Kultur | 12.03.2012

Verirrter Sommerhit

Text von Laura Kissling | Bilder von Laura Kissling
Fragen Sie jemanden, wer Michél Telo ist, erhalten Sie vermutlich die Antwort: Wer? Fragen Sie jemanden, ob er 'Nossa Nossa' oder 'Ai Se Eu Te Pego' kennt, kommt vermutlich ein deutliches Ja zurück. Doch wie schafft es ein Sommerhit, im Winter erfolgreich zu werden? Tink.ch machte den Test beim Konzert im X-tra letzten Dienstag.
Michél Telo brachte ein wenig Südamerika ins X-tra.
Bild: Laura Kissling

“Ai Se Eu Te Pego” ist einer jener Songs, die man entweder hasst oder liebt. Dazwischen gibt es wenig. Für manch einen war er plötzlich da. Radiostationen spielten das Lied, junge Leute trugen es auf ihren Handys umher und auf Youtube nahmen die Klicks rasant zu. In Wirklichkeit hat sich das Lied jedoch auf ungewöhnliche Weise seinen Weg in die internationalen Medien gebahnt. Ein Youtube-Video, in welchem der brasilianische Fussballspieler Neymar da Silva Santos Júnior in der Kabine zum Lied tanzt, erreichte mehrere Millionen Klicks. Wenig später vollführte der Real Madrid-Spieler Cristiano Ronaldo die Tanzbewegungen auf dem Platz, nachdem er ein Tor erzielt hatte. In kürzester Zeit verbreitete sich zuerst die Tanzbewegung auf den europäischen Fussballplätzen und dann das Lied in den Charts. Dort setzt es sich nun seit rund drei Monaten in aktuell neun europäischen Ländern auf Platz 1 fest.

 

Ein Stück Südamerika

Trotz allem scheidet “Ai Se Eu Te Pego” die Geister. Vor allem das männliche Geschlecht bezeichnet sowohl Lied, als auch Sänger oft als “nervig und total überflüssig”. Kein Wunder, waren am vergangenen Dienstagabend im X-Tra Zürich rund 70% der Zuschauer weiblichen Geschlechts. Im Laufe des Abends war oft unklar, ob man nun in Südamerika oder Zürich ist; ob man an einem Konzert oder an einer Modeschau ist. Viele Zuschauer redeten Portugiesisch oder Spanisch, in der Konzerthalle legte vor und nach Michél Telos Auftritt ein DJ lateinamerikanische Musik auf. Das Konzert selber wurde begleitet von andauerndem Kreischpegel, Frauen jeden Alters, die Herzchen mit ihren Händen formten und einer Menge, die beinahe jedes Lied mitsingen konnte.

 

One-Hit-Wonder über zwei Sommer?

Lag es vielleicht eher an der begrenzten Anzahl Songs, dass sich Michél Telo auch an Cover-Versionen von “Danza Kuduro”, “Someone Like You” oder “I’m Yours” bediente? Wir wissen es nicht, doch für die Stimmung, wären sie nicht nötig gewesen. In den hinteren Rängen konnte man noch ein anderes Schauspiel beobachten: Kaum war in der Hälfte des Konzertes der Nummer 1-Hit “Ai Se Eu Te Pego” gespielt, verliessen die ersten Besucher das Konzert. Ist Michél Telo im europäischen Raum vielleicht doch nur ein One-Hit-Wonder? Vielleicht! Doch mit grosser Sicherheit wird  “Ai Se Eu Te Pego” auch noch im nächsten Sommer überall zu hören sein.

 

Michél Telo


 

Geboren am 21. Januar 1981 in in Medianeira, begann Michél Telo seine Musik-Karriere im zarten Alter von zwölf Jahren.  Nach dem er in mehreren Bands spielte, entschied er sich 2009 zu einer Solokarriere. Sein im Jahre 2010 erschienenes Live-Album “Michél Telo Ao Vivo” wurde mit Gold ausgezeichnet. Der darauf enthaltene Song “Fugidinha” schaffte es auf Platz 1 der brasilianischen Charts und verhalf Michél Telo so zum vorerst lokalen Erfolg.