Kultur | 27.03.2012

Kultur mit dem Fahrrad

Text von Céline Tapis
Bereits zum sechzehnten Mal spielen 60 einheimische Bands aus allen Sparten auf 10 verschiedenen Bühnen. Die beiden Abende sind gefüllt mit explosiven, bunt schillernden Auftritten. Man hat die Qual der Wahl, denn etliche Bands sind absolute Leckerbissen aus der jungen Musikküche.
The Triad mit Frontsänger Silas Gusset eröffneten das BScene-Festival.

Es sind nicht die grossen Künstler oder die überfüllten Clubs, die das BScene-Festival in Basel so besonders machen. Vielmehr sind es die kleinen Bars, die motivierten, oftmals noch eher unbekannten Bands und die Art und Weise, wie ganz Basel zusammen Kultur feiert. Es ist kurz vor halb 10, man raucht die Zigarette fertig, begrüsst Bekannte mit Küsschen hier und Handschlag da, holt sich ein Bier oder lässt sich eines holen und sucht sich anschliessend seinen Platz in einer der überschaubaren kleinen Bars.

 

 

The Triad spielen heute in der 8-bar. Auch wir bestellen uns ein Bier und stützen unsere Ellenbogen auf die Theke. Rockmusik und Bier haben schliesslich schon zu Zeiten von Led Zeppelin wunderbar harmoniert. Die rockigen Klänge umhüllen uns, wir plaudern, lauschen, wippen mit.

 

Die Musik ist intensiv und entspannend, präsent und dennoch nicht aufdringlich. Längere Instrumentalteile lassen uns abschweifen, die gut platzierten Gesangparts holen uns zurück und ziehen mit. Auf meinem Programmheft umrahme ich diesen Auftritt dreifach und füge gedanklich ein «perfekter Start in einen perfekten Abend« hinzu.

 

Scherzen mit dem Barkeeper

Von der Rheingasse geht es weiter ins Sudhaus. Bscene mit dem Fahrrad ist unbedingt zu empfehlen. Damit ist man spontan, mobil und vor allem schnell im nächsten Club. Dexter Doom & the Loveboat Orchestra bieten eine grossartige Bühnenshow im Sud. Der Leadsänger ist ein geborener Entertainer, auch wenn er nach der Halbzeit an der Bar steht, sich einen Drink gönnt und mit dem Barkeeper Sprüche klopft.

 

Das erste Ska-Stück erinnert mit arabischen Klängen an Mani Matters Sidi Abdel Assar. Auch spätere Stücke lassen an Aristocats oder Affenkönig King Louis aus dem Dschungelbuch denken. Die Band ist von Anfang an voll da, begeistert mit Lautstärke und Virtuosität. Die Texte versteht man kaum, was aber nicht weiter stört, denn wichtig ist die Festivalstimmung. Und die kommt hier definitiv auf: Schulter drückt sich an Schulter, Weingläser schwappen über, alle tanzen und stehen einander auf die Füsse.

 

Die Luft ist angenehm kühl, als wir das Grand Café verlassen. Die Klänge der vielen Holzbläser hallen in unseren Ohren nach, die Körper sind voller Musik.

 

 

Im Volkshaus erwartet uns bester Reggae, ein tanzbegeistertes Publikum und ein gemütlicher Innenhof, wo man kurz auslüften und ohne zu schreien kommunizieren kann. Dutchie Golds Dreadlocks in der Länge meines Armes sind beeindruckend und kombiniert mit einem leicht unkontrollierten Tanzschritt und einer rauen Stimme setzt sich mein Bild von einer stimmigen Reggaenacht zusammen.

 

 

Keine Ruhe, kein Verschnaufen

Die wippenden Klänge und die Ruhe, die The Dubby Conquerors ausstrahlen, sind eine angenehme Abwechslung zum virtuosen Auftritt von gerade eben. Die wechselnden Frontsänger wissen das Publikum mitzureissen, niemand scheint hier müde zu werden.

 

 

In der Kaserne wollen wir den Abend ausklingen lassen. Doch weit gefehlt: Hier rasen Herz und Musik im Gleichschlag. I Heart Sharks ziehen das Publikum zu später Stunde in ihren Bann, der Boden bebt und das Adrenalin steigt. Als die Nacht zu Ende geht, schmerzen die Füsse, plötzlich ist man doch müde, aber vor allem auch glücklich.

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