Gesellschaft | 27.03.2012

Inmitten der Daunenfedern

Ein Viertel des Jahres ist verstrichen. Und damit ist der dritte Punkt der Löffelliste fällig, die bis zum Weltuntergang im Dezember abgearbeitet sein sollte. Diesmal wird an die Masslosigkeit aus dem Februar angeknüpft und zur Faulheit übergegangen: ein Tag im Bett.
Tink.ch steht heute nicht auf, auch wenn der Wecker noch so klingelt.
Bild: Rudolf Ortner/pixelio.de

Jeden Morgen quält man sich aus dem Bett, nach eigenem Ermessen meist viel zu früh. Irgendwie ist das Bett morgens auch immer bequemer als am Abend. Wieso aber sollten wir nicht einfach einmal liegen bleiben? Als ich das nächste Mal aufwache, greife ich vom Bett aus zu meinem Computer. Internetempfang habe ich auch von hier aus. Bald knurrt der Magen, also wird die heimelige Bettstatt kurz verlassen, aber nur lange genug, um ein reichhaltiges Frühstück auf das Nachttischchen zu bugsieren. Der Kaffee schwappt ein bisschen über, kleckert auf ein Buch. Wie gut ein Gipfeli doch schmecken kann, so im Pyjama und unter der warmen Decke. Die paar Krümel, die auf der Decke landen, übersehe ich geflissentlich.

 

Schlaflos im Paradies

So geht es den ganzen Tag – aufgestanden wird nur für Verpflegung oder Toilettenbesuche. Ansonsten wir herumgelegen, herumgesessen, gelesen, gesurft, geschlafen und so weiter. Nach dem dritten Film und zweiten Nickerchen wäre ich bereit für einen Spaziergang an der frischen Luft – schwierig vom Bett aus. Also harre ich aus, wechsle die Liege- und Sitzpositionen, drehe die Decke immer wieder um, drapiere die Kissen neu. Gegen Mitternacht bin ich noch hellwach, keine Spur von Müdigkeit. Ich fühle mich nicht so, als würde ich einfach mal Pause machen und entspannen. Vielmehr empfinde ich die Faulheit als bedrückend, als unnützes Herumsitzen, ich fühle mich überflüssig. Der Gedanke, weitere acht Stunden an diesem Ort zubringen zu müssen, beängstigt mich. Aber was mich am meisten nervt: Ich kann mich nicht völlig entspannt nach einem anstrengenden Tag in die wohlverdienten Federn fallen lassen.

 

Fazit ist also: Wir alle sollten einmal so einen Tag erlebt haben (und zwar richtig, krank sein zählt nicht!). Die masslose Auskostung der Schlafstätte, die absolute Faulheit und Bequemlichkeit, die Benutzung des Betts als Esstisch. All dies ist eine Möglichkeit, das Bett als solches wieder richtig schätzen zu lernen. Am nächsten Tag ist das Aufstehen dann übrigens eine wahre Freude.

 

Für alle, die sich keinen kompletten Bett-Tag vorstellen können, gibt es auch noch eine Light-Version: Einen ganzen Tag lang im Pyjama herumlaufen. Immerhin ist bei den meisten Menschen der Pyjama das bequemste Kleidungsstück im Schrank. Wieso sollten wir dieses Kleidungsstück nur tragen, wenn wir sowieso schlafen und nicht viel mitbekommen? Und auch eine Variante De Luxe ist möglich: Lass dir dein Essen ans Bett servieren.

 

Dieser Artikel ist der dritte aus der Serie „Das Ende ist nah“. Einmal im Monat legt Tink.ch-Autorin Veronika Henschel hier Dinge nahe, die man unbedingt noch tun sollte, bevor die Welt am 21. Dezember (vielleicht) untergeht.