premiere, an der alles schief geht, was schief gehen kann. Der zweite Akt zeigt eine Matinee-Vorstellung von “Nothing On” einen Monat nach der Premiere. Dabei haben sich die zwischenmenschlichen Konflikte der Schauspieler zugespitzt und die Streitereien werden während der Vorstellung hinter der Bühne ausgetragen. Im letzten Akt eskaliert die Situation. Die Schauspieler befinden sich am Ende der Tournee und am Ende ihrer Nerven. Im zweiten Akt wird das Bühnenbild umgedreht. So bekommt der Zuschauer den Einblick in den Backstagebreich und die Geschehnisse hinter der Bühne.

 

Lange Vorbereitungszeit

“The Gay Beggars” haben es geschafft, das aufwändige Stück mit wenigen Hilfsmitteln auf die Beine zu stellen. Das Bühnenbild ist so konstruiert, dass es mit geringem Aufwand für den zweiten Akt um 180 Grad gedreht werden kann. Viel Zeit hat die Produktion trotzdem gekostet: Seit Januar arbeiteten die Regisseurinnen Karolina Kowalska und Laura Vegh drei Mal pro Woche an “Noises Off”. Im Februar wurde zusätzlich eine Woche intensiv im Theaterlager am Stück gearbeitet. Die Arbeit hat sich gelohnt: Das Timing sitzt, die Charaktere wirken, das Stück funktioniert und das Publikum lacht.

 

Es macht Spass

Mit “Noises Off” bieten “The Gay Beggars” einen äusserst unterhaltsamen Abend, der ein Kontrast zur teilweise stark intellektualisierten Theaterlandschaft ist. Trotz überzeichneter Charakteren und vorhersehbaren Pointen wird “Noises Off” in keiner Sekunde langweilig und schafft es, den Zuschauer durch Geschwindigkeit und Timing immer wieder zu überraschen.

 

 

“Noises Off”


 

Das Theaterstück “Noises Off” ist jeweils zu sehen am

26.4./27.4./2.5./4.5./5.5., um 20.00 Uhr, sowie am 29.4. um 18.00 Uhr,

im Theaterkeller, Englisches Seminar, Nadelberg 6, in Basel

 

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Sie erfinden menschenfreundliche Möbel

Als “BBH Collective“ stellten sie letzte Woche in Mailand ihre Möbelkreationen vor. Deren Anfangsbuchstaben – B wie “Break” oder “Bounce”, H wie “Hydrophilia” – bilden gleichzeitig den Namen des Projektes von Pascale Grossmann, Veronique Baer und Gerardo Chavez Casteñada. Sie haben alle an der kantonalen Kunsthochschule in Lausanne ECAL Design studiert und vergangenen Sommer zusammen Abschluss gefeiert. Am Möbelsalon präsentierten die drei frischgebackenen Designer ihre Arbeiten erstmals dem internationalen Fachpublikum (siehe Link).

 

Nach den Sternen greifen

“Rot ist schlichtweg die Sofafarbe!” So erklärt Pascale Grossman die Farbe ihres Designsofas “Break”. Egal, ob Theater oder Kino, wo es gemütlich werde, treffe man Rot an, meint sie. Doch eigentlich geht es bei diesem Sofa weder um die Ästhetik, noch um die Form. “Ich wollte ein Sofa erschaffen, welches sich der Sitzhaltung anpasst”, sagt Pascale Grossmann. Deshalb lassen sich die Winkel bei der Rückenlehne sowie bei den Beinpolstern verstellen.

 

Wie die meisten Jungdesigner erhofft auch sie sich, in Milano einen Produzenten für ihr Produkt zu finden. Das sei jedoch noch ein Griff nach den Sternen. Möbeldesign bezeichnet sie als ihre Leidenschaft unter den verschiedenen Designarbeiten. Aber im Moment widmet sich Pascal Grossman vor allem der Innenarchitektur und dem Grafikdesign: Seit kurzem hat sie eine Festanstellung bei einem Designbüro in Freiburg. Ein Erfolg für die 24-Jährige, denn gerade im Bereich Design müssen die Absolventen sich oft jahrelang durch schlecht oder unbezahlte Praktika kämpfen. In der Branche herrsche eine Arbeitslosigkeitsquote von ungefähr dreissig Prozent, schätzt Pascale Grossmann – die vielen Designschaffenden, die auf andere Berufsfelder ausweichen mussten, nicht mitgezählt.

