Kultur | 19.03.2012

Motorräder, Toblerone und ein Sandhaufen

Die Plattform des Vereins Kunstwollen fand zum sechsten Mal in den Hallen der EWZ in Zürich statt. Kathrin Affentranger gewann den Kunstpreis der Nationale Suisse. Sie überzeugte mit einer Würfel-Installation.
Ob Sand, Plastilin oder Glas -“ das Material ist ein zentrales Element in den Arbeiten von Wanda Nay.
Bild: kunstwollen Die Arbeit von Kathrin Affentranger oszilliert zwischen Zeichnung, Skulptur und Installation. kunstwollen Original amerikanische Toblerone von Nicolas Raufaste. kunstwollen

Wenn man die kalte graue Halle des EWZ betritt, sticht einem sofort das Werk von Wanda Nay ins Auge. Was zunächst wie ein überdimensionaler Haufen Sand erscheint, entpuppt sich beim zweiten Blick als weitaus mehr. Farbige Plastilin-Röhren ragen in verschiedene Richtungen hinaus, zudem sind einige Stellen bunt angesprayt. Der Besucher kann gar nicht anders, als das Werk aus allen Perspektiven betrachten zu wollen. Nach und nach kommen so die verschiedenen Bestandteile hervor und man erkennt aus der Dreidimensionalität bildhafte Fragmente.

 

Klassisch minimalistisch

Kathrin Affentrangers Holzskulptur droht daneben regelrecht unterzugehen. Die Absolventin der Hochschule der Künste Bern ist die Gewinnerin des diesjährigen Förderpreis für junge Kunst der Nationale Suisse. Überzeugt Nay durch Unebenheiten, verhält es sich mit Affentrangers Werk genau umgekehrt. Sie setzt mit ihrer Installation auf geometrische Grundformen und Kanten. Bei genauerem Hinsehen kommt jedoch deutlich die spielerische Interaktion mit formalistischer Tradition hervor. So erzeugt die skulpturale Arbeit dennoch eine durchdringende räumliche Präsenz. Diese Präsenz und jene von Nays Sand-Installation ist so stark, dass man die anderen Arbeiten nur am Rande wahrnimmt.

 

Versteckte Motorräder

Im Untergeschoss angekommen, erwarten den Besucher drei Motorräder, allesamt auf ein Podest gestellt und zugedeckt. Dies lässt dem Betrachter viel Interpretationsraum. Durch das Podest wird klar, dass das Motorrad hier als weitaus mehr als nur ein Fortbewegungsmittel gesehen wird, und der Besitzer eine persönliche Beziehung dazu haben muss. Es kommen einem sofort Bilder von  bärtigen, korpulenten Bikern mit Lederhosen in den Sinn. Aber weshalb sind die Motorräder abgedeckt? Wollte der Künstler, Pedro Wirz mit der zusammengefalteten Bettdecke auf den Beschützerinstinkt des Fahrers gegenüber Gefährt hinweisen? Mit dem schwarzen Tuch eine Liebeserklärung an die Form und Silhouette machen? Handelt es sich beim Werk um eine Hommage an die Männlichkeit?  Diese Fragen bleiben weitgehend unbeantwortet. Wirz entzieht sich bewusst jeder Erklärung, um dadurch den Spekulationsraum nicht einzugrenzen. Das Werk stellt eine willkommene Irritation im sonst so durchgeplanten, fast zu gradlinigen Aufbau der Ausstellung dar.

 

Toblerone, natürlich aus der Schweiz

Am Ende des Ausstellungsraums sieht man ein mittelgrosses Werbeplakat vom 23-jährigen Romand, Nicolas Raufaste. Malerisch ist das Matterhorn und davor eine Packung Toblerone abgebildet. Es handelt sich aber keineswegs um ein gewöhnliches Poster, das sich in seiner Typografie und in seinem Layout selbst feiert. Die Finesse dahinter steckt im Slogan und was er uns mit seiner Aussage suggeriert. In grosser Schrift ist darauf zu lesen: «…it’s Switzerland«, darunter die Übersetzung ins Japanische. Toblerone gehört seit 1990 zum US-amerikanischen Lebensmittelkonzern Kraft Foods. Trotzdem wird es mit der Schweiz assoziiert, zum Teil zu den Touristenströmen nach Zermatt beiträgt. Somit hat sie mit der Schweiz etwa gleich viel zu tun wie Kunstschnee mit echtem. Dieses vermeintlich unscheinbare Poster stellt den Höhepunkt der Ausstellung dar. Raufaste schafft es  mit der Reduktion auf das Wesentliche Atmosphäre zu schaffen.  Das Werk beinhaltet eine ironische Darstellung der Dinge. Als logische Konsequenz daraus, macht man sich im Nachhinein zu dieser Arbeit am meisten Gedanken.

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