Kultur | 13.03.2012

“Schlagzeuger sind anders”

We Have Band sind ein britisches Trio mit viel Elektro und noch mehr Tanz. Mit ihrem zweiten Album touren sie unermüdlich durch die Welt. Tink.ch traf in Zürich Thomas, Dede und Darren und sprach mit ihnen über explodierende Sängerinnen, schmutzige Hände und die Band als Therapie.
Thomas, Dede und Darren von We Have Band...
Bild: Eliane Widmer ...interviewt von Martin Sigrist. Martin Sigrist

Ihr habt ein zweites Album im Gepäck, was ist neu?

Darren: Zehn neue Songs, das ist für uns Entwicklung, ein Fortschritt. Wir haben nicht wirklich geplant, was wir machen wollen. Als wir mit dem letzten Album angefangen haben, hatten wir nicht erwartet, dass es sich jemand anhören würde. Wir haben einfach rumgespielt. Wir haben uns bei Thomas und Dede troffen, haben getrunken, gegessen und einfach gemacht. Und ein paar Jahre später sind wir jetzt auf der ganzen Welt unterwegs. In dieser Zeit sind wir bessere Songschreiber geworden, benutzen unsere Stimmen anders und die Texte sind persönlicher geworden. Wir sind aber noch immer die gleichen drei Leute.

 

Dede: Bei unseren Live-Auftritten haben wir jetzt einen Schlagzeuger. Wir kümmern uns auch sonst mehr um die Dinge um mehr Kontrolle zu haben, dafür haben wir jetzt einen fixen Tontechniker dabei. Wir möchten besseren Sound, mehr Energie und den Vibe bekommen, den wir möchten. Dazu haben wir jetzt schon seit drei Touren das gleiche fixe Team.

 

Ihr habt jetzt einen Schlagzeuger?

Darren: Ja, wir haben drei, Marc, der jetzt gerade dabei ist, ist noch in einer anderen Band, Micachu and the Shapes.

 

Dede: Er hat sein eigenes Projekt. Da wir aber immer spielen müssen, haben wir noch zwei weitere Schlagzeuger.

 

Aber keinen eigenen Schlagzeuger?

Thomas: Nein, wir brauchen kein weiteres Bandmitglied. Und Schlagzeuger sind anders, die spielen oft in verschiedenen Bands und haben ihre eigenen Ideen.

 

Dede: Und verschiedene Schlagzeuger bringen verschiedene Energien rein, das bringt Abwechslung. Sie haben einen anderen Zugang und das verändert uns alle. Thomas macht aber mit dem Arrangieren ja die Grundlage, die dann für die Konzerte in ein Live-Drum übersetzt wird.

 

Ihr drei langweilt euch aber nicht gegenseitig?

Dede. Wir sind noch eine sehr junge Band, erst drei Jahre zusammen. Wir lernen uns als Band immer noch kennen und entwickeln uns noch. Es ist noch vieles zu entdecken. Wir sind immer noch daran interessiert, was wir drei machen, das ist für uns noch immer spannend.

 

Dede und Thomas, ihr seid verheiratet. Ist es jemals komisch, in dieser Konstellation zu dritt zu sein?

Darren: Wir machen Musik zusammen. Es ist ja nicht so, dass zwei Verheiratete nicht zwei verschiedene Menschen bleiben. Wenn wir zusammen wohnen würden, wäre das vielleicht komisch, aber wir machen Musik zusammen. Thomas und Dede haben musikalisch sehr unterschiedliche Ideen, mit der Ehe hat das alles nichts zu tun. Wir sind drei unterschiedliche Menschen und machen alle unser Ding. Beides sind sehr starke Persönlichkeiten, was vielleicht bei anderen Paaren nicht so ist. Wenn wir unseren Sound oder das Geschäft besprechen, kann es auch sein, dass die zwei sich nicht einer Meinung sind.

 

Dede: Für uns funktioniert es sehr gut. Vieles passiert und fordert uns heraus, aber die Zusammenarbeit zwischen uns drei funktioniert immer.

 

Ihr habt keine Frontperson, seid ihr eine sehr demokratische Band?