 

“Bei so viel Konkurrenz ist es extrem schwer, sich von der Masse abzuheben. Ich glaube, manchmal könnte ich da mehr Selbstvertrauen vertragen.” Dass Pascal Grossmann in einem so hart umkämpften Berufsfeld eine Stelle ergattert hat, erklärt sie denn auch mit Glück. “Ich musste mich letzten Herbst entscheiden zwischen einem einjährigen Praktikum in Neuenburg oder dem dreimonatigen in Freiburg, ohne vorher zu wissen, ob es in einer Festanstellung münden wird.” Gut gepokert, auf jeden Fall freut sie sich nun auf die neue Herausforderung und die zukünftigen Projekte. Zur Inspiration für neue Werke hat die junge Frau einen Geheimtipp: Das Reisen.

 

Überraschungseffekt

Neben dem roten Sofa befindet sich eine weitere Sitzgelegenheit einer Schweizer Designerin: Fluffige Sitzbälle, entworfen von der 25-jährigen Véronique Baer, bieten einen skurrilen Anblick. Der Schaumstoff passt sich dem Körper an, wenn man auf dem Objekt Platz nimmt. Von welcher Seite man sich setzt, spielt dabei keine Rolle. “Es geht bei dem Projekt besonders darum, dass die Objekte nicht nach Sessel, sondern nach dekorativen Skulpturen aussehen”, sagt Baer. Viele Leute würden auf den ersten Blick nicht einmal die Funktion der Bälle, die sich “Bounce” nennen, erkennen. Zudem ist es wohl die einzige Sitzgelegenheit, die nie mit leerer Sitzfläche rumsteht.

 

In ferner Zukunft sieht sich Baer als freischaffende Designerin. “Sich auf dem Beruf selbstständig zu machen, ist das Ziel der meisten Designerinnen und Designer”, so Baer. Dieses zu erreichen, sei jedoch im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld sehr schwierig. “Besonders die kleineren Designunternehmen werden von der Wirtschaftskrise getroffen und schreiben daher kaum noch Stellen aus.” Auch einen Praktikumsplatz zu finden, sei im Moment nicht einfach, so die Luzernerin. Umso mehr freut sie sich, dass sie im Moment einem Praktikum im Bereich Innenarchitektur und Ausstellungsdesign nachgehen kann. “In meiner aktuellen Arbeit geht es oft darum, Exponate für Museen zu gestalten”, sagt Baer und schwärmt, wie abwechslungsreich diese Arbeit sei.

 

Grillabend statt Luxus

Auf einer Videoinstallation am Stand ist zu sehen, wie die Holzkomponenten des Projekts “Hydrophilia” an einem Seeufer zusammengebastelt werden. Hydrophobia, so nennt sich die panische Angst vor Wasser, und genau vom Gegenteil handelt das Exponat von Gerardo Chavez Casteñada. Der aus Mexiko stammende Nachwuchsdesigner hat einen Tisch mit zugehöriger Sitzbank entworfen, dessen Einzelteile man zuerst in Wasser einweichen muss. Sobald das Holz sich geweitet hat, kann man Metallteile als Halterungen einschieben. Beim Trocknen zieht sich das hölzerne Material wieder zusammen und bildet eine stabile Konstruktion. Die Bauform kommt ganz ohne Nägel, Leim oder anderen Hilfsmitteln aus. “Perfekt für einen Grillabend am See”, sagt Gerardo Chavez Casteñada lachend.

 

Sein Studium hatte er in Mexiko begonnen und war ursprünglich nur für ein Austauschsemester an die ECAL gekommen. Später verlängerte er seinen Aufenthalt, um schliesslich in Lausanne den Bachelortitel zu erwerben. “Während in Europa Design bereits seit Jahrzehnten gelebt wird, hat man in Südamerika erst vor wenigen Jahren angefangen, sich näher damit auseinanderzusetzen”, erzählt Gerardo Chavez Casteñada. Und weiter: “Denn wo ich herkomme, ist Design ein Luxus, an welchem oft gespart wird.”

Private TV-Sender der Schweiz – sind sie eine Konkurrenz für SF?

Die TV-Szene in der Schweiz wird von SF dominiert. Daneben gibt es diverse kleinere Anbieter wie 3+, Star TV und ssf, das Schweizer Sportfernsehen. Zudem sind Programminhalte vom Schweizer Ableger, der deutschen Sender ProSieben und sat1 empfangbar.

 

Anfangs der 2000er-Jahre war das anders. Der Sender TV3, der zum Tages-Anzeiger gehörte, war mit dem klaren Ziel gestartet, SF zu attackieren. Dies ist mit Sendungen wie “Wer wird Millionär”, “Robinson” und dem Ableger des grossen Bruders “Big Brother” auch gelungen. Doch die Kosten der gut produzierten Sendungen waren auf Dauer zu hoch. 2001 brach TV3 unter einem enormen Schuldenberg zusammen.

 

Nicht anders erging es dem damaligen Mitbewerber Tele 24. Der Schweizer Nachrichtensender wurde von Roger Schawinski gegründet. Ausgerechnet die hohen Kosten der Nachrichtensendungen führten dazu, dass der Sender eingestellt wurde. In die Lücke vom TV3 und Tele 24 sprangen ProSieben und sat1, dies nachdem ein anderes Programmfenster, nämlich RTL und ProSieben, bereits gescheitert war.

 

Konkurrenz ProSieben und Sat1 Schweiz

Das Programmfenster ProSieben/sat 1 existiert heute noch. Allerdings machen die Chefs in Deutschland den Schweizer Produktionen häufig das Leben schwer. Durch schlechte Sendeplätze wird ein Erfolg unmöglich. Kommt dann doch einmal eine Sendung zur Ausstrahlung, steht diese in Konkurrenz zum deutschen Programmangebot. So war die erste Sendung von Harald Schmidt im letzten Herbst in der Schweiz zu Gunsten der Politikarena nicht zu sehen. Ausserdem begann diese eine Stunde später, weil die deutschen Programmplaner einen dreistündigen Film gezeigt haben. Ursprünglich wäre ein zweistündiger geplant gewesen.

 

Shiva bei U1

Nachfolger von TV3 im Inland wurde der Sender U1. Wieder einmal waren die Macher mit hohen Erwartungen an sich selber gestartet: Jung und frech wollten sie sein. Doch der Sender entfernte sich immer mehr von den eigenen Erwartungen. Wenige Jahre nach dem Start bestand der Sender nur noch aus billigen Telefonspielen und Mike Shiva. Letztlich wurde Shiva dem Sender auch zum Verhängnis. Wegen der zweifelhaften Figur verlor der Sender die Sendeberechtigung im frei empfangbaren Fernsehen. Damit verschwanden auch die letzten guten Sendungen aus dem Programm. Heute sendet der Sender unter Schweiz 5 im digitalen Fernsehen und besteht nur noch aus Mike Shiva. Die Sportinhalte von U1 sendete anschliessend Star TV weiter. Bevor die Ver-antwortlichen einen eigenen Sender bekamen, nämlich das Schweizer Sportfernsehen.

 

Nachhaltiges 3+

Der jetzige Sender 3+ orientiert sich wieder mehr am Vorgänger TV3, nicht nur namentlich. Allerdings achtet der Sender sehr stark auf seine Ausgaben. Dies ist verständlich, will er doch langfristig erflogreich sein. Aufgrund dessen geht der Ausbau des Senders nur langsam voran. In den ersten Jahren war selten ein Erfolg zu vermelden. Kein Format vermochte zu überzeugen. Mit “Bauer ledig sucht” schaffte der Sender endlich den Durchbruch und führte auch die am gleichen Abend ausgestrahlten Formate zum Erfolg.

 

Letztes Jahr bliesen die Verantwortlichen zur Quizoffensive. Sie hatten “Wer wird Millionär” in der Schweiz erneut eingeführt. Die Quoten waren gut, der Kostenfaktor jedoch intensiv. Laut Informationen des Senders wird zur Zeit eine zweite Staffel evaluiert. Sollte dies gelingen, hat 3+ einen weiteren Abend, den sie mit eigenen Produktionen bespielen können. So macht 3+ einen wichtigen Schritt hin zum abwechslungsreichen Programm.

 

Fäkalsprache bei Joiz

Auch das experimentelle Fernsehen gibt es noch. Dieses wird aktuell vom Jugendsender Joiz abgedeckt. Ob dieser allerdings längerfristig überleben wird, ist fraglich. Er hat sich keine Lizenz für das frei empfangbare Fernsehen sichern können. Begründet wurde der Entscheid mit der Fäkalsprache, die in den Sendungen verwendet wird.

 

Unwahrscheinlicher Zusammenschluss

Es gibt also viele kleine Anbieter. Wenn sich die kleinen nationalen Anbieter zu einem grossen Sender zusammenschliessen würden, könnten sie SF ernsthaft angreifen. Aktuell konkurrenzieren sie sich aber häufig gegenseitig. Der skizzierte Zusammenschluss zwi-schen den nationalen privaten Sendern ist jedoch wegen den unterschiedlichen Philosophien und Firmenstrukturen mehr als unwahrscheinlich. So besteht momentan auch keine Chance den Unterhaltungsbereich von SF zu schwächen.