Politik | 05.03.2012

Mehr Ferien = weniger Boni

Text von Rade Jevdenic
Am 11. März sieht sich das tüchtige Schweizer Volk vor eine heikle Aufgabe gestellt. Es soll entscheiden, ob seine obligatorischen Arbeitswochen von derzeit 48 auf 46 herabgesetzt werden sollen. Viele Bürgerinnen und Bürger fürchten sich vor möglichen Folgen einer Annahme der Volksinitiative "6 Wochen Ferien für alle".

63 Prozent der Bevölkerung wollen gemäss der SRG-Trendumfrage vom Februar an ihren bisherigen Ferien festhalten. Im bürgerlichen Lager herrscht Kopfschütteln über die Ferieninitiative der Arbeitergewerkschaft Travailsuisse mit Unterstützung vonseiten SP und Grüne. Denn weniger arbeiten zu dürfen, bedeutet zum einen, mehr Freizeit zu haben. Dies wiederum bedeutet, mehr Zeit für Familie und Freunde aufwenden zu müssen. Einige Hobbylose sähen sich angesichts dessen gezwungen, neu einer Freizeitbeschäftigung nachzugehen.

 

Tückische Lücken

Zwei Wochen weniger Arbeit pro Person würde sich zudem negativ auf die Produktivität auswirken. Da eine zusätzliche Menge an Arbeitszeit verloren gehen würde, wäre auch zu klären, wie dieselbe Arbeit in einem geringeren Zeitrahmen ausgeführt werden könnte. Man munkelt, viele Angestellte müssten sich die geliebte Tageszeitung dann sogar für den Abend aufheben.

 

Besonders hart getroffen werden im Falle einer Annahme der Initiative die kleinen und mittelgrossen Unternehmen. Hier würde die Umstellung von 48 auf 46 Arbeitswochen finanziell für so grosse Lücken sorgen, dass ein Grossteil der Betriebe Gefahr liefe, Konkurs zu gehen. Aber auch grosse Unternehmen müssten aufgrund der höheren Einbussen sparen: Bei den Boni für die Manager drohten Kürzungen. Können wir das mit unseren moralischen Grundsätzen wirklich vereinbaren?

 

Jammern auf Vorrat

Masseneinwanderung, Währungskrise und jetzt auch noch das: Gewerkschaften und Linksparteien wollen uns die Arbeitszeit kürzen. Sind unsere Arbeitsplätze überhaupt noch sicher? Die Schweizerische Volkspartei (SVP) klärt hierzu auf: Wie jedes Volksbegehren, welches von links initiiert wird, wird auch die Ferieninitiative massenhaft Arbeitsplätze vernichten und die schweizerische Wirtschaft nachhaltig schädigen. Böse Zungen werfen der SVP vor, sie würde jeweils mit im Farbenkleid der Nationalflagge gestalteten Plakaten Angst vor steigenden Arbeitslosenzahlen verbreiten und auf Vorrat jammern.

 

Doch wie der Schweizer und seine Schweizerin am 11. März wählen sollen, liegt nicht auf der Hand, obwohl die möglichen Folgen der Initiative bereits verschrien sind. Weihnachten und Ostern genügen völlig als obligatorischer Familienknatsch, wird sich manch einer denken. Vielleicht würde uns zwar allen ein bisschen weniger Stress bei der Arbeit gut tun. Doch am logischsten scheint, künftig das Arbeitspensum eher noch aufzubauschen, von 48 auf 49 oder vielleicht 50 Wochen. Zum Wohl unserer privaten Beziehungen und zur Stärkung der Wirtschaft.