Darren: Dass wir keine Frontperson haben war keine Entscheidung, wir singen einfach alle gern. In anderen Bands will vielleicht der Bassspieler nicht singen. Bei uns ergibt es sich so wie es sich ergibt.

 

Thomas: Ich könnte nicht so auf der Bühne explodieren wie Dede.

 

Dede: Ich denke schon, dass er das könnte, er hat es einfach noch nie getan. Ihr könntet beide machen was ich tue. Ich fühle mich wohl auf der Bühne, ich möchte das Publikum abholen, ich mag es wenn das Publikum Spass hat, dann hab auch ich Spass. Ich wusste nicht, dass das in mir steckt. Wir haben einige Shows gespielt bevor es passiert ist, bevor ich das erste Mal explodiert bin. Früher habe ich meist meinen Arbeitsplatz auf der Bühne nicht verlassen, bin nicht von meinem Mirkofon weg. Und dann wurde mir vorgeschlagen, bei einem Song zum Publikum zu gehen. Bis dahin wusste ich nicht, dass es Spass macht, dass das ein sehr glücklicher Moment ist. Das würde meinen Bandkollegen gleich gehen. Sie wissen nicht, wie es sich anfühlt. Es ist ein sehr positives Gefühl. Jetzt bin ich süchtig danach. Mein Name ist Dede und ich bin süchtig nach den positiven Gefühlen, die mir das Publikum gibt.

 

Ist eure Band eine Art Therapie für euch?

Darren: Ja, auf ganz verschieden Arten. Wenn du schreibst oder wenn du weg bist von daheim.

 

Dede: Du kannst vieles rauslassen. Ich leide unter Schlaflosigkeit und habe darüber geschrieben, das war schon therapeutisch.

 

Darren: Touren ist wie wenn Du einen Entzug machst. Einfach weg, jeden Tag in einer anderen Stadt, das ist sehr befreiend, fordert dich aber auch heraus. Es macht zwar keinen besseren Menschen aus dir, zwingt dich aber, offen zu sein, da dir jeden Tag etwas Neues begegnet.

 

Dede: Ich bin sehr schüchtern, eher eine introvertierte Person. Jedoch treffen wir jeden Tag neue Leute. Promoter kannst du nicht ignorieren, die haben dich eingeladen. Leute kommen zu den Shows, es gibt sehr viele Leute auf Tour mit denen du interagieren musst. Du kannst dich nicht verstecken, es ist kein Moment, schüchtern zu sein. Das geht jeden Tag so.

 

Fühlt man sich in solchen Momenten manchmal falsch?

Dede: Es gibt sicher Leute, die falsch sind. Es gehört vielleicht auch zum Beruf, zu jedem Beruf. Aber wir lügen nicht oder geben was vor. Du kannst bei der Arbeit nicht unfreundlich sein.

 

Darren: Wir haben uns jetzt grad erst kennen gelernt und das ist eine ziemlich intensive Unterhaltung. Das ist aber nicht schwierig, wir müssen einfach sprechen, das ist nett.

 

Dede: Was wir tun ist ja immer positiv, es ist eine positive Erfahrung. Wir sprechen mit dir, das ist super. Du hast dir Zeit genommen, andere Leute nehmen sich Zeit, unsere Konzerte zu besuchen, wir können immer neue Leute treffen und uns mit ihnen unterhalten. Da gibt es keine Negativität. Wir sind sehr glücklich darüber, was wir tun können.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Darren: Bist du sicher? Du hast doch sicher noch eine Frage? Wir können schon überziehen.

 

Gerne. Ihr habt alle mal bei EMI gearbeitet. Wie fühlt es sich jetzt auf der anderen Seite an?

Tom. Wir versuchen, die damalige Seite schnell zu vergessen. Wir müssen einfach schauen, was für uns und die Musik gut ist und was die Fans mögen.

 

Dede: Das hat uns die Augen geöffnet. Wir sehen jetzt vieles anders, wir haben momentan keinen Manager.

 

Darren: Wir sind eher eine Punkband, denn wir machen sehr vieles selbst. Auf der Bühne das Licht, nach den Konzerten das Merchandise. So machen wir, was wir wollen. Wir müssen die Vergangenheit ruhen lassen und schauen, was für uns als Künstler gut ist.

 

Dede: Ja, du musst dir die Hände schmutzig machen.

